2084: Gen-Zeugs darf jetzt wieder importiert werden oder Google bringt Deine Festplatte zu allen, die es wissen wollen

Nico fragt sich, warum niemand in D. über das fragwürdige Vorgehen von Google schreibt, die komplette Festplatten fein durchsuchbar in Richtung USA schiebt. („Bürgerrechtler – 404 not found?„).

Meine Tante fragt mich, warum eigentlich niemand darüber schreibt, daß die WTO entschieden hat, daß Europa seine Importverbote für genmanipulierte Lebensmittel aufzuheben hat. Siehe den Telepolis-Artikel und News in Englisch). „Naja“ sagt sie, „die Blogger lesen wohl auch nicht das Handelsblatt“.

Ja warum schreiben wir eigentlich nicht mehr darüber? Weil es zu anstrengend ist, diese Themen zu recherchieren, weil es nicht einfach ist, dort nicht daneben zu treten und weil es nicht einfach ist, eine Meinung zu haben, die man dann vielleicht verteidigen muß?

Die Bürgerrechtler sind bequem geworden; aber ebenfalls wichtig: Der Schockeffekt ist weg. Damals, bei der Volkszählung (an die ich mich nur undeutlich erinnere) war das noch möglich und die Vorteile waren nicht darstellbar.

Heute jedoch? Google verspricht mir viele bunte Geschenke und verpackt es richtig gut. Dagegen stehen ein paar schwarzmalende Gestalten die mit abstrusen Themen daherkommen, die mich eh nicht betreffen. Unsexy.

Genauso wie „Preiswerte Lebensmittel mit weniger Herbiziden“ (Vorteil!) gegen „Wir wissen ja gar nicht, was auf uns zukommt“-Aussagen stehen (diffus, nicht nachvollziehbar.).

Es ist nicht faßbar und somit betrifft es mich auch nicht. Ich mag die EFF unter anderem deswegen, weil sie es schafft, diese Beziehung herzustellen. Man lese sich den trockenen Artikel bei Heise durch und frage sich selber, ob einen das Gähnen läßt oder einen dazu bringt, eine Sekunde drüber nachzudenken. Meine Vermutung: *zapp*

Nun der EFF-Artikel „http://www.eff.org/news/archives/2006_02.php#004400:

„If you use the Search Across Computers feature and don’t configure Google Desktop very carefully-and most people won’t-Google will have copies of your tax returns, love letters, business records, financial and medical files, and whatever other text-based documents the Desktop software can index.

The government could then demand these personal files with only a subpoena rather than the search warrant it would need to seize the same things from your home or business, and in many cases you wouldn’t even be notified in time to challenge it. Other litigants-your spouse, your business partners or rivals, whoever-could also try to cut out the middleman (you) and subpoena Google for your files.“

Die Steuerbehörde, die kurz mal die Hinweise auf der Festplatte durchsucht? „Herr X, Sie haben angeblich keine Einnahmen, aber warum haben Sie hier von Bank X / Y / Z Hinweise auf Freistellungseinträge? Woher kommen diese Reservierungsbestätigungen für Hotels – planen Sie etwa eine Reise?“

Solange Bürgerrechtler sich in die gleiche Ecke wie fanatische Ökoluschis stellen, die Weltfrieden predigen und alle zu Veganern machen wollen, wird das nix. Ist es nicht in der Vergangenheit, erst recht nicht in der Zukunft.

Heute heißt die Konkurrenz Ipod und Playstation. „Wir haben beim Durchsuchen Ihrer Festplatte festgestellt, daß Sie eine Tendenz zu X haben und daher vorsorglich die folgenden Filme und Musikstücke zum Abspielen gesperrt – wir sind der Meinung das hilft. Gleichzeitig haben wir bei den Behörden einen Antrag auf Behandlung gestellt, da unser Datenprofil eine Gefährdung in Y zeigt. Sie werden auch Verständnis dafür haben, daß die Bank gebeten wird, einen Blick auf Ihre Ausgaben zu werfen.

Wir wollen ja nur das Beste für Sie.“

Und nein, das ist nicht 2048, sondern fast heute schon möglich – die Behörden würden sich nicht dagegen wehren. 1984 war eine Schreckensversion, weil nur die negativen Seiten dargestellt wurden, es gab nicht die verführerische Seite dabei. Heute haben wir vor allem die verführerische. „Sie“ haben dazugelernt.

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Das Problem sind auch die Dumpfbacken, die in solchen Diskussionen ihre Sätze beginnen mit „Wer nichts zu verbergen hat …“ oder die, die glauben, das Hauptrisiko bei der Gentechnologie läge darin, daß diese die Menschen krank macht.
    Mit 1984 kann doch kaum einer etwas anfangen. Big Brother ist eine Serie bei RTL und Animal Farm ein lustiger Kinderfilm. Die Volkszählung stand 1983 in einem ganz anderem Kontext. Der Feind war noch im Osten und Globalisierung in weiter Ferne. Und heute ist der Datenschutz nicht das einzige, was vom Kapitalismus gefressen wird.
    Man müßte zwei Schritte weiterdenken, um zu verstehen. Leider hat man sich daran gewöhnt, sich schon den ersten Schritt von anderen vordenken zu lassen.

  2. Vielleicht haben wir auch einfach inzwischen zu viele Baustellen um die wir uns kümmern müßten. Bei mir stellt sich jedenfalls nach neuen Hiobsbotschaft immer so ein ‚Och ne ich hab echt keinen Bock mehr, Leute‘ -Gefühl ein. Ich kanns nur immer wieder sagen. Ich will kein Genfood, ich will entscheiden wem ich meine Daten gebe und welche.
    Das die Säcke nicht zuhören und uns alle mit immer neuen, obskureren und noch menschenfeindlicheren dafür Regierungs- und Konzernfreundlichen Entscheidungen zubomben gehört wohl zum Programm gezielter Übersättigung.
    Neben dem Aufregen und dem dagegen Anschreiben haben wir ja immer noch ein Leben.. oder so..