Amerika: „Protestgeschrei nützt nichts – wohl aber kühle Interessendiplomatie“

Nachdenklich machendes Essay „Bis der Riese weise wird“ von Peter Bender in der Zeit.

Die Europäer sollten sich über Amerika nicht wundern: So sind Großmächte eben, und so waren sie früher auch in Europa. Protestgeschrei nützt nichts – wohl aber kühle Interessendiplomatie

Was heißt es, einzige Weltmacht zu sein? Wie fühlt man sich, wenn man allen Ländern der Welt überlegen ist? Wenn man in jeder zwischenstaatlichen Beziehung der Stärkere ist und auch einer Koalition von Gegnern noch gewachsen bleibt? Wenn man von vielen gehasst wird und von vielen um Schutz angefleht, auch von Freunden weniger geliebt als benutzt – aber Rechenschaft schuldig ist nur sich selbst?

Neu (aber im Nachinein logisch) war für mich die Info, daß auch Kerry klare Worte angeschlagen hat, wie er die Rolle Amerikas sieht.

Viele Europäer suchen die Ursachen in der Person George W. Bushs und dessen Ministern. Daran knüpft sich die Erwartung, alles werde wieder gut, wenn ein neuer Präsident mit anderen Helfern ins Weiße Haus einzöge. Aber so wird es kaum sein. Schon Bushs Vorgänger Bill Clinton, der alles auf Wirtschaft und „weiche Macht“ setzte, griff in seiner zweiten Amtszeit entschlossen zur hard power.

Und Bushs Herausforderer John Kerry gab bereits zu erkennen, er werde sich als dessen Nachfolger von niemandem daran hindern lassen, das Nötige zu tun, wenn die Sicherheit des Landes es erfordere. Solange Amerika bei Kräften ist, wird es seine Kräfte gebrauchen und unilateral entscheiden, was ihm wichtig ist, und multilateral nur behandeln, was ihm wenig bedeutet oder was es allein nicht schaffen kann.

Nun denn, werden wir schauen, was die Wahl im Herbst bringt.

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

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