Über den systemimmanenten Frauenmangel oder warum fragt Ihr eigentlich mich?

Damit Herr Gassner was ordentlicheres zum Linken für seinen Barcamp-Artikel auf Telepolis hat ein Kommentar meinerseits zum „systemimmanenter Frauenmangel“.

Also, ich finde diese Themen interessant
Auf dem Barcamp in Nürnberg habe ich mich u.a. am Mittagstisch sehr nett mit Peter Schink mal wieder über das Thema unterhalten – warum so wenig Frauen auf diesen Veranstaltungen sind. Er gehört für mich zu dem Typus „Frauenversteher“, einer der Männer der ein ernsthaftes Interesse daran hat zu verstehen, warum so wenig Frauen dort sind.

Denn genau deren anderer Blickwinkel könnte und sollte viele Diskussionen befruchten und in neue Richtungen lenken, eben mehr Kinder, Küche, Stricken denn Technorati. Klischeehaft Kinder, Küche, Stricken hier anzuführen? Nun genau das sind Themen die heute viele Frauen haben wenn sie bloggen. Scheint also ein Hauptinteresse zu sein, und wenn es ihnen Spaß macht sollen sie doch genau das tun.

Gibt es vielleicht noch mehr? Wahrscheinlich. Aber fragt bitte nicht mich welche Themen für solche Veranstaltungen aufgelegt werden sollten oder angeboten werden sollten damit mehr Frauen kommen. Ich finde nämlich das heutige Angebot schon spannend.

Daher tut es mir leid wenn ich nicht mit den schlauen neuen Vorschlägen aufwarten kann und ich sehe es in der Tat kritisch wenn Frau sich aus der Verantwortung stiehlt, sich aber später beschwert nicht mit eingebunden zu sein.

Wer nicht mitspielt …
Decisions are made by those who show up.“ ist mein englischer Artikel dazu der u.a. darauf eingeht daß ich keine Quotenfrauen sehen will, sondern daß Organisatoren von Konferenzen etwas mehr Zeit investieren sollten gute Leute zu finden, die Diversität bringen. Er geht vor allem darauf ein daß man nicht auf der einen Seite sich beschweren kann daß man ausgeschlossen sei aber auf der anderen Seite auf solchen Veranstaltungen nie auftaucht. So sehr wir auch virtuell arbeiten können oder wollen – der reale menschliche Kontakt ist durch wenig zu ersetzen. Am Schluß habe ich ein paar Vorschläge für

Diese Veranstaltungen sind Kennenlernveranstaltungen auf denen man endgültig abchecken kann, ob man miteinandern arbeiten will / Projekte starten will oder einfach nur eine gute Zeit haben will. Wer nicht auftaucht, spielt nicht mit.

Okay, jetzt müssen wir also nur mehr Frauen dazu bekommen aufzutauchen und alles wird anders? Nun leider, nicht ganz.

Die dunkle Seite der Kommunikation im Netz mit Frauen
Es ist schon länger mein Fazit daß man als Frau in dieser Netzwelt ein dickes Fell und am besten keinerlei Gefühle haben sollte um nur anzufangen in der Öffentlichkeit aufzutauchen. Von aktiver Beteiligung und Streitkultur wollen wir mal gar nicht reden.

Nur ein paar Highlights aus der letzten Woche:
Die berühmten Listen „wenn sie etwas tut ist es X wenn er es tut ist es okay“ sind leider wahr. Ein leicht sarkastischer Kommentar am ersten Morgen des Barcampes führte zu der Antwort „Meine Güte bist Du heute aber wieder zickig“. Nicht in normaler Lautstärke das nur die umgebenen 3 Leute es hören können wie meinen eigenen Kommentar, nein laut genug um auch ja das andere Ende des Ganges zu erreichen. „Zickig“ wäre sicher nicht die Antwort gewesen wäre der Kommentar von einem Mann gekommen.

Der eine oder andere mag es mitbekommen haben das in der letzten Wochen ein Blogsturm bez. der Leweb-Konferenz vor sich ging, in dem auch ich meine Kommentare abgegeben habe. Diese wurden (zusammengefaßt) als weinerlich bezeichnet während die Männer nur „kritisiert“ haben.

Ich habe diesbez. Mails bekommen die so niveaulos sind das man sie natürlich direkt in den Papierkorb setzen kann, trotzdem nervt es sie zu sehen. Mit Argumenten? Auseinandersetzung mit dem Inhalt? Naaa, das wäre doch zu einfach. Ja genau, die klassischen „besorg Dir einen Kerl dann muß Du hier auch nicht so frustriert rumposten“ etc.

Auch beliebt: Das „Kleinmachen“ und abwerten, geh mit den Puppen spielen etc. (Warum ich übrigens auch so heftig auf das Logo vom Barcamp Köln reagiert habe, was von „auch für Mädchen“ sprach.) Den Fokus auf Aussehen und Kleidung legen. Nicht „sie hat diesen Job bekommen weil sie qualifiziert ist“ sondern „wie hat sie mit dem Aussehen so einen Job bekommen?!“ (über eine Programmiererin die eine neue interessante Stelle bekommen hat).

[Hierzu auch interssant zu lesen: What She Wore: The Prevalence of Gender Bias in Reporting. Eben nicht „Interessante neue Persönlichkeit im WAZ-Hause“ sondern „Peitschen-Borchert„.]

Das nicht mit Einbeziehen in Gespräche, besser noch ignorieren sowohl sprachlich als auch körperlich. Diverse Gespräche auf der Konferenz liefen leider nach diesem Muster ab wo ich mich bewußt und auffällig wieder „einschalten“ mußte.

Soweit wie gesagt nur die „Highlights“ der letzten Woche.

Frauenversteher versus Neandertaler
All das passiert ständig in dieser Form, und die kleinen Dinge summieren sich auf. Dabei rede ich noch nicht mal von den Gelegenheiten wenn es richtig kracht. Es ist ermüdend, ärgerlich, nervig. Und es bedarf einer ganzen Menge Aufwand nicht einfach zu sagen „vergiß es, es ist es einfach nicht wert“.

Es ist offensichtlich nicht leicht mit Frauen zu kommunizieren und dabei zu berücksichtigen daß dieser Teil der Menschheit in der Tat andere Kommunikationsstrukturen pflegt. Nicht daß ich der Meinung wäre, Männer müßten sich dem anpassen, im Gegenteil, ich bin der Meinung beide Seiten sollten in der Lage sein sich aufeinander zuzubewegen.

Das Problem: Es gibt eine Menge der „Frauenversteher“ da draußen. Die hilfsbereit sind, offen, aufgeschlossen, möchten die Frauen mit einbinden und mit dem ehrlichen Interesse versehen sind etwas ändern zu wollen. Irgendwann kommt aber einer von den Neandertalern dazu und macht soviel kaputt, daß 20 von der „guten Sorte“ nicht reichen.

Das dicke Fell von Anfang muß noch dicker werden, denn frau erhält in solchen Fällen kaum Unterstützung – oft bis meistens schweigen die ‚Frauenversteher‘ zu Angriffen der Neandertaler anstatt sozialen Druck auf diese auszuüben und es sind wenige Frauen anwesend mit denen man sich austauschen / verbünden könnte. Ja, es gibt Mails mit Entschuldigungen und einem „ich bin nicht so“ – solange es aber nur im privaten stadtfindet nützt das wenig.

Und so lange die Neandertaler rumpollern können sagen sich vermutlich die meisten Frauen „warum soll ich mich eigentlich damit abgeben?“. Und beide Seiten verlieren.

Selbiges hat sich sicherlich auch Natali Del Conte gedacht, die 3 Wochen lang bei Techchrunch mitgeschrieben hat. Es war nicht der Faktor warum sie gegangen ist, aber garantiert einer der Faktoren. Ich habe mir ein paar ihrer Postings sowie die Kommentare angeschaut und jap, genau das übliche Muster der Kategorie „Kleinmachen“. So nett Techchrunch auch ist, es ist es sicher nicht wert sich durch solche Neandertaler zu kämpfen.

Die Idee der Girl Geek Dinner in London ist daher trickreich: Man rufe ein Geek-Dinner aus aber Mann darf nur teilnehmen wenn er eine Frau hat die ihn mitnimmt. Damit sind mindestens 50% Frauen anwesend – offensichtlich genug um Frauen regelmäßig anzuziehen und weil die Männer auch dabei sein wollen gibt es idr eine gesunde Mischung an Teilnehmern.

Mein Fazit?
Ein Teufelskreis. Herauszukommen und zu sagen „ja, ich fühle mich davon belästigt, ja ich nehme mir das zu Herzen“ ist unmöglich, weil genau das in Zukunft verwendet werden würde. Zu schweigen, nicht aufzutauchen bringt das gleiche Ergebnis. Trotzdem gibt es auch den Teil wo Frau sich selber einen Schubs geben muß und gerade drum aufzutauchen, sich zu Wort zu melden, das Gespräch ansich zu nehmen und sich nicht auf das klassische Frauenbild reduzieren zu lassen.

Ja, daß bedeutet Retourkutschen und Kleinkinderspiele, es bedeutet sich mit Jungen auseinandersetzen zu müssen die davon irritiert sind keinen Weipisswettbewerb durchführen zu können.

Zu diesem Spiel gehören zwei – und es wird Zeit das Frau anfängt mitzuspielen und die Regeln zu diskutieren.

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hm, ich les da grade ‚Lauter starke Jungen‘ von ehm, Dings. Jan-Uwe Rogge. Ggf. ist das ‚kleinmachen‘ etwas, was das Gegenteil von dem bedeutet, was es scheint. Denn: Männer untereinander sind (sagt Rogge 😉 ) ständig im Wettbewerb, was sozusagen sowohl Übertrumpfung als auch ‚Runtermachen‘ impliziert.
    Man können nun (muss aber nicht, nur ne Idee) das ‚Runtermachen‘ von ’sich mitbewerbenden Frauen‘ als Akzeptanzsignal werten.
    Du machst als Reaktion in den Fällen, wo ich das beobachten konnte, ja genau das: Du „spielst das Spiel“ mit und reagierst „aggressiv-humorvoll“. (Wie in dem fall, als dein nebensitzer und sein Kumpel loakles Essen bzw. lokales Bier ‚erzickten‘ und du dein Unverständnis ausdrücktes. ich hab dann mit einer „Wie bei den Jägern-und-Sammlern“-Replik reagiert.
    (Obiges st jetzt in der Terminologie nicht ganz durchdacht udn soll keen Revision dessen darstellen, was du sagst, lediglich eine andere sichtweise anbieten.)
    Ach ja und „Danke“ noch, genau das [diese Präzisierung bzw. Anwendung auf Nürnberg] wollte ich provozieren 😉

  2. Eigentlich ist das ein Grund auf den CCC-Kongress zu gehen. Da haben sich Frauen einen respektablen Platz erkämpft – Hacksen sei Dank.

  3. Danke für die Lorbeeren. Jetzt muss ich nur noch Zeit finden, den Artikel auch ganz zu lesen…