Über die Verantwortung der Tarifpartner

Robert Leicht in seinem Kommentar „Worum es bei Hartz IV wirklich geht„:

Wer den Arbeitsmarkt voranbringen will, darf die Tarifpartner nicht weiterhin von den Folgen ihres Handelns und Verhandelns freistellen [..] Jetzt ist Schluss mit lustig. Das Kartell der Tarifpartner kann sich künftig nicht mehr darauf verlassen, dass es heißt: Einmal arbeitslos – lange Arbeitslosenhilfe. Nach dem Konzept von Hartz IV müssen und sollen nicht nur die Empfänger von Sozialleistungen möglichst schnell vermittelt oder qualifiziert (und nicht etwa möglichst lange folgenlos alimentiert) werden.

Die Tarifpartner müssen nun endlich einmal darauf achten, dass möglichst wenige Menschen arbeitslos werden und dass Arbeitsbedingungen (Arbeitslöhne und Arbeitszeiten) zukünftig nicht mehr in einer Weise gestaltet sind, die lediglich den verbleibenden Arbeitsplatzbesitzern entgegenkommt. Jetzt müssen sie auch an die künftigen Arbeitslosen denken, die sie selber miterzeugen – an deren Zorn, Wut und Enttäuschung.[..]

Was freilich ärgerlich ist und bleibt: Dass dieser Druck direkt und individuell auf die Arbeitslosen wirkt und nur indirekt und kollektiv auf die Tarifpartner. Aber die Gewerkschaften schimpfen schon jetzt – auch weil sie spüren: So wie bisher, praktisch freigestellt von den Folgen ihres Handelns und Verhandelns, können sie ihre Politik nicht fortsetzen. Darum, vor allem darum, geht es bei Hartz IV.

Gewerkschaften könnten sich tatsächlich mal als intelligent agierende Organisationen darstellen, anstatt platte Sprüche und Idiologien als einzig relevantes verteidigen zu wollen. Sie könnten zeigen, daß der Touch „wir sind sozial!!“ tatsächlich stimmt. Indem sie ihr Interesse darauf lenken, Menschen in Arbeit zu bringen und sich nicht nur für die relativ wenigen Interessieren, die in Arbeit bleiben sollen.

Wenige? Viele? Habe ich da ein paar Zahlen durcheinander geworfen? Nein. Ich bin nur der Meinung, daß die „gefühlte Arbeitslosigkeit“ die „gefühlte Anzahl von Menschen in Beschäftigung“ weit übersteigt. Und damit die gesamte Gesellschaft lähmt.

Modelle wie „alle erhalten 10 Minuten pro Woche weniger Gehalt und dafür müssen 100 Mitarbeiter in der Produktion nicht nach Hause gehen“ sind akzeptabel – wenn sie ehrlich verhandelt sind. Sie sind trotzdem nicht in Ordnung, wenn eigentlich dahinter steht, daß diese spezielle Arbeit an sich unwirtschaftlich ist – dann helfen auch „Solidaritätsmodelle“ nicht mehr. Denn sie werden als Arbeitsplatzrettung verkauft, was sie nicht sind. Sie sind maximal ein Aufschub.
„Für drei Jahre Arbeitsplatzsicherheit“ ist die eindeutige Ansage an den Mitarbeiter, sich gut mit den Zahlen des Unternehmens zu beschäftigen, denn wenn sich der Zustand nicht massiv ändert, dann ist in drei Jahren Schicht im Schacht. Es gibt Menschen, die sowas nicht von alleine verstehen. Diesen Menschen muß man es erklären. Tut man das? Nein. Die, die es könnten und sich selber die Verantwortung für die Mitarbeiter auf die Fahne geschrieben haben, lassen sich lieber als Retter des kleinen Abendlandes vor Ort feiern. Und verschweigen den Rest. Oder sehen sie ihn wirklich nicht?

Der Sinn und Zweck eines normalen Unternehmens ist Gewinn bzw. das Streben danach und nicht „Beschäftigungstherapie für möglichst viele Menschen bei möglichst hoher Geldauszahlung“. Es gilt nicht, daß eine zu zerstören für das andere. Das gilt in beide Richtungen. Sondern es gilt, eine Win-Win-Situation herzustellen.

Ein Sekundärziel hingegen kann es m.E. sehr wohl sein. Und beeinflußt dann auch das Primärziel. Aber das kommt dann wieder (wie es so schön heißt) „von innen heraus“.

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. „Id*e*ologie“ kommt (auch, wenn man es glauben könnte) *nicht* von „Id*i*ot“… 😉