Blogs, die neuen Gartentools

Homepages sind die Vorgärten der Neunziger

sagte mir Mitte 1995 jemand. Mir war das egal, ich bin erst mal auf Usenet und Irc abgefahren, nachdem WWW langweilig wurde. Auch wegen fehlender (Vor-)Gärten.

Nun ist die Frage, ob Blogs Hype sind, und Robert Basics Vergleich mit dem einfachen Häuschenbauen, statt kompliziert Webseiten selber erstellen, erinnert mich an den Spruch von damals.

Und nun kommen da so nerdige „Blogger“ daher, die erzählen einem, dass man doch bittschön die Inhalte chronologisch ablegen soll, jeden Eintrag verlinken möge, am besten kommentierbar machen und schwafeln von so einem hochtechnischen Teufelszeug wie RSS. Ok, ok, also schon wieder so ein Sch… Tool in die Hand nehmen? Wie? Nicht nötig? Geht viel einfacher? und noch schneller? Nein, oder? Und auch keine eigene Webseite nötig? Wo? Bei Blogg.de / Blogger.com / Twoday.net. Ist ja wie mein eigenes Haus, meine Möbel, mein Garten, meine Tapete. Cool!!! …

Blogs sind aber in meinen Augen ein laues Lüftchen, erst der Anfang. Wenn Bloghoster den Usern weitere Möglichkeiten anbieten, ihr Häusle nach eigenen Gutdünken auszubauen, wird man sein blaues Wunder im Guten erleben. Ich kenne das bestens aus einem Online Rollenspiel: es war unglaublich zu sehen, wie viel Liebe und Zeit Leute in ihr eigenes virtuelles Haus hineinsteckten. Mit sichtbaren Möbeln, Bildern, Teppichen, ja sogar Raritäten. Und der Fantasie waren keine Grenzen gesteckt, haben doch die Häuslebesitzer aus verschiedensten, zusammengestapelten Utensilien eigene Kamine, Sitzecken, hängende Gärten gebaut, obwohl die Items dafür nie gedacht waren. Die Entwickler waren selbst überrascht. Und was war es, das Besondere? Das Besondere am Besitz von digitalen Häusern, die lediglich höchstens aus einem 1k Datenmenge bestehen? Der Ausdruck von Individualität und Kreativität. Es war schon fast manisch, wie die Leute ihr Haus ausgebaut hatten.

Gebt den Leuten die Möglichkeiten, und sie werden es nutzen. Und Begrenzungen umgehen.

Wer will schon einen Vorgarten. Gebt mir einen Balkon. Einfacher zu benutzen, einfacher zu bestücken, ausreichendes Preisleistungsverhältnis und ich kann ‚meinen Garten‘ haben. Und notfalls alles rausschmeissen und neu anfangen, ohne grossen Aufwand.

Zugegeben, den grünen Daumen habe ich nicht von meiner Mutter bekommen. Aber egal! Es gibt dafür fertige Werkzeuge. Pflanzen. Mobile. Ikea! Zeigt mir, wo ich im Baumarkt eine dekorative Schaufel kaufen kann, und ich werde Euch die Welt aus den Balkonträgern hebeln!

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

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