Das Internet ist vor allem ein Abbild unserer Gesellschaft

Ich sollte schon auf dem Weg nach Köln zum Barcamp sein und sitze trotzdem hier und beginne einen Artikel von dem ich weiß, daß er mich mindestens eine Stunde kosten wird, wenn nicht mehr.

Die Kombination der Inhalte mag abstrus erscheinen, und paßt doch zusammen: Ein Beitrag im Medienmagazin Zapp im NDR über Second Life, zuviele Kontakte, ein Abschiedsbrief eines Amokläufers, warum ich der Meinung bin daß ich befähigt bin Menschen und Firmen zu beraten und warum das Internet ein Abbild der realen Welt ist. Und warum es keine einfachen Lösungen gibt.
Danke, ich weiß wovon ich rede.
Es amüsiert mich wenn Menschen versuchen mich als unwissendes Weib hinzustellen, die versucht ein wenig „in Internet“ zu machen, weil es hip ist. Die einen Standard-Job in einer Firma verlassen hat, wo sie zum Schluß die technische Seite des Reportings im Controlling betreut hat und offiziell mit Internet noch nie zusammengearbeitet hat. Selbstüberschätzung par excellence.

Schon alleine die Tatsache daß ich eine Frau bin disqualifiziert mich offensichtlich für „Kenntnisse“ dieser Art und dann die Tatsache das ich im Elfenbeinturm des Corporate Lifes gelebt habe und jetzt glaube „einen auf Berater machen zu können“. Was ist eigentlich die weibliche Form von Scharlatan?

Ich fühle mich unwohl mit der Bezeichnung „Spezialisting für Neue Medien“ aber mehr weil mich das Wort „New Media“ and Flash und Co erinnert. Nichtsdestotrotz bin ich eine solche. Mit Erfahrung, mit Talenten, mit besonderer Ausrichtung.

Ich bin eine Ideengeberin und arbeite am besten im Feedback-Mode und habe ebenso gelernt das ich am effizientesten Arbeiten kann, wenn mein Gegenüber nicht erst den Minderwertigkeitskomplex überwinden muß, eine Frau mit mehr Ahnung von Computern vor sich zu haben.

Ja, ich bin ‚erst‘ seit Juni diesen Jahres Vollzeit-Selbständige. Und trotzdem blicke ich auf fast 10 Jahre Beratung gegen Geld zurück und noch Jahre mehr Erfahrung ohne Geld.

Ich liebe es Powerpoint-Präsentationen und Konzepte auf logische Fehler zu überprüfen, und habe nicht ohne Grund diverse Male pro Monat außerhalb meiner Tätigkeit in der Firma gearbeitet. Ich hatte einen Deal mit meinem Chef daß ich diese Dinge tun durfte weil es mich mehr zufriedengestellt hatte als mein eigentlicher Job. Sozusagen mein Motivationsbonus, meine 20%-Regel. Es war akzeptiert das man mich für solche Dinge befragen konnte und ich habe mich schon 96 eingemischt als die ersten Internetversuche bei meinem Arbeitgeber gestartet wurden.

Auch außerhalb habe ich meine Erfahrung gesammelt. Ich arbeite seit 1998 mit einer Lübecker Firma zusammen wo ich als Fachfrau im Team von Experten arbeite. Ich werde hinzugezogen, wenn es um „das Internetzeugs“ geht. Und ich finde das eine ausgezeichnete Kombination.

Ich habe über die Jahre mehrere hundert Kunden beraten mit über tausend Stunden und habe unzählige Kurse rund „um alle Dinge Internet“ gegeben. Auch wenn ich diese Erfahrung nur zu einem geringen Teil selber aquiriert habe bedeutet das nicht, daß ich diese Erfahrung & Kenntnisse nicht habe.

Meine Entscheidung mit 100% diesem „Internetzeugs“ zu widmen traf ich als deutlich wurde, daß hier Dinge passieren, an denen ich mehr teilhaben möchte.

Wenn ich momentan zögere zu beschreiben was ich tue, dann liegt es nicht daran, daß ich verzweifelt nach einem Feld suche, in dem ich mich behaupten kann und in dem ich eventuell Ahnung aufbauen kann – das habe ich schon. Ich versuche mich zu entscheiden, auf was ich mich konzentrieren will.

Weswegen ich mich nur mit Bedenken als „Blogberaterin“ oder „Podcastberaterin“ bezeichnen mag – weil es so einschränkend ist. Weiß ich 100% alles über diese Themenbereiche? Kein Stück. Weiß ich mehr als die meisten Menschen und bin ich in der Lage dieses auf Fragestellung eines Kunden umzusetzen? Selbstverständlich. Bin ich für jeden Kunden die geeignete Spezialistin und Beraterin? Nope.

Ich freunde mich langsam mit dem Begriff ‚Spezialistin für neue Medien“ an, weil es beschreibend genug ist und trotzdem mehr Platz offenläßt als Dinge wie „Podcast-Expertin“. Denn ich bin mehr als nur Blogs oder Podcast oder Powerpoint.

Offensichtlich scheitere ich aber gerade, denn wo schreibe ich über meine Projekte und Kunden? Selten bis gar nicht. Aus dem gleichen Grund, warum ich nahezu niemals über meine Arbeit geschrieben habe: Weil ein Blog kein Ort ist sensible Inhalte aus den Gesprächen mit Kunden wiederzugeben. Wenn es angebracht ist, werde ich darüber schreiben aber nicht nur deswegen damit ich etwas vorweisen kann.

Da ich über diese Themen schreibe und Menschen treffe kommen natürlich auch Interview-Fragen bei mir an.

Wenn die Interviewer nicht das abliefern, was sie ihren Interviewgästen versprechen
Letzte Woche war „Second Life Woche“, das ist gerade hip. Zwei Mailinterviews, ein Interview für Inside Europe der Deutschen Welle und mehrere Stunden für einen NDR-Beitrag im Magazin Zapp, der Mittwoch lief. Interviews sind gefährlich, weil das Thema Internet immer noch gerne als Aufhänger für die angeblichen Gefahren herhalten muß, mehr als das die wirklichen Chancen dargestellt werden. Bei Fernsehinterviews bin ich noch vorsichtiger als bei Radio- oder Zeitungsinterviews ob der vermittelten Meinung – die Empfänger sind meiner Meinung nach passiver und einfacher zu beeinflussen, eine unsägliche Kombination.

Als der NDR anfragte, ob ich für das Medienmagazin Zapp! als „Second Life“-Einwohnerin für ein Interview über virtuelle Parallelwelten zur Verfügung stehen kann habe ich ja gesagt, denn mehr noch als bei anderen Themen könnten hier die Totschlagargumente hervorgeholt werden.

Ich bin aufgeregt wie jeder andere auch und habe kein Problem damit den Interviewer zu fragen „wie hätten Sie es denn gerne“. Weniger um meine Meinung passend zu drehen, sondern um meine Antworten dem Stil der Fragen anzupassen und hoffe wie wohl jeder anderer auch das man Inhalte vermitteln kann die einem selber wichtig sind.

Doch vor allem ist es wichtig teilzuhaben um zu zeigen, das Internetnutzer eben nicht „am Rande der Gesellschaft in dunklen Zimmern leben“ sondern z.B. das Netz alltäglich sinnvoll und kreativ nutzen.

Vorgestellt wurde mir der Beitrag als „wir möchten eine normale Userin aus dem Norden dabei beobachten und befragen, was man so in Second Life machen kann“. Und ich habe natürlich nach der Art bzw. dem Kontext des Beitrages gefragt. Als Antwort erhielt ich „ein Beitrag über virtuelle Parallelwelten und auch die Gefahren die sich daraus ergeben, World of Warcraft haben wir schon jemanden und Dich jetzt als einfache Nutzerin für Second Life“.

Was mich natürlich dazu gebracht hat zu betonen das für mich das Netz einen anderen Stellenwert hat und Second Life dazugehört. Das sie gerne dem Zuschauer erzählen können das ich eine harmlosse Userin bin wenn ich sie nicht davon abbringen kann, es aber ihrer Reputation abträglich ist, wenn sie das übertreiben.

Denn ich bin keine normale Userin. Ich weiß wovon ich rede, interessiere mich nicht nur persönlich dafür, sondern arbeite auch in diesem Thema. Ich nutze SL nicht als Spiel sondern als Experimentierplatz für verschiedene Aktivitäten. Nein, nein, das sei schon okay, für die Abgründe hätten sie „einen echten Abhängigen“ für „die andere Sichtweise“. Ah ja.

Ich hatte die Hoffnung daß das eigentlich von mir geschätzte Medienmagazin den Dreh hinbekommt. Ich habe den Beitrag noch nicht gesehen, aber der Text zum Beitrag Unterschätzte Risiko – Sucht nach der virtuellen Welt des Internet schafft die schon übliche Verbindung von „Internet! Böse!“. (dank an Markus Breuer für den Link)

Ich darf noch mal erwähnen das die Anfrage „Ich plane zur Zeit einen Beitrag über virtuelle Parallelwelten für das Medienmagazin Zapp (TV).“ lautete und wir die gesamte Zeit nur über eine Darstellung von Second Life als paralleler Welt mit den Möglichkeiten und Risiken gesprochen haben.

Ich wäre naiv zu nennen, wenn mir nicht von Anfang an klar gewesen wäre daß dieses passieren kann und ehrlich gesagt habe ich damit gerechnet; aber wie auch schon mehrfach gesagt bin ich Optimistin. Trotzdem überwiegen die Vorteile die Nachteile, steter Tropfen höhlt den Stein und wie schon die Danone-Werbung sagt: Früher oder später kriegen wir Euch (und ihr fang hoffentlich an zu verstehen).

Schaue ich zehn Jahre zurück oder nur fünf sehe ich massive Änderungen in der Art und Weise wie Menschen das Netz nutzen und für Teenager ist das Netz und das Handy ein Weg der Kommunikation der selbst mir ein wenig unheimlich ist. Gemeinsam ist eine neue Art der Kommunikation.

„Niemand kann soviele Kontakte ernsthaft pflegen“
Das Netz, die Möglichkeiten der Kommunikation bringen neue Herausforderungen an unsere Gesellschaft und unsere Sozialstrukturen, die Welt verändert sich schnell und heftig.

Auf openbc/xing gibt es immer wieder das Argument „niemand kann soviele Kontakte haben und ernsthaft mit diesen kommunizieren!“. Ich habe momentan 302 Kontakte und bei fast allen kann ich sagen „ja, die sind wirklich Kontakte“; und mir fehlen noch eine ganze Menge.

Die Argumentation „aber wenn Du nur eine Mail pro Tag schreiben würdest …“ ist schwachsinnig, denn mit meinen meisten Kontakten rede ich nicht per Mail. Sondern über mein Blog oder andere Wege. Die Zeiten haben sich geändert und so hat sich die Kommunikation.

Was aber den meisten Menschen noch nicht bewußt ist und dazu führt daß solche Berichte wie bei Zapp stattfinden. Sie geben einfache Antworten auf komplizierte Fragestellungen. Die Vielfalt in der heutigen Welt ist nicht das womit die meisten von uns aufgewachsen sind, und den meisten fehlen Mittel und Wege damit zurechtzukommen..

Dinge, die mir schon immer leicht- und zugefallen sind, sind für den Großteil der Menschen schwierig und undurchschaubar. Sie machen Angst. Anstatt zu lernen wie man damit umgeht schirmt man sich ab und genießt Berichte über das „böse Internet“

Jeder hat das Recht zu schreiben, keiner hat das Recht gelesen zu werden.

Wenn mir also etwas wie oben beschrieben mit dem Interview passiert, bin ich schon lange nicht mehr hilflos und kann nur meinen Freunden erzählen „das war ganz anders“ sondern ich habe meine eigene „Plattform“.

Meine Kommunikation hat sich an dem Tag geändert als ich meine ersten Schritte im Usenet unternahm und mit einem eigenen Blog bin ich autark. Meine Stimme ist sichtbar. Jeder kann sie lesen.

Ich kann mich damit entblöden oder blamieren, ich kann mich hervorheben als jemand mit Ahnung. Und es ist sehr wahrscheinlich das ein und derselbe Inhalt mit beiden Sichtweisen belegt wird. Aber ich KANN. Ich bin nicht mehr davon abhängig das meine Nachricht aus einem mehrere Stunden dauernden Interview so dargestellt wird wie ich es gemeint habe, ich kann selber berichtigen und korrigieren; ich kann meine Seite darstellen und belegen.

Aber nur weil ich kann bedeutet noch lange nicht, daß ich auch gelesen / gehört werde, denn darauf habe ich keinen Anspruch. Und das ist okay so. Ist meine Nachricht wichtig und liest nur eine Person es und gibt es weiter, startet dieses die Verbreitung.

Was mich zum ‚Trigger‘ Nummer zwei bringt

Die andere Seite der Geschichte des „Amokläufers“ Sebastian B.
Der NDR-Beitrag hatte schon vorher den Fokus auf Sucht und Gefahren und erhielt bestimmt einen zusätzlichen Pusch durch den Amoklauf eines Schülers. Wie üblich ist das böse Internet und die bösen Computerspiele der einfache Sündenbock und es kotzt mich an, wenn diese Art von Vorfällen so einfach beantwortet werden.

Denn die Hintergründe sind es nicht. Es geht nicht nur darum, daß jemand ein Computerspiel dazubenutzt haben soll, die Schule als Trainingsort nachzubauen, sondern darum, daß hier ein junger Mensch so was auch immer war, daß er sein Leben auf diesen Weg beendet hat und viele andere verletzt hat.

Üblicherweise gibt es die Berichte von der Tat, die Leiden der Täter und die Abgründe des Internets und Computerspiele, nächste Geschichte bitte. Doch was, wenn auf einmal mehr als nur die Bilder und Nachrichten aus den Medien gezeigt werden?

Thomas hat bei sich „ResistantX: Der Abschiedsbrief“ gepostet und dieser zeigt – einmal davon ausgegangen es ist authentisch – einen jungen Menschen, der sich anders als in den meisten Berichten dargestellt nicht sinnlosen Gewaltspielen hingegeben hat und deswegen Menschen getötet hat, sondern andere Abgründe.

Es gibt ein inzwischen gelöschtes Video, was sicherlich irgendwo zu finden ist, es gibt diesen Abschiedsbrief, und weitere Einträge auf Livejournal. „Der Amokläufer“ bekommt auf einmal eine Stimme und wir sind in der Lage uns ein Bild zu machen aus den Informationen, die uns zur Verfügung stehen – nicht nur das was Politiker und Medien uns vorsetzen.

Es gibt eine Folge in West Wing wo der fiktionale Präsident der USA eine Rede über seinen „Education plan“ halte muß direkt nachdem ein Attentat verübt wurde. Die Folge dreht sich u.a. darum, wie man diese Situation meistern kann und trotzdem den Fokus auf das Thema Erziehung und Ausbildung legen kann.

Martin Sheen als Präsident Bartlet schafft dieses indem er sagt „They where not born that way“. Mehr Geld für Schulen, mehr Geld für Lehrer um zu verhindern, daß solche Dinge sich entwickeln.

Und das läßt sich in die reale Welt übertragen. Erziehung die in der Familie stattfindet, nicht in auf dem Rücken von Lehrern. Gesunder Menschenverstand. Respekt voreinander. Medienkompetenz. Selbstbewußtsein gegenüber Gruppendruck. Auseinandersetzen mit der Realität als auch mit den Dingen die mir nicht gefallen.

Wir haben eine neue Welt mit neuen Wegen der Kommunikation für die wir noch keine neuen Regeln haben geschweige denn alle wissen, wie wir überhaupt umgehen sollen. DAS sind die Themen über die wir reden sollten. Nicht über das Internet als Grund allen Übels oder Computerspiele. Ein Verbot solcher Dinge wird nicht zu einem bewußteren Umgang mit Medien führen. Neulich las ich irgendwo „und mit den Handys kam Pornographie und Gewalt in die Schulen“ was ähnlicher Schwachsinn ist.

Was ist das Besondere am Internet?
Das Internet ist mehr als ein Computernetz – es ist ein soziales Gebilde mit einer eigenen Kultur, ein globales Dorf mit einem großen Marktplatz. Aber vor allem: Das Internet ist ein Abbild der realen Gesellschaft.

Dieser Satz steht seit 1998 nahezu unverändert in meinen Folien „Warum Sie und Ihr Geschäft ins Internet gehören“.

Das Netz hat neue Rahmenbedingungen geschaffen, trotzdem sind es Menschen, die diese Werkzeuge nutzen und zum Leben bringen. In Schulungen zum Thema Internet kommt IMMER die Frage auf nach den Gefahren durch Pornographie, Kinderschänder und ähnliches Gesindel. Die durch das Internet so einfach geworden sind, deswegen muß man ja alles absperren und kindersicher machen muß weil diese Maßnahmen unsere Probleme lösen werden.

Es gibt keine einfache Antworten auf komplizierte Fragestellungen, vor allem nicht wenn die Ursache ganz woanders liegt.

Es gibt keine blauen oder roten Pillen. Wir müssen da durch, und es hilft nicht jedesmal wenn ein solcher Amoklauf passiert nach Verboten zu schreiben anstatt sich mit den dahinterliegenden Problemen zu beschäftigen und dafür zu sorgen, daß es nicht noch einmal passiert.

Ein kleiner Schritt
Schule hat sich verändert. Die Anforderungen sind gestiegen, die Dynamiken haben sich verändert – doch sind Lehrer darauf vorbereitet? Wieviel Medienkompetenz haben die Lehrer heutzutage? Bringen sie den Schülern Podcast näher oder werden die Gelder immer noch in sinnlose Sprachlabore gesteckt?

Versuchen Mathelehrer immer noch die Hoheit über die Computerräume zu erhalten, weil sie es nicht ertragen ausgebootet zu werden oder kann man sich ehrlich in die Augen schauen und feststellen daß der Betrieb eines Schulnetzwerkes eine Aufgabe für Profis ist? Und das der normale Schüler dem Lehrer immer versucht einen Schritt vorauszusein?

Wer hilft den Lehrern sich in der neuen Welt zurechtzufinden, damit die Schüler von ihnen lernen können?

Der Abschiedsbrief von Sebastian enthält viele Elemente die sich als „typisch Teenager“ abtun lassen. Aber wo sind die Orte und Personen, an denen junge Menschen wie Sebastian eine Chance haben zu lernen oder die Probleme zu bewältigen? Sebastian ist ein Einzelfall weil nur wenige zur Waffe greifen. Es ist ein Schrei nach Aufmerksamkeit, es ist fehlgeleitete Rache, all das ist ebenfalls wahr.

Aber seine Texte sind keine Ausnahme; wir können lesen wie es heute ist ein Teenager zu sein. Die Anforderungen, der soziale Druck, die zunehmende Verrohung der Gesellschaft wird sicher beschleunigt durch Dinge wie das Internet und Gewaltspiele – aber sie ist nicht alleiniger Grund, Auslöser, etc.

Auch wenn wir es vergessen haben oder wir vielleicht in einer Generation aufgewachsen sind, es es ‚einfacher‘ war. Weil die sozialen Rahmenbedinungen uns ein anderes Gerüst zum Aufwachsen gegeben haben. Soziale Konventionen haben eine Geschichte und einen Grund, und die neue Welt des Internets mit den unglaublich neuen Mitteln und Wegen hat noch keine ausreichende Abbildung gefunden. Wir alle sollten daran arbeiten, denn es wird nicht ‚weggehen‘ oder verschwinden.

Die Büchse der Pandora ist geöffnet und es wird Zeit an der Hoffnung zu arbeiten.

What have you done today to make you feel proud (Heather Small, Proud)
Es ist jetzt nicht eine sondern es sind fast vier Stunden geworden und ich werde keine Zeit mehr haben zur Party heute abend zu gehen da ich wohl erst nach Mitternacht in Köln ankommen werde und das Barcamp morgen früh beginnt.

Das ist auf der einen Seite bedauerlich aber es war mir ein Bedürfnis diese meine Gedanken der Welt mitzuteilen – für wen auch immer wer es lesen mag.

Und ich habe jetzt auch ein Thema mit dem ich mich für das Barcamp wohl fühle und auf den Plan setzen werde. Eine Diskussionrunde / Ideensammlung in der Art „Wie können wir Schule / Lehrern helfen die neue Welt des Netzes zu verstehen und den Schülern Medienkompetenz beizubringen.“

Stück für Stück, jeder ein bisschen. Mit der Gewissheit, daß es noch Jahre und Jahrzehnte dauern wird bis wir soweit sind.

Dieser Text „Generation @“ von Kris Köhntopp ist über zehn Jahre alt.

Dieser Text von Douglas Engelbart „Augmenting Human Intellect: A Conceptual Framework“ ist fast 45 Jahre alt. Beginnend ab „Let us consider an augmented architect at work.“ liest es sich wie eine Ideenskizze für Second Life.

Ein Blick auf die Science Fiction liefert uns unendliche Anregungen und Ideen wie wir Technik, neue Medien etc nutzen können. Arbeiten wir daran, daß es keine Science Fiction bleibt.

Tag(s): , ,

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. 99,9% D’accord.
    Eine kleine Ergänzung zu einem der Punkte, auch und vor allem als jemand, der in dem ‚anderen‘ Job mal gearbeitet hat.
    Sicher braucht Bildung Geld, sicher macht Geld und machen kleinere Klassen (das ist das selbe wie Geld) den Lehrern den Job einfacher.
    Lehrer brauchen aber auch die Unterstützung der Eltern und Institutionen. Und nicht dei Rolle der Reparaturwerkstätte der Gesellschaft. (Weil man ihnen ja Geld gegeben hat.) Lehrer erreichen nicht zum Spaß oft das Pensionsalter nicht in arbeitsfähigem Zustand.
    Und wie das Netz ist die Schule ein Spiegel der Gesellschaft. Klar, dass man die Schuld lieber ‚etwas‘ zuschreibt, das nicht ’spiegelt‘.
    Danke für den Artikel 😉

  2. Das nach dem Amoklauf ein paar Politiker mit populären Forderungen nach „Spielverbot“ Entschlossenheit zeigen wollen ist nicht neu. Aber immerhin wird auch schon mal der Unmut über solch schlichte Argumentationen hörbar.
    Und das ist neu. Es scheint sich doch langsam die Erkenntnis durchzusetzen daß man sich mit dem Netz ebenso auseinander zu setzen hat wie mit der Welt in Sprache, Schrift und Buch. Sicherlich werden auch ein paar positive Visionen aus alten(!) Science Fiction wieder entdeckt und verfolgt.
    Soweit der optimistische Teil.
    Wenn man aber die Diskussionen zum Anlass des Amoklaufs etwas quer liest kann man schon den Verdacht bekommen, dass da schon für viele der Zug abgefahren ist. Ganz pragmatisch werden die neuen Möglichkeiten dann demnächst auch zur Kontrolle der Verlierer des schnellen Wandels eingesetzt.
    Und zu entsprechend organisierten Welten gibt es auch ne Menge Science Fiction Romane.

  3. Beileid, Nicole. Aber immerhin hat der unsägliche NDR Beitrag doch so am Ende zu einem schönen Post Deinerseits geführt.
    Was mich an solchen Geschichten – und ich habe leider schon zu oft Ähnliches erlebt – ist, wie Gesprächspartner als „Material“ missbraucht werden. Da sitzen einem als Journalisten Personen gegenüber, die sich selbst für durchgeistigte Gutmenschen halten, sich aber einen Sch***dreck um die Ansichten, Gefühle und Aussagen ihrer Gesprächspartner kümmern. Was zählt ist die „Story“, die oft schon vor Beginn des Gesprächs feststeht und der alle anderen bestenfalls als Statisten mitwirlen dürfen. Schade – und letztendlich menschenverachtend.
    Ansonsten ist dieses Gefühl, das Du beschreibst, wenn Du anderen von Deinen Interessen und Deiner Arbeit berichtest, für mich etwas sehr Bekanntes. Seit rund 20 Jahren erlebe ich es, das mein aktuelle „Thema“ (beginnend mit PCs und Office Automation, dann Desktop Publishing, „Multimedia“, CD-ROMs, Internet, E-Commerce, Weblogs und jetzt eben virtuelle Welten) von der Mehrzahl der Menschen in meiner Umwelt für erstens überflüssig und zweitens potentiell gefährlich gehalten wird. Die meisten Menschen fürchten das Neue, Fremde. Und die Ablehnung und Bewertung „schädlich/böse“ entbindet einen ja glücklicherweise von der lästigen Alternative, sich damit näher auseinandersetzen zu müssen.

  4. Mein Rat: Konzentrier dich auf ein Feld „in dem du eventuell Ahnung aufbauen kannst“. Der Rest kommt dann schon. Ansonsten wirst du ewig die Frau bleiben, die glaubt einen auf Berater zu machen, weil das Internetdingens so hip ist und man nicht den ganzen Tag im Grossraumbüro hocken muss. Ich vergleiche es gerne mit dem Sport. Wer sich als Berater/Freiberufler nicht klar positioniert und Expertise aufbaut, bleibt in der Regionalliga und muss sich der wachsenden Konkurrenz wehren. … und wird bei solchen Sachen wie dem ZAPP-Interview verheizt. Ziel muss der Aufstieg sein. Sollte er sowieso sein, wenn man sich für das Leben als Selbstständiger entschieden hat. Im übrigen muss man auch an die Zukunft denken. Mit Mitte 40 wird man als „Internet-Berater“ kaum gerne durch Provinzbuden tingeln wollen und Mitte 50 sollte man soviel verdient haben, dass man es ein wenig geruhsamer angehen kann.

  5. und dann wäre da noch das Problem mit den populären Beratungsthemen. Wenn das ‚Feld‘ bekannt und gerade ‚in‘ ist finden sich schnell Kunden, aber auch unendlich viele Konkurrenten. Bedeutet lausige Tagessätze. Bei Spezialthemen ist es mit dem Kundenkontakt aufwendiger, aber die Tagessätze sind erfreulich.