Das Leben ist zu kurz sich mit Dingen zu beschäftigen, die einen nicht glücklich machen.

Schrieb mir weise eine liebe Freundin mit 18 in eine Art Poesiebuch. Recht hat sie. Bezeichnen wir dieses Posting mal als Begleitkommentar zu einigen Aktionen von heute. Wer (verständlicherweise) weniger Lust auf „die Bloggerin und ihre reflektierende Betrachtungen über verschiedene Dinge“ nehme bitte die Kurzversion und beschäftige sich danach mit anderen Dingen:

Ich hatte mich schon mit dem Gedanken getragen, aber heute unternehme ich den Schritt mich von diversem Ballast zu befreien. Ich werde mich heute von fast allen Mailinglisten + diversen Blogs unsubscriben und aus den meisten Netzwerken zurückziehen. (Blog- und Podcastingaktivitäten bleiben davon unberührt, aber das ist auch eine andere Art der Kommunikation.)

Nicht Informationsüberfluß und Sprengen von Aufnahmegrenzen sind der Grund (im Gegenteil), sondern waren nicht das richtige Umfeld für mich bzw. ich die falsche Teilnehmerin. Die Auswahl welche ich verlasse ist wohlüberlegt und endgültig; sollte ich auf die dusselige Idee kommen da wieder rein zu wollen bitte ich die Betreiber mich hieran zu erinnern und mich rauszuschmeissen. Obwohl es unwahrscheinlich ist.

Ich mag nicht mehr argumentieren, warum ich Milchkaffee und nicht Espresso mag – sinnvollerweise verlasse ich Tee- und Kaffeeliebhabervereine. Nicht, weil ich die Leute nicht mag, aber es ist für mich zu unerquicklich.


Ich fand die Idee von Tagebüchern immer interessant, aber die „Rüstzeiten“ und das „Werkzeug“ war immer schlecht – und das Publikum nur ich selber. Frau mit dringendem Wunsch nach aktiver Kommunikation und dem Austausch von Ideen mit anderen, gepaart mit miserabler Handschrift trifft auf Papier welches nur mit einer Person ‚redet‘ – eine ungüngstige Kommunikation.

Es ist so viel einfacher und effizienter, sich mit einem Blog (was naturgemäß auf die Person / die Interessen des Schreibers zentriert ist) über sich selbst und die eigene Rolle in der Gemeinschaft bewußt zu werden – bzw. die Konsequenzen daraus zu ziehen. Deswegen kommt man wahrscheinlich auch mehr ins Grübeln – und Mitte dreißig fängt wahrscheinlich jeder an, sich sein Leben mal genauer anzusehen.

Ich bin eine Frau mit einer eigenen Meinung und bereit diese mehr oder minder leidenschaftlich zu vertreten, ich bin hochgradig neugierig und vielfältig interessiert. Heute bezeichne ich mich als Informationschruncher und -junkie, meine Blogroll und sonstigen Aktivitäten auch außerhalb des Netzes zeugen davon. Ich nutze es als Grundlage um Multiplikator zu sein und liebe es, Menschen mit meinem Wissen zu unterstützen und weiterzubringen. Ich erfreue mich daran, andere glücklich zu machen. Das kann geschäftlich sein, das kann privates Umfeld sein.

Der Vorteil ein so breit interessierter Mensch zu sein, ist viel interessantes kennenzulernen – Menschen, Meinungen, Ideen. Die Welt ist eine Schatzkiste voll unentdeckter Dinge. Der große Nachteil: Man muß sich mit mit kraft- und motivationszehrenden Einflüßen auseinandersetzen. Und diese Nachteile wirken bedauerlicherweise sehr viel stärker.

Im Empfehlungsschreiben nach der vierten Klasse wurde eine Eigenschaft besonders hervorgehoben, die ich nur zum Teil verstand: „ist neugierig und sehr aufgeschlossen“ – neugierig kannte ich, aber aufgeschlossen war ein Wort, dessen Sinn ich damals nicht verstand. „Ist immer bereit anderen zu helfen – könnte sich so mancher eine Scheibe abschneiden“ stand sinngemäß in der Abizeitung – auch wenn ich das damals nicht so empfunden habe, ist es schlicht schon immer ein Wesenszug von mir gewesen.

Was ich dagegen schon immer gewußt habe: Ich beteilige mich eindeutig aktiv an Kommunikation. Ich war nie die leise Schülerin, die brav studiert hat, ich war immer die Teilnehmerin, die über die mündliche Note gearbeitet und dadurch gelernt / aufgenommen hat. Kommunikation mit Menschen von Angesicht zu Angesicht oder über Telefon, oder virtuell über Usenet, Mailinglisten, Blogs, Chat sind die logische Konsequenz daraus gewesen.

Die Aussage „Frauen werden in Kommunikationen übergangen, abgewürgt und halten sich zurück“ hat auf mich nie zugetroffen und der Gedanke daran hinterläßt bei mir ein Stirnrunzeln. Ich erlebe, daß es auf andere Frauen zutrifft, aber nicht auf mich. Ebensowenig wie Liebkind spielen um ev. eine Meinung einzubringen. *Natürlich* führt das zu Konfrontationen, wenn man Diskussionen und daraus folgenden Konfrontationen als „die will nur recht behalten!“ oder „muß die sich immer einmischen“ versteht.

Versteht man solche Diskussionen hingegen als Chance, gegenseitige Standpunkte kennenzulernen und darüber sich selbst in Eigen- und Fremdwahrnehmung zu reflektieren, wird ein ganz anderer Schuh daraus. Ich will niemanden in Grund und Boden reden, um meine Meinung durchzudrücken, ich will meine Meinung und meinen Standpunkt dem anderen verständlich und deutlich machen – und seinen verstehen.

Nein, die will nicht recht behalten und ihre Nase überall reinstecken. Die will nur spielen. Leidenschaftlich, intensiv, mit Lachen im Gesicht. Mit anderen, die genauso drauf sind und den gleichen Sport und in der gleichen Liga spielen. Die Erfahrung zeigt: Es gibt Leute da funktioniert das klasse und ist extrem fruchtbar und es gibt Menschen, bei denen geht das furchtbar in die Hose.

Ignorieren kann ich die dann immer noch und ich begrüße jede Person, die das gleiche mir mir macht. Sollten wir alle viel häufiger anwenden, würde unser Leben produktiver machen. Ich habe just 2 Stunden Soundaufnahme weggeschmissen, weil es strenggenommen nicht produktiv genug war, anderen Impulse zu geben und anzuregen – wie kann ich von anderen etwas fordern, was ich selber nicht in der Lage bin zu liefern? Dank an Eric Rice für diesen Input am Sonntag morgen.

Mal wieder ein Ziel, aber mit dem intensiveren Bedürfnis als je zuvor: den Kontakt zu und Austausch mit Gruppe eins zu erhöhen und die quasi energieverschendenden Kontakte mit Gruppe zwei soweit wie möglich einzustellen. In der Vergangenheit habe ich viel zu viel Zeit damit verbracht, „gesellschaftskonform nett“ zu sein.

Als Beispiel eine Unterhaltung mit zwei Kollegen, die ich von früher kenne. Während ich Leuten sehr gerne helfe und sie dabei unterstütze, intelligente pragmatische Lösungen zu finden, erledige ich diese Arbeit nicht für sie. Ich gebe Hilfe zur Selbsthilfe und wenn man wieder bei mir ankommt und die gleiche Hilfe haben will, kostet das. Spöttische Kommentare erdulden müssen bis hin zu größeren Bestechungen.

Ergebnis? Nicht alle paar Tage ein Hilfeschrei oder ein „oh Du kannst das doch so gut, bitte mach das noch mal“. Im Gegenteil. Die Betroffenen haben gelernt, erst nachzudenken und kommen – welch Überraschung – nicht mit den alten Dingen, sondern mit neuen Problemen. Für die sie zu Recht und gerne ’neu‘ um Ratschlag und Hilfe anfragen können. Ein Kollege hat sich inzwischen als Nicht-Programmierer awk angeeignet und kann selber damit arbeiten anstatt daß ich weiter seine Skripte konzipieren und schreiben muß. Ich betrachte das als Erfolg.

Nicht so die beiden ehemaligen Kollegen. „Erfolgreich“ und „gutes Klima“ bedeutet, daß Kollege eins fast einen Arbeitstag pro Woche damit beschäftigt ist, interne Kunden in Windeln zu legen, zu pudern und alles für sie zu tun – anstatt ihnen endlich beizubringen, selber auf den Pott zu gehen. Er hatte just einen dicken Anschiß von seinem Chef bekommen, weil diese Arbeitszeit fehlt. Unisono wurde mein soziales Verhalten als verbesserungswürdig eingestuft, nicht seines.

Mag sein. Ich habe ‚unisono‘ für mich beschlossen, daß die Herren da bleiben können, wo der Pfeffer wächst. Bzw. im Kinderbetreuungsland, wenn es ihr Herzenswunsch ist. Aber erwartet dann kein Mitleid von mir.

Man kann mich freundlich fragen ob ich bestimmte Dinge tun würde, aber sie von mir zu fordern ist ein guter Weg, genau nichts zu erreichen. Und was ich dann tue, ist Verhandlungssache. Oberflächlich ist die Ferenghi-Frage „Was bringt mir das?“ materialistisch und ‚falsch‘. Genauer betrachtet ist diese mit den daraus folgenden Konsequenzen und Implikationen weitaus ehrlicher als vieles, was sonst so rumschwirrt.

Die Tatsache, daß es bestimmte Tätigkeiten gibt, die ich qualitativ schneller und besser als andere erledige, rechtfertigt nicht, daß ich diese auch immer erledige. Wohlgemerkt: Die paar wenigen Aufgaben und Anforderungen, die ich besser kann als der Rest. Wir reden nicht von den unzähligen Aufgaben, die ich mittelmäßig bis miserabel erledigen können. Basiskenntnisse des Kochen um nur ein Beispiel zu nennen.

Was mich zurück auf den Eingang bringt. Ich habe mich heute von mehreren Blogs getrennt (nicht, daß die Liste nicht immer noch zu groß ist) und werde die weiter runterfahren, fast alle Mailinglisten sind rausgeflogen; die die ich behalten werde, werden mit bisher noch nie verwendeten realen Killfiles auf alle Namen versehen, die unerquicklich sind bzw. es einfach nicht lernen können, Fullquotes zu vermeiden.

Gewisse Chats habe ich schon lange nicht mehr besucht und ich werde mich mal mit der Ignorefunktion von Miranda auseinandersetzen, bei Skype habe ich das schon; ’social networks‘ und die entsprechenden Aktivitäten dort folgen genauso.

Ich habe noch einige Mails auf Draft liegen, wo ich Antworten senden „sollte“ – auf die ich keine Lust habe (Diskussion und Gegenüber unerquicklich bis Laune verderbend) und die ich zum Teil ungelesen löschen werde. Kommentare auf meinen Blogs, die aus meiner Sicht nichts beitragen, bleiben unbeantwortet; ich halte die Anforderung „der Blogger muß auf jeden Kommentar reagieren“ sowieso für schwachsinnig.

Ein Rat: Wer lieber Menschen um sich hat, die sich selbst verbiegen und es anderen recht machen wollen (anstatt authentisch zu akzeptieren sich von beiden Seiten auf die Konsequenzen einzustellen) hat heute wieder einen guten Grund erhalten, dieses Blog nicht zu lesen bzw. zu unsubscriben. Danke.

Zeit etwas Abstand einzufügen und sich auf Dinge zu konzentrieren, die es wert sind. Und zum Beispiel anstatt mit Ärgernissen beschäftigt zu sein, nette Mails vom Geburtstag zu beantworten, weil sie es wert sind. Ist ja auch nur fast ne Woche her (sorry).

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

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  1. Es gibt Formen der Kommunikation, die es wirklich in sich haben. Für mich gehören die Weblogs unbedingt dazu. Das sage ich aber sicher nur deshalb, weil ich erst einige Monate blogge. Ich habe da ein eigenes Forum, das sich mit dem eher langweiligen Thema rund um Office-Anwendungen beschäftigt. Nicht unbedingt abendfüllend aber eben doch einigermaßen nachgefragt und offenbar hilfreich.
    Wenn du den Weg gefunden hast bzw. nur noch die Sachen tust, die dich glücklich machen dann wäre es fantastisch, ehrenvoll, hochanständig und …. von dir, wenn du das wie vielleicht bloggen würdest. Ich mache (fast) alles nach.
    Herzlichst apollon