Dat Bild, dat Spon – aber wer liest das schon?

Ich gebe ja zu, daß ich als Fast-Food-Amüsement am Abend gerne mal bei Bild-Online hineinschaue. Ja, ich kann mich über deren Darstellung der Realität amüsieren und ich finde es nicht unwichtig zu wissen, was ‚das Volk‘ liest. Das eine oder andere Mal habe ich auch schon direkte Bildparolen von anderen gehört und die Bild-Aufkleber gesehen. Lese ich hingegen das Bildblog wird klar, wie miserabel natürlich die einzelnen Fakten recherchiert sind und ich gebe ebenfalls zu: Nicht alles davon wäre mir so bewußt aufgefallen.

Ich bleibe jedoch dabei, daß ich kein Bildblog benötige um mir zu erzählen, das „Ein Volk sieht weg“ über den 9fachen Mord an Kindern reißerisch und wenig durch Fakten durchsetzt ist. Die Informationen zu Besonderheiten der Intimfrisur (Coloration nehmen, und keine Tönung!) gehören schon eher in den Bereich der Bunte-Informationen.

Eigentlich ist mein Problem mit dem Bildblog aber ein anderes: Für wirkliche Information ist es ausreichend, jeden Tag vielleicht 3 Minuten mit dem Online-Auftritt zu verbringen (wovon ein Großteil für die Ladezeit weggeht). Sich aber täglich ein Bildblog durchzulesen, ist eindeutig zuviel Zeit mit dieser Publikation verbracht. Einen Feed für Highlights der Woche im Schnelldurchgang würde auch reichen.

Renommierter, aber bekanntermaßen nur ein bißchen seriöser dilettantisch: Spiegel Online und die Netzwelt. Ein neuer Netzspiegel will „Notizen über den Computerkultur-Journalismus einer großen deutschen Nachrichten-Website“ liefern. Und hat – vom dankbaren Lieferanten von Inhalten abgesehen – das gleiche Problem wie das Bildblog: Muß ich wirklich knapp 250 Worte lesen, um zu lernen, daß nicht 4 kg Kokain den Po hinunterlaufen, sondern die Ausscheidungen entsprechend 4 kg (“ Berauschendes aus der Wissenschaftsredaktion„)?

Leute, wir leben in einer Zeit der Informationsüberflutung. Ist es wirklich so schwer, einen (Ab-)Satz voranzustellen, worum es in diesem Artikel geht? Und mir damit schmackhaft machen, warum ich ihn lesen sollte? Mir sind diese Informationen zuviel aufgebauscht (und das sage ich im vollem Bewußtsein, daß die Welt sich des öfteren wünschen würde, ich würde mich kürzer fassen), zuviel zu lesen (ich gehöre der Gattung „Schnell-Leser + Informationsverarbeiter, nicht fotographische Gedächtnis und langsamer Leser“) für zuwenig Inhalt.

Ehrlich, wenn es die Quickies geben würde, könntet Ihr viel häufiger schreiben, es darf auch gerne in der Frageform sein. Und laßt das Netz helfen: Kommentare sind was schönes. AKA: Schaltet die beknackte Blogger-Identifizierung ab.

Und nein, bevor die Frage aufkommt: Ich schreibe nicht so negativ, weil der Netzwelt-Spiegel von „der Blog“ schreibt.

Passenderweise wollte ich schon länger mal anmerken, daß Frosta sich langsam macht und offensichtlich ihre ‚Über uns‘-Box durcharbeitet:

Das FRoSTA-Blog ist ein Webtagebuch von FRoSTA-Mitarbeitern. Wir möchten auf diese Weise offen, ehrlich und aus erster Hand über die Marke FRoSTA berichten und mit Ihnen über aktuelle Themen aus dem Bereich Ernährung diskutieren. FRoSTA’s „Blogger“ kommen …

Bindestriche, durchgängiges ‚das‘ – nur am sächsischen Genitiv arbeiten wir noch. 😉

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,
    schade, dass Du mir Deine Kritik am „Netzweltspiegel“ nicht zugeschickt bzw. als Kommentar auf den Blog gepostet hast. – Ich verwende das Wort übrigens bewusst im Maskulinum, weil „blog“ vom griech. „logos“ abstammt. – Ich habe Deine Kritikpunkte aufgenommen und setze vor alle Meldungen jetzt einen kurzen zusammenfassenden Aufmacher. Wegen Blog-Spam ist die Blogger-Identifizierung leider nicht vermeidbar.