Deutsch ist eine kleine Insel. Zeit sich die Großstadt anzusehen.

Das folgende ist mal wieder ein Aufruf, sich mehr mit den nur auf englisch verfügbaren Informationen und Unterhaltungen auseinanderzusetzen. Natürlich ist es bequemer auf Deutsch zu schreiben, einfacher. Doch es sollte jedem klar sein, daß das Verweilen in der deutschen Sprache dem Leben auf einer kleinen Insel entspricht. Sie mag von innen groß wirken, doch wenn Nachrichten und Güter nur mit einer Fähre transportiert werden bleiben gewisse Informationen draußen. Die Musik spielt woanders und in der Zukunft wird es noch schwieriger den Rückstand werden, auf die englischsprachige Welt aufzuholen, geschweige denn mitzuspielen.

So sehr ich mich zum Beispiel auf deutsche Events freue, es gibt einen Grund warum ich Veranstaltungen in Amerika und im europäischen Ausland bevorzuge. Die Unterhaltungen und Inhalte sind nett, aber kommen bei weitem nicht an das heran, was ich im Ausland erlebe. Wieder der Vergleich zwischen dem Dorf und der Großstadt. Dabei geht es überhaupt nicht darum, seine eigenen Identität zu verlieren, im Gegenteil. Englisch in diesem Kontext ist einfach nur die Sprache, die alle sprechen. Mehr und mehr internationale Netzteilnehmer wandern in die englischsprachige Welt, und es wird zu- nicht abnehmen. Um es deutlicher auszudrücken: Deutsch ist Papier, Englisch ist E-Mail.

Ich erwähne immer wieder, daß mein heutiges Englisch eigentlich erst in den letzten Jahren entstanden ist. Im Grunde genommen bin ich ein Paradebeispiel für eine Englischverweigerin. Ja, man kann auch mit über dreißig sein verschüttetes Schulenglisch wieder aktivieren, auch wenn man die Jahre nach dem Abi überhaupt kein Englisch mehr gesprochen oder geschrieben hat. DVD, Podcast und Webseiten und vor allem jetzt Werkzeuge wie Twitter machen es einem einfach (wieder) in die Sprache einzusteigen.

Der Grund, warum ich erst Jahre nach dem Start in 2002 Blogs entdeckt habe? Weil ich vorher nur auf Deutsch unterwegs war. Selbst das war noch früh, aber verhältnismäßig spät. Dabei war ich bereits ’88 in BTX unterwegs, und ’92 oder so in Compuserve, seit ’95 im weiten bunten Netz. Ich erinnere mich noch an die Zeiten wenn die IRC-Server gesplittet waren und ’nur‘ noch 500 deutsche User aktiv waren. Und ich Idiot habe nicht begriffen was das bedeutet. Wenn es eine Sache gibt, die ich in meinem Leben bedauere, dann die unbewußte Entscheidung mich dem Englischen zu verweigern.

Der Grund warum ich bereits im November 2004 angefangen habe Podcasts zu produzieren, bereits 2005 einen Second Life User hatte und nach langer Verweigerungsphase ‚erst‘ im Januar 2007 einen Twitter-Account angelegt habe? Warum ich gebeten werde, mein Wissen mit einfließen zu lassen bei Projekten? Warum ich Einladungen zu internationalen Konferenzen bekomme, um dort zu sprechen? Weil ich aktiver Teil der englischen / europäischen Sphäre bin.

Die übrigens nur in den seltensten Fällen auch nur ansatzweise mitbekommt, was auf der kleinen Insel Deutschland passiert. Der just so hochgespielte Skandal um die Bahn und Netzpolitik oder jedes andere große Thema? Selten bis überhaupt nicht, weil kaum jemand auf Englisch schreibt.

Ich bin sichtbar und ich sorge dafür, daß meine Beiträge verstanden werden können, d.h. größtenteils auf Englisch erscheinen. Nicht weil ich so wenig auf Deutsch finde – sondern weil die internationalen Leser gemischtsprachige Inhalte schrecklich finden, außer sie sprechen die Sprachen selber. Es ist eine Beschränkung die ich gerne umgehen würde, doch die meisten Werkzeuge ‚verstehen‘ keine mehrsprachigen Inhalte. Wie auch, werden sie doch in der Regel von Amerikanern im Valley erfunden für die das Konzept mehrsprachig seit dem College nicht mehr existiert.

Selbstverständlich sind meine Profile auf Plattformen wie Facebook / Xing / Linkedin / Plaxo komplett englisch. Meine Blogs (hier bzw. crueltobekind) und Twitteraccounts ( @nicole_de / @nicolesimon ) sind klar sprachlich getrennt, auch mein Friendfeed, delicious  und Stumbleupon sind zu 99% Englisch.

Es ist nicht einfach und häufig wünsche ich mir einen funktionierenden Babelfisch. Was ein wunderschönes Beispiel für meinen Beitrag ist: Ich wollte auf die Wikipedia verlinken, weil nicht jeder weiß was ein Babelfisch ist. Selbst wer kein Englisch kann sollte den englischen Eintrag mit dem deutschen Eintrag vergleichen. Auf der deutschen Seite gibt es einen Übersichtseintrag über das Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ plus ein paar Folgeseiten – in Englisch gibt es ein komplettes Portal der Hitchhiker Wikipediaseiten. Insel versus Großstadt, again …

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Yes, you’re right 🙂
    Trotz Englisch-Leistungskurs habe ich lange Jahre mein Englisch nur mit der Orignalausgabe von Harry Potter gepflegt. Beruflich war es einfach nicht notwendig.
    Erst privat bin ich im letzten Jahr quasi von Woche zu Woche stärker in die englischen Seiten hineingewachsen, seitdem ich mich mit dem Netz und Social Media intensiver beschäftige…
    Mein bisheriger Höhepunkt: Meine Übersetzung eines 7.000 Zeichen Textes über Empfehlungen für Journalisten in Sozialen Netzwerken aus dem Amerikanischen ins Deutsche – http://twiturl.de/Tipps_Journalisten_Networks
    Weil der Lesereflex bei englischen Texten nach meinem Eindruck bei deutschen Lesenden nach wie vor nicht überall sofort ausgelöst wird 😉 – der Text mir aber wichtig erschien.

  2. Natürlich erreicht man mehr Leute mit Englisch und man kann bei englischen bzw. Amerikanischen Seiten viel mehr an Informationen finden, aber die deutsche Sprache ist gerade was das Internet angeht denke ich ganz vorne mit dabei.
    Ich habe mir in meinen Blog auch lange überlegt ob ich in Deutsch oder Englisch schreibe und habe mich dann für die Deutsche Sprache entschieden.
    Gruß