Deutsche Bloggerinnen, einmal nach vorne bitte …

Arg, und ich wunderte mich warum Thomas Gigold ausgerechnet jetzt einen Text zum Thema deutsche Bloggerinnen schreiben wollte. Weltfrauentag und so. Guten Morgen. Siehe „Frauen an die Macht

Ein paar schnelle Links zur Sühne:

Stöbern lohnt sich.

Bei Schreiben meiner Antworten an ihn wurde mir klar daß ich eher einen eigenen Blogartikel schreibe als reine Antworten an ihn, daher will ich es Euch nicht vorenthalten. ;o) Thomas fragte:

Denkst Du, es gibt Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Bloggern? Wo siehst Du die? Wieso gibt es mehr männliche Blogger als weibliche?

Meine Antwort an ihn:

Es gibt mehr *sichtbare* Männer als Frauen, vor allen aus den Augen der Männer die sich für dieses Thema interessieren. Es spielt vieles zusammen.

Bei Blogs geht es auch viel über Diskutieren / Konfrontieren etc. Die meisten Frauen werden eher dazu erzogen nachzugeben, das berühmte „sei lieb“ – sehr beliebt in der Kombination „du bist doch die intelligentere!“

Frauen sind vorsichtiger (oder: Männer sind unvorsichtiger) wenn es darum geht einfach loszubloggen oder auszuprobieren. Jeder der jemals Support gemacht hat weiß, daß Frauen sagen „ich würde gerne X machen, kann ich dabei was kaputtmachen“ während Männer sagen „Ich habe nix gemacht! Aber jetzt geht nichts mehr!“.

Und vor allem – Männer haben Zeit und Lust, sich mit aus Frauensicht unwichtigen Themen zu beschäftigen. Da sich die sichtbare Blogosphäre bevorzugt um solche Themen kümmert und verlinkt ist es kein Wunder, wenn das eine sich selbst befeuernde Sache ist.

Ich blogge und podcaste weil ich Lust am Bloggen und Podcasten und drüber reden habe. Den ganzen Tag lang notfalls, und mit leuchtenden Augen. Meine beste Freundin bloggt ab und an selber über sich und ihre Kochexperimente und viel über die Entwicklung ihres Kindes.

Es ist bei weitem nicht so das Frauen nur über Kinder, Kochen und Stricken bloggen wollen, sondern sie bloggen über Dinge die sie interessieren. Was aber eben in der Regel nicht „wie bau ich selber mein Auto zusammen“, „wie tune ich am besten“, „wo gibt es die geilsten Ersatzteile“ ist. Sondern Bento-Boxen und anderes.

Und sie beschäftigen sich zu wenig mit der Technik drumrum, um sie effizient einzusetzen. Unter anderem weil es nicht wichtig ist. Es reicht, wenn die vier Leute denen man es per Mail gesendet hat darüber Bescheid wissen. Es ist nicht wichtig genug für sie. Tags um mehr Reichweite zu erzielen? Effizienter Linkbaitingeinsatz?

Ich bezeichne das als das Auto-Problem: Männer können sich den ganzen Tag mit Karren beschäftigen, Frauen wollen von a nach b kommen. Männer kümmern sich um PS, Spoiler und die Lackierung – Frauen wollen wissen wie sie die Karre einparken können und ob sie einfach den Einkauf verstauen wollen.

Was auch genau einer der Gründe ist, warum ich sichtbarer als andere Frauen in der Blogosphäre bin: Ich rede über Technikzeugs und Blogzeugs. Ich weiß wie ich Technorati und Statistiken bediene. Ich schreibe viel, habe eine deutliche Meinung und tue diese kund – auch in Kommentaren. Damit bin ich eine Exotin – und sichtbarer.

Auf der anderen Seite wollen Frauen teilhaben, verwenden aber m.E. den falschen Weg.
Das nenne ich das Football-Cheerleader-Problem. Frauen spielen Cheerleader und wollen als solche bewundert werden – aber gleichzeitig mit Football spielen. (Ich verwende das Beispiel meistens im amerikanischen Umfeld.)

Wenn Frauen unter sich bleiben und z.B. Konferenzen nur zu dem Thema organisieren ist das nett – aber damit kommen sie nicht auf das Feld zum Spielen, sondern bleiben an der Seite. Wer Football spielen will, muß auf das Feld rauf, das Training mitnehmen usw.

Das ist nicht für jederman oder jederfrau und das ist gut so. Nur sollte man als Football-Spieler auch wahrnehmen daß es Dinge außerhalb ihres Sichtfeldes gibt. Zum Beispiel Handball. ;))

Das gleiche Problem ergibt sich übrigens wenn man die deutsche Sprache verläßt – aus Sicht diverser amerikanischer Blogger bin ich die deutsche Bloggerin – weil ich für sie sichtbar bin und in einer Sprache blogge die sie verstehen. In letzter Zeit ist Robert Basic sichtbarer für sie geworden – weil Technorati gewisse Listen veröffentlicht hat und er damit auf dem Radar aufgepoppt ist.

Als Beispiele für deutsche Blogs – ich könnte jetzt die üblichen Verdächtigen listen, aber das wäre der Sache nicht dientlich. Ich lese wenige Frauen intensiv, was u.a. damit zu tun hat das wenige über Blogs, Podcasts und Second Life schreiben – und wenn dann sind die meisten englischsprachige.

*Meine* Empfehlungen sind wieder Empfehlungen die dem Interessenkosmos der klassischen Blogosphäre entgegenkommen.

Versuchen wir doch mal was anderes: Einen guten Einblick in die verschiedenen Meinungen von Frauen bietet sicherlich auf Englisch blogher.org wo Editoren eigene Artikel schreiben aber auch auf andere Frauen verlinken. Die Vielfältigkeit der Themen ist eine der großen Vorteile solcher Sammlungen.

(Die beste Freundin kann sagen, ob sie einen Link haben möchte oder lieber ‚geheimer‘ bleiben möchte).

Weitere Linkvorschläge werden nicht nur hier gerne aufgenommen.

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. *lach* mach ruhig und DU darfst auch beide Blogs verlinken, wenn Du möchtest. :) Und danke für die beste Freundin :)

  2. Es ist wie immer bei diesen Debatten: Frauen bloggen anders.
    Ich lese z.B. viel mehr Blogs von Frauen als von Männern, obwohl ich keine Strick-, Häkel- oder Kochblogs lese. Und um meine Projekte sammeln sich auch immer mehr Frauen als Männer.