Die bösen, bösen Leute, die die Künstler ausnutzen.

Wenn ich noch einmal lesen muß, daß die armen, armen Künstler ja nur von aller Welt ausgenutzt werden und daher vor der bösen, bösen Welt beschützt werden müssen, raste ich aus.

Wobei es nichts Neues ist, daß „Künstler“ sich nicht mit Unmusischem wie Kalkulation oder Marketing beschäftigen wollen und jeder, der es tut, ja der böseste Mensch der Welt ist. Siehe hierzu zum Beispiel die Kommentare just um die ganze KSK-Diskussion oder dieses Interview mit der Agentur, die die Mixtapes von Mercedes mitproduziert haben.

Fakt ist: Ich habe in all den Jahren (in denen ich unter anderem mit mehreren hundert Existenzgründern zu tun gehabt habe) noch *keinen* darunter gehabt, der – sofern er auch nur den Hauch einer Chance hatte, seine Bezeichnung irgendwie so zu drehen – *nicht* versucht hat, in die KSK zu kommen.

Weil man ja künstlerisch tätig sei. Komisch, daß Künstler in der Vergangenheit sehr wohl auch Auftragsarbeiten annehmen konnten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen – und trotzdem „Kunst“ erzeugen konnten. Komisch 2: Mit Kunden kreativ ihre kompletten Konzepte inhaltlich zu erstellen ist künstlerisch nicht wertvoll laut KSK. Das ganze dann selber zu schreiben oder zu lektorieren aber schon. Also was wird gemacht? Es wird so genannt und abgerechnet, getan wird aber was anderes.

Warum will man in die KSK? Weil es Kosten spart. Weil man dann ja billiger anbieten kann. Und es ja die Pflicht der ganzen Auftraggeber sei, zu zahlen – diese Aussage wird in der Regel mit einem Ausdruck der Empörung gebracht. Und jetzt kommt mir nicht mit einem herzigen Augenaufschlag und der Aussage „aber wir sind doch pflichtversichert“. Es ist ein leichtes, aus der KSK-Pflicht herauszukommen.

Natürlich ist es bequem, sich hinter gewissen Regularien zu verstecken und nun „durch Mails“ für den Erhalt der KSK zu ‚kämpfen‘, anstatt in die Verhandlungen mit den Auftraggebern zu gehen und zu sagen ’nein, für diesen Preis kann und will ich nicht arbeiten‘. Wer es selber nicht kann und stattdessen seine Interessens vertreten sehen will, soll sich organisieren.

„Da habe ich ein Recht drauf?“ Exakt. Und jeder hat auch ein Recht auf Kurzsichtigkeit. Es ist abzusehen, daß die KSK in dieser Form und in dieser EU langfristig nicht weiterexistieren wird. Ich an Eurer Stelle würde endlich mal anfangen, eine ordentliche Planung, eine ordentliche Kalkulation zu bauen, denn es wird eh auf Euch zukommen. „Kann ich aber nicht, dafür bin ich zu …“? Gratulation. Dafür sind Agenten und Verkäufer da.

Ich mache mir inzwischen den Spaß daraus zu fragen, ob die Herrschaften Künstler denn die dafür notwendigen Rechnungspositionen liefern.
Ob sie sich versichern, daß ihr Kunde weiß, worauf er was an wen und warum zu zahlen hat.
Ob sie sich versichern, daß ihr Kunde weiß, was Nutzungsrecht in seinem Falle bedeutet.

Die Quote spricht eindeutig für sich. Ich bin gleichzeitig dazu übergegangen, all meinen Kunden, die künstlerische Leistungen in Anspruch nehmen könnten, die entsprechenden Sätze zu diktieren und zu erklären, bis sie sie verstanden haben: welche Auswirkungen begrenzte Nutzungsrechte haben, was „zeitlich, räumlich unbegrenzte Nutzungsrechte für alle Nutzungsarten“ bedeutet und wieso sie darauf bestehen sollen, daß der „Künstler“ dies gefälligst in seine Kalkulation einrechnen soll. Die meisten Kunden fallen in der Regel aus allen Wolken, wenn sie das Thema zum ersten Mal hören. Das zweite Mal, wenn der entsprechende Auftragnehmer dann mal damit rausrückt, wie er oder sie sich das vorgestellt haben.

Und daß im Falle der Abgaben an die KSK die leistenden Künstler die einzelnen Positionen der Rechnung bitteschön passend aufgliedern.

Das Urheberrecht bedeutet nicht einseitiges Schröpfen der Auftraggeber. Es ist die Basis für ein gemeinsames Verhandeln über eine angemessene Bezahlung.

Um auf die Mixtapes zurückzukommen: Aufmerksamkeit und den Bonus, auf einer solchen Compilation enthalten zu sein, ist auch eine Bezahlung. Seine Musik einem Publikum dieser Größenordnung vorstellen zu können ebenfalls. Das kann man verwenden, um sein eigenes Geschäft weiter aufzubauen – man kann es aber auch bleiben lassen.

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Aufmerksamkeit und den Bonus, auf einer solchen Compilation enthalten zu sein, ist auch eine Bezahlung. Na ja, die Zeiten, da Künstler sich glücklich schätzen müssen, vom Gnadenbrot der Mäzene beißen zu dürfen, sind halt nicht vorbei – wie man sieht. Von warmen Worten allein kann man aber nicht leben. Kunst ist nicht umsonst und gratis auch nicht. Warum man deshalb besonders dankbar sein soll, weiß ich nicht. aber ich habe ja auch nichts gegen die KSK. Kunst muß sein und darf auch was kosten.

  2. Verlangen darf man viel. Ob man es bekommt, ist doch die Frage.
    Die KSK ist ja nicht geschaffen worden, weil die Künstler alle zu blöd zum Rechnen sind. Fakt ist, daß das Gros der freien Publizisten und Künstler mit Hungerlöhnen abgespeist werden, die kaum eine soziale Absicherung gewährleisten. Oder Ihnen wird als „Lohn“ eben „Aufmerksamkeit und der Bonus“ dabeigewesen zu sein offeriert. Versuchen Sie das mal bei dem Handwerker, der z. B. bei Mercedes die Heizung einbaut.

  3. Handwerker und Industriearbeiter haben eine Gewerkschaft. Künstler, Publizisten etc. nicht, ist ja auch spießig und nix für intelektuelle.
    Sieht hier jemand einen Zusammenhang?
    Zum „abspeisen“ gehört immer auch „abspeisen lassen“.