Dinge, die nicht die Welt, aber vielleicht eine Kultur braucht.

Biggi schreibt

Da hat doch ein Brillenhersteller eine vermeintliche Marktlücke entdeckt: Brillenmode für Beerdigungen. Sitlvolle, dezente Modelle für Trauerfeiern. Denn Frauen, die Beerdigungen besuchten, wollten keine auffälligen Brillen. Das alles zunächst für den japanischen Markt.

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Ich glaube, ich muss kotzen. Wie weit geht der Konsum- und Modeterror auf dieser Welt denn noch?

Ich maße mir nicht an, den asiatischen Markt ausreichend zu kennen, und kann es mir auch sehr schlecht für den europäischen vorstellen, aber warum nicht?

Ich bin mir sicher, es gibt einen Markt für sowas, und es wird auch einen Hintergrund haben, warum diese Kollektion hauptsächlich für den jap. Markt geplant ist – und ich denke da nicht an Mode- oder Konsumterror, sondern eher kulturelle Hintergründe.

Die Einträge in der Wikipedia über die Gesellschaft oder das soziales Verhalten in Japan lassen anklingen, wie restriktiv ‚richtiges‘ Verhalten gehandhabt wird. Siehe zum Beispiel Trauer in Japan.

Starke Gefühle zeigen Japaner nach Möglichkeit nicht offen, da dies mit einem Gesichtsverlust gleichzusetzen wäre. Vor allem Zorn und Trauer sollten nicht nach außen hin gezeigt werden. Wer traurig ist, lächelt, wer glücklich ist, auch. Abgesehen davon, dass Japaner oft lächeln, bemühen sie sich gerne um eine ausdruckslose Mimik. Das Lächeln verbirgt oft Schmerz und Verlegenheit und will dem Gegenüber das Mitleid ersparen.

Andere Welt, andere Gesellschaft – anderere Bedürfnisse.

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Eine entsprechend poppige Brillenmode vorausgesetzt, klingt mir das garnicht so verwunderlich. Die thematische Entfernung zum Beerdigungsschlips, den es hierzulande in jedem Modegeschäft gibt (die Ansprache „Einen Beerdingungsschlips bitte!“ habe ich selbst schon erprobt), ist dabei garnicht mal so groß. Also, warum nicht?