DM, Euro und das Wertigkeitssystem

Bjoern hat Probleme mit seinen Kunden – genauer, deren Einstellung:

Mehr als drei Jahre nach der Einführung des Euro denken die Leute immer noch in D-Mark. … Jedenfalls hat ihre Mutter ganz entsetzt aufgerufen: „Das sind ja 14 Mark.“

und im Kommentar:

Ich habe nichts dagegen, wenn Leute für sich selber noch „in DM“ umrechnen. Aber wenn ich ansehe, daß eine ~14jährige das dermaßen eingebläut bekommt, die kann doch mit „D-Mark“ nichtmal mehr richtig etwas anfangen…

Sehe ich anders.

Sie bläut dem Kind nicht D-Mark ein, sondern ‚das ist teuer‘. Die Mutter hat in das Wertesystem umgerechnet, was sie jahrzehntelang gelernt hat, hat dann festgestellt, daß das sehr teuer ist und dann nur nicht die Rückrechnung zu Euro gemacht.

Bei Anschaffungen und ja, auch im Supermarkt rufe ich mir ins Bewußtsein, daß Ware eben nicht 1,75 kostet, sondern das, was in meinem Wertikeitssystem früher 3,50 ist. Der Faktor 2 ist falsch, daß weiß ich, aber so verkehrt eben auch wieder nicht. Es sind nämlich nicht unter zwei Mark, sondern über drei.

Ich weiß, ich soll nicht im Kopf rechnen, aber mal zwei bekomme ich gerade noch so hin. Ich habe zwar den Eurokurs im Kopf – dafür mußte ich ihn zu häufig tippen, aber ich habe immer noch kein Wertigkeitsgefühl für Ware.
Ich bin nicht nur schlecht im Kopfrechnen, auch habe ich kein Gefühl für Zahlen, ergo klammere ich mich an das System fest, was ich wenigstens ansatzweise mal beherrscht habe. Und in dem System ist erkennbar, daß das Schnäppchenangebot von 2,20 für eine kleine Flasche Wasser eben genau das ist – 4,30 Mark für 0,25 Mineralwasser.

Sich daran erinnernd, daß 2000 eine Flasche Wasser in der Gastronomie – wenn es teuer war – 2,40 Mark gekostet hat, hilft das ganze in einen Maßstab zu setzen.

Sehe ich ein Buch für 14 Euro, dann sieht mein Kopf nur die 14 – und das ist verbunden mit ‚oooh, ein preiswertes Buch!‘ – nur das ein preiswertes vergleichbares Buch heute 7.15 kosten sollte. Und eben nicht 14 Euro.

Wir haben diese Währung, wir werden sie nicht wieder los – soweit, so gut. Aber selbst das Wissen hilft mir nicht, innerhalb von drei Jahren ein drei Jahrzehnte mühsam gelerntes kleines Preisempfinden auf die neue Währung zu justieren.

Das einzige Mal, als ich gemerkt habe, daß ich eine leichte (!) Gewöhnung an die Sache bekomme war, als ich in meiner Steuererklärung 1955,83 D-Mark für Amazon ansetzen wollte – nach kurzem Schock sah ich dann, daß es 1000 DM waren (es hatte seine Gründe). Das dürfte die Steuererklärung 2002 gewesen sein, also letztes Jahr.

Die Umgewöhnung kommt langsam, und für manche ist sie deutlich schwerer. Wem das leichter fällt, soll sich freuen, aber gefälligst nicht erwarten, daß es jedem so leicht fällt. Vor allem nicht, wenn man selber tagein, tagaus mit neuen Preisen zu tun hat.

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

17 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Aber ging es nicht um einen „Teeny“ der gerade mal 14 ist? Natürlich ist nichts dabei wenn man selber noch umrechnen muss, aber für mich (17) ist die D-Mark ein alter Hut, der nur Konfusion hervorruft.

  2. Die Information ‚das ist teuer = nienicht bekommst Du das!‘ sollte bei Dir von Deinen Eltern ankommen – egal in welcher Währung. Oder? 🙂
    Für Dich ist es ein alter Hut – für mich ist es 80% meines bisherigen Lebens das relevante Bemessungssystem gewesen. Soll ich einfach so tun, als wenn es nie existiert hat?
    Das macht es vielleicht für Dich einfacher, ist aber unrealistisch. Wir leben hier schließlich nicht in einer Welt, in der unerwünschte alte Erinnerungen ‚verboten‘ werden.

  3. Ich habe aber den leisen Verdacht, dass dieses Aufplustern des Preises eigentlich manchmal nur als letztes „Killerargument“ dienen soll, wenn so nichts mehr zum argumentieren übrigbleibt 🙂
    Aber klar: eigentlich ist es egal wie man den nun denkt, nur wirkt es für mich eben manchmal wirklich seltsam wenn auf einmal von DM die Rede ist.

  4. Das es für Dich seltsam ist – völliges Verständnis. Und ich erwarte auch nicht von Dir, daß Du in DM rechnest, wieso auch. :o)

  5. Volle Zustimmung an dieser Stelle.
    Bei mir ist das mittlerweile genau andersherum: ich rechne die Preise von früher in Euro um.
    Und komme dann zu dem Schluß, das ein Fast-Food-Gericht im Cafe für 9 Euro vor 4 Jahren noch dem Gegenwert einer Restaurantmahlzeit entsprochen hat. Das Ergebnis ist das gleiche, aber wenigstens muß man sich dann nicht immer als Ewiggestrig abstempeln lassen…

  6. Hätten nicht einige Händler versucht ihr Schnäppchen zu machen (mir fallen da gerade Eisdielen ein) sähe es anders aus. Auch hätte der Handel, dem ja ansonsten Merketingtechniken nicht fremd sind, auch bedacht, dass die Leute die Europreise einfach mal zwei nehmen werden und nicht mal 1,95583. Hätte man da gerade im unteren Bereich auf den einen oder anderen Cent verzichtet und nicht am Ende aufgerundet, wäre das Vertrauen bestimmt größer.
    Und da einige Läden meiner Meinung nach auf die Dummheit der Verbraucher setzen, werde ich weiter umrechnen. Denn wenn ich mich an einige CD-Preise bei Geschäften in der Darmstädter Innenstadt erinnere, dann scheinen einige Läden den Kunden für blöde zu halten.
    Da gingen die Preise für relativ neue CDs von 12,99 über 17,99 bis 21,99 Euro. Ok, den Höchstpreis zahlt man nur bei der auch dafür bekannten „Apotheke“ (die aber auch das breiteste Angebot hat) . Bei den Kaufhauspreisen von 12,99 bis 17,99 Euro vermute ich aber, dass man damit plante, dass der Kunde den Unterschied zwischen 12 und 17 nicht so sehr wahrnimmt. Wären die Preise noch in DM (nämlich 25,41 und 35,18) gewesen, hätten die sich eine Preisspanne von 9,78 DM vermutlich nicht getraut.

  7. Ja, die Leute rechnen immer noch in DM um — leider. Es wird nämlich gerne vergessen, dass auch in DM die Preise innerhalb von drei Jahren weiterenwickelt hätten. Wir haben eine Inflationsrate von ca. 1,5% jährlich.
    Statistische Untersuchungen haben gezeigt, dass insgesamt der Euro nicht zu einer erhöhten Inflation geführt hat.
    Der falsche Eindruck rührt vielleicht daher, dass bestimmte, stark sichbare Bereiche wie z.b. die Gastronomie teurer geworden sind. Dies lag aber nur z.T. am Euro.

  8. „Statistische Untersuchungen haben gezeigt, dass insgesamt der Euro nicht zu einer erhöhten Inflation geführt hat.“
    Magst du uns die vielleicht auch als Quelle angeben? Solange ich hier nur anekdotische Beweise anführe, erhebe ich auch keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Aber eine solch simpel-authoritative Argumentation verlangt wenigstens ein bischen nach Belegen. Im übrigen: über die normale Inflation redet doch auch keiner. Eine Preiserhöhung von 15 Cent pro 10 Euro wäre wohl kaum ein Grund, so auf die Barikaden zu gehen. Wenn ich dagegen sehe, das Taschenbücher noch vor 5 Jahren 6,90 DM gekostet haben, und die gleichen Bücher mittlerweile für 5,90 Euro verkauft werden, dann hat das wohl eher wenig mit einer normalen Inflation im einstelligen Prozentbereich zu tun.

  9. Grabbelkiste für Bücher im Supermarkt – schon früher habe ich 2,95 DM als zu teuer angesehen (1,50 DM sind das Maximum für alte Bücher), heute sind es durchgängig 2,95 Euro.

  10. Das spricht mir aus der Seele, letztens ein T-Shirt gesehen, für 14, 95 .
    In DM hätte ich das sofort gekauft, aber: das sind ja Euro, also mehr als 28 Mark. Für ein T-Shirt! Nur mal so.
    Ich dreh bei solchen Dingen mittlerweile den Euro mehr als einmal um und rechne mehr. Dabei stelle ich fest: entgegen aller offiziellen Verlautbarungen, unser Leben ist mit dem Euro deutlich teurer geworden.

  11. Meine Nähmaschiene kostete 89.00DM.Die gleiche kostet heute 79.95 Euro.
    Mein kleiner Fernseher kostete 125.00 DM mit Zubehör. Heute 95.99 Euro ohne Zubehör.Habe Belege noch da.
    Ist das nicht traurig? Und dann sagt ein jeder,die Preise sind geblieben.

  12. Es sind Dinge, die mich jeden Tag ärgern. Für 500 g Äpfel 2,99 Euro. Beim
    Bäcker für 5 Brötchen 4,00 Euro, hallo jeder kann sich ausrechnen, was das
    in DM ist. Und jetzt kommt der Hammer, Brunchen für 14,50 Euro na ist
    das was. In meinem Leben hätte ich vor Einführung nicht im Traum daran
    gedacht, mir ein Abendessen für fast 29.00 DM zu bestellen und jetzt wollen
    die für Frühstücken 14,50 Euro. Die Welt ist nicht mehr normal, oder?

  13. Ich habe mich über die Bierzeltpreise geärgert, weil einem die Veräppelung wieder mal bewusst wurde. Da kostet eine halbe Ente vom Grill 13,80 Euro – hat die etwa zu DM-Zeiten 27,00 DM gekostet? Unsere „Alten“ hätten gesagt, dass bei jeder Währungsreform der Bürger betrogen wurde – OK – aber diemal haben wir ja keinen selbstverschuldeten Krieg verloren? Was haben wir diesmal verbrochen – um dann auch noch so verlogene Politiker aushalten zu müssen?

  14. Nur zu schade es keinen gibt der dargegen demonstrieren möchte.
    Ich glaube das es die jetztige Koalition nur gibt damit alle Politiker aus den Parteien auch Absahnen können. Ich denke mal mit den Schulden von Deutschland haben sie es genau so gemacht. Wo eine DM war ist nun ein Euro.
    Dieses Land hätte den Euro niemals nehmen dürfen. Und wo war der Voksentscheid?
    Ein Hund macht auch nur das was er darf.