Do you spiek Bahninglisch? Kän you plies üben gehen?

Ich glaube ich werde bald kleine Aufkleber drucken auf denen steht „Zänk you aber I spiek onlie Bahninglisch.“ Es ist bereits ein „running gag“ im Zug wenn die Schaffner wieder einmal „Zänk ju for trafeling Deutsche Bahn“ ankündigen – aber das ist auch nur ein Satz pro Haltestellen.

In den letzten Tagen durfte ich auf dem CCC-Kongreß in geballter Form Deutsche Englisch sprechen hören und das eine oder andere Mal hätte ich mir am liebsten Kopfhörer aufgesetzt oder Pflaster verteilt.

Es geht dabei weniger um Gramatik oder aktives Vokabular, sondern um den Teil den in meiner Kindheit nicht nur Legionen von Lehrern sondern auch Otto versuchte den Deutschen beizubringen: Aussprache. Besonders das th.

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Ja, der normale Amerikaner und Engländer sind immer entzückt wenn sog. non-native speaker mehr als eine Vokabel in ihrer Sprache von sich geben, aber auch sie haben Schwierigkeiten einer Unterhaltung zu folgen wenn der größte Teil aus Zischlauten besteht.

Und ich weiß aus Berichten das irgendwann (eher früher als später) der Punkt erreicht wird an dem man nicht mehr zuhören kann. Erst recht nicht wenn diese Laute z.B. im Rahmen eines Podcastes und des MP3-Encodings zu regelrechten Zischlauten werden.

Kombiniert man das noch mit den anderen ‚Besonderheiten‘ des harten deutschen Akzentes dann kommt irgendwann der Peter-Lustig-Moment beim Zuhörer: Er schaltet ab.

Viele mag das nicht interessieren oder stören und mir ist schon klar daß ich darauf empfindlicher reagiere als die meisten (z.B. Inder mit ihrem eher Singsang oder auch nur deutsche Dialekte …) doch Erfahrung zeigt: es stört nicht nur mich. Und stelle ich mir die Frage: Warum arbeiten diese Menschen nicht an ihrer Aussprache?

Ich spreche hierbei nicht die Deutschen an die vielleicht ein zwei Mal im Jahr ihr Bier und Essen auf Englisch bestellen wollen, sondern diejenigen die sich mehr oder minder regelmäßig auf Englisch unterhalten und da z.B. auch Interviews geben (wollen) bzw als Sprecher auf Veranstaltungen kommen wollen.

Aussprache und Verständlichkeit IST ein Faktor, der bei der Entscheidung für oder gegen jemanden spricht. Oder ein Interview. Es sind mindestesn 5 Personen mit denen ich auf dem 23c3 ein Interview hätte führen können es aber gelassen habe, weil ich die Aussprache schon meinen Ohren nicht antun wollte – geschweige denn den Ohren der Hörer. Und zwei wo ich noch die Rückmeldung meiner englischen Partner abwarte ob es dem Hörer zumutbar ist.

Wohlgemerkt, nichts davon hat mit dem Inhalt zu tun. Sondern nur mit der Ausprache.

Also, ran an die Mikrophone und ein paar Sätze auf Englisch aussprechen und aufzeichen – und sich dann selber kritisch anhören ob oder ob nicht die eigene Aussprache erträglich ist. Die Umwelt wird es danken. 😉

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

10 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Leute, die sich eins auf ihr Pseudo-Oxford einbilden und dann keinen Satz fehlerfrei rausbringen weil ihnen Grammatik und Vokabular fehlen, sind noch viel peinlicher. Ein Effekt, der mir schon mehrfach bei englisch geführten Interviews aufgefallen ist. Stammeln mit Stil.

  2. Nun ja, es mag ja jede(r) (seine) ihre Gründe haben, warum ein Interview geführt wird und warum nicht. Persönlich halte ich mich da eher an fachliche und inhaltliche Kriterien und versuche im Zweifel das Interview bzw. den Beitrag entsprechend aufzubereiten, dass es für die Leser/Hörer erträglich ist. Denn um letztere geht es, nicht um die Aussprache, oder?

  3. Von allen englisch-sprechenden Menschen sind nun mal die „Natives“ in der absoluten Minderheit. Ich habe mal 5% oder so gelesen. Das bedeutet auch, dass seltsame Aussprache dazu gehört. Denn sollen 5% den anderen 95% vorgeben, wie korrektes englisch moduliert wird? Für die meisten sind das sowieso Geräusche, die es nicht im Ansatz in ihrer Muttersprache gibt und mit einem enorm hohen Lernaufwand verbunden sind. Die Entwicklung der englischen Sprache findet demnächst in China statt. Das muss man akzeptieren.
    Als Deutscher sollte man da sich etwas zurücknehmen, wenn es um die Kritik am richtigen Englisch geht. Keine Sprache ist dem englischen so nah verwandt, wie deutsch. Auch ein Grund dafür, dass es besonders Deutschen vergleichweise an Englischkenntnissen fehlt. Englisch erscheint vielen Deutschen als sehr leicht – zu leicht um die Notwendigkeit zu spüren, sich näher und eingehender damit zu befassen.

  4. Nicole, du hast meinen Segen. Zu Tim kann ich nur folgendes sagen: Weil es schwer ist, ist es ok, sich nicht 100% Mühe zu geben? D.h. es reicht, wenn man die Vokabeln kann oder wie? Ich bin, nicht nur weil ich den Kram studiert habe ggf. befangen und pingelig, aber sehr wohl sollen die, die wissen wie man es ausspricht die anderen unterstützen. Es würde auch reichen, wenn die Lehrer vernünftiges Englisch sprechen würden, aber leider ist auch das größtenteils nicht der Fall. (aber ein anderes Thema)

  5. Sebastian:
    Du hast Sprachen studiert? Dann weisst du auch, dass sich eine Sprache/Aussprache verändert. Diese Entwicklung bestimmen Menschen, die englisch anwenden und kein Lehrbuch. Und das werden zukünftig wohl Asiaten sein.
    Als Deutscher ist es leichter Kritik zu üben, weil man es einfacher hat – obwohl es sich die meisten hierzulande zu einfach mit der englischen Sprache machen. Kannst du noch eine andere Sprache, die nicht dem romanischen/lateinischen Sprachraum entspringt? Dann erst kann man ermessen, welche Mühe es z.B. für die erwähnten Asiaten macht, englisch zu lernen.
    Zustimmen kann ich einer Beobachtung: Es ist erschreckend, wie schlecht die meisten Deutschen – auch jüngere Leute und Studierte – englisch können. Und noch erschreckender ist, dass sie oft der Meinung, sie würden es ganz passabel machen. Für mich ist halt der Grund, dass englisch für deutsche Muttersprachler relativ leicht erscheint – aber nicht ist.

  6. Grundsätzlich denke ich, dass beim Sprechen einer Sprache die Kommunikation am wichtigsten ist – also das Übermitteln von Information. Natürlich fällt mir auf, dass die Aussprache vieler Deutscher im Englischen schlicht grausam ist, und natürlich ist mir ein schöner Akzent lieber – dafür bin ich als Englischstudent viel zu hoffnungslos anglophil. Dennoch ist es mir nicht so wichtig, ob jemand grammatikalisch perfekt in angemessenem Idiom spricht oder ob er sich mit seiner Aussprache hoffnungslos als „Ausländer“ abstempelt, solange er sich verständlich ausdrückt und etwas interessantes zu sagen hat.
    Wenn Du deinen Hörern eine englische Aussprache ersparen willst – warum führst du das Interview dann nicht einfach auf Deutsch?
    Zu Tim: Ich möchte dir insoweit widersprechen, als ich denke, dass sich zwar die Veränderungen einer Sprache natürlich vor allem im Alltagsgebrauch herausbilden, dabei aber trotzdem die Gruppe derer, die eine Sprache am besten beherrschen, ausschlaggebend sein sollte – und das sind gemeinhin die Native Speakers.
    Meine Erfahrung in Punkto Aussprache war bislang aber eigentlich immer, dass Kritik zuallererst von Seiten eines Nicht-Native Speakers kam; die Muttersprachler sind da oft wesentlich toleranter als gerade wir Deutsche. Das mag wohl einfach daran liegen, dass sie besser Englisch können als wir, und damit weniger auf korrekte Aussprache eines Wortes angewiesen sind, um es zu verstehen.
    P.S. Kann bitte jemand diesen nervigen Spamblocker anpassen, der Texte mit dem Wort „Info“ als Spam für Texas-Holdem behandelt?

  7. Aussprache mag sich verändern, aber Veränderungswellen weil man es nicht besser weiß kann ich nicht begrüßen. Sind diese ausgelöst von einer grundsätzlichen Faulheit oder schlechten Ausbildung noch weniger. Sicher, Pizzas und Atlanten sind erlaubt, das muss mir aber nicht gefallen. Und wenn die Zugbegleiter „Sixteen o’clock“ sagen, weiß ich zwar, dass das technisch nicht falsch ist, praktisch zucke ich aber trotzdem zusammen, weil kein Native Speaker das im Alltag so nutzen würde.

  8. Ich gestehe das ich Kaktusse sympathischer als Kakteen finde. Und auch so benutze. 😉

  9. Nun aber doch mal ein Einspruch in Sachen Zugbegleiter und Englisch…
    Für uns jüngere Generationen ist es relativ einfach, sich einigermaßen erträgliches Englisch anzueignen. Bei einem Zugbegleiter im fast-Rentenalter, dem von oben Streckenansagen auf Englisch aufobstruiert wurden, zusammen mit immer knapper kalkulierten Fahrplänen, längeren Arbeitszeiten und weniger Personal, ja, da mag dies doch etwas anders aussehen. Hut ab vor den Damen und Herren, die das mit der englischen Aussprache tatsächlich hinkriegen und dann noch das mit dem 12-Stunden Zeitsystem peilen. Von den anderen sollte man aber keine Wunder erwarten.