Eine Mail zurück an die Zapp-Redaktion des NDR

Letzte Woche lief im „Medienmagazin Zapp“ ein Beitrag über virtuelle Welten der dem schon fast üblichen Weg folgte die angeblichen Gefahren überproportional in den Vordergrund zu stellen. Dieses war mitnichten wie ich für diesen Beitrag angesprochen wurde, im Gegenteil.

„Second Life ist ja gerade sehr in und wir möchten einen Beitrag machen in dem wir virtuelle Parallelwelten vorstellen“ lautete die Anfrage. Ich wußte, daß anschließend noch ein Feature für das Radio daraus gemacht werden sollte und fand das war eine gute Gelegenheit Second Life und die Möglichkeiten und Chancen die jetzt und später daraus folgen können vorzustellen.

NDR, speziell auch das Magazin Zapp hatte sich bisher eigentlich bei mir als einigermaßen seriös dargestellt, daher war ich Thema und Sender positiv eingestellt. Wie ich in „Wenn die Interviewer nicht das abliefern, was sie ihren Interviewgästen versprechen“ schon beschrieb wurde daraus nichts. (Danke für die zahlreichen Mails und Telefonate die mich hierzu erreicht haben nachdem der Beitrag gesendet wurde bzw. nachdem der Text online gestellt wurde).

Grund für diesen Blogeintrag? Ich hatte eine entsprechende Mail an die beiden Personen geschrieben, mit denen ích während dieses Beitrages zu tun gehabt habe mit dem Kommentar

Kommentare meiner Kollegen gingen übrigens bisher in der Richtung das der Suchtfokus stark übertrieben wurde und daher unglaubwürdig rüberkam – nichts gegen die Darstellung der Realität aber der Bezugsrahmen war wohl doch etwas verzerrt.

Die Antwort darauf war „interessant“.

Und zu dem Feedback: Der Teil über den Internetabhängigen hat überwogen. Das stimmt. Allerdings „übertrieben“, würde ich nicht teilen. Schließlich war das Ziel des Beitrages eben auch die Abgründe zu zeigen. (Anlass war eine aktuelle Studie zu dem Thema Onlinespiel-Abhängige). Und um dem Thema „Abhängigkeit“ gerecht zu werden (also es nicht einfach oberflächlich und sensationsheischerisch ab zu frühstücken) war es denke ich gut so. Im Übrigen war unser Feedback in der Redaktion genau umgekehrt. Nämlich es wäre zu viel Internetspiel ohne Abhängigkeit gewesen. So sind die Geschmäcker eben unterschiedlich 😉

Ich verwende ja gerne den Spruch „unterstelle niemals Absicht wenn Dummheit genügt“, doch ich bin mir immer noch nicht sicher ob es wirklich gewollt war oder ob die beteiligten Personen nicht daran gewöhnt sind das jemand ihre Aussagen hinterfragt.

Weswegen ich als Antwort folgendes gemailt habe.

Zusammenfassend könnte ich jetzt sagen, daß ich menschlich enttäuscht bin, doch die Wahrheit ist: Es ist nicht wirklich überraschend. Irritierend finde ich eher daß mein berechtigter Einwand des „so war das aber nicht besprochen“ mit einem „Übertrieben? Finde ich gar nicht! War doch Ziel des Beitrages!“ beantwortet wird.

Ich könnte das jetzt einfach darauf sitzen lassen. Oder Euch die diversen E-Mails zusenden, die ICH erhalten habe ob des „oh mein Gott was haben die da denn verzapft?!“ und die Beleidsbekundungen in dem „wohl schlechtesten recherchierten Beitrags zu Second Life überhaupt“ Teil gewesen zu sein.

Und darf ich bitte noch einmal sehr deutlich hervorholen, daß besagter Anlass kein einziges Mal mit gegenüber als Anlass für den Beitrag erwähnt wurde. Vorgestellt wurde mir ein Beitrag über virtuelle Parallelwelten in dem „unter anderem auch“ das Thema Suchtgefahr behandelt werden sollte. Soweit das Aussage auf meine Nachfrage hin. „Unter anderem auch“ ist noch nicht mal in der Nähe von „Ziel des Beitrages“.

Ein Beitrag über diese Spiele mit einem Abstecher zu Gefahren und Risiken ist völlig legitim und es wäre falsch ein Thema nur jubilierend fröhlich zu präsentieren.

Einen Beitrag mit dem _Fokus_ Abhängigkeit zu bauen und Interviewpartner stattdessen zu erzählen es ginge um eine Darstellung / Vorstellung dieser Welten ist schlicht unseriös.

Wie die referenzierten Studien hier zeigen ist das Thema auch kein neues und ich habe mehrfach versucht Euch klarzumachen, daß besagte Sucht nur ein Teilaspekt der Welt ist – wie in der realen Welt auch. Was aber offensichtlich nicht ausreichte um am vorgefertigten? Beitragsbild zu kratzen.

Das positive Rückmeldungen gekommen sind verwundert mich ebensowenig. Die Bildzeitung verkauft jeden Tag eine Menge Exemplare mit dieser Art von Berichten.

Die Tatsache, daß es in Deutschland Drogenabhängige gibt und Drogen z.B. in Clubs gehandelt werden bedeutet nicht, daß Gesamt-Deutschland der Gefahr unterliegt drogensüchtig zu werden nur weil man einen Club besucht. Trotzdem würde ein solcher Beitrag immer besagte positive Kommentare nach sich ziehen.

Unter dieser Prämisse hätte ich niemals einem Interview zugestimmt, vor allem nicht einem ohne Aufwandsentschädigung. Ich habe mehrere Stunden meiner Zeit investiert um die Chancen und Möglichkeiten zu zeigen, die eine solche Auseinandersetzung mit einer virtuellen Welt bieten kann. Nicht um kostenlos als Beispiel für Onlinesucht herhalten zu müssen.

Besagter Kollege von NDR Info kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen um mich davon überzeugen, daß er gedenkt einen seriösen Beitrag auf die Beine zu stellen, wo Anfrage beim Interviewpartner mit dem Endprodukt übereinstimmt. Ohne entsprechende Rückmeldung untersage ich die weitere Verwendung der Aufnahmen bzw. textlichen Inhalte.

Diese Mail geht übrigens nicht nur als Mail an Euch sondern auch als eins zu eins Kopie in mein Blog um meine Leser darauf hinzuweisen daß bei Anfragen aus dieser Redaktion es angebracht ist sich die Teilnahme mehr als nur einmal zu überlegen.

Eine Antwort auf diese Mail ist übrigens nicht notwendig.
Ich würde es bevorzugen wenn Ihr versuchen würdet aus solchen Rückmeldungen zu lernen.

Nicole

[Besagter Kollege vom NDR Info wird diese Mail mit Sicherheit nicht von seinem Kollegen erhalten geschweige denn die Aussage er möge mir zeigen, daß er in der Lage ist einen seriösen Beitrag zu bauen, sondern nur die Information daß er Teile meiner Aufnahme nicht wie geplant verwenden kann. ]

Ich finde es zufriedenstellend, daß ich es nicht einfach hinnehmen muß wie das gelaufen ist. Fakt ist: Wäre zu irgendeinem Zeitpunkt die deutliche Aussage getroffen worden, daß dieses der Fokus und Anlaß des Beitrages sein soll, hätte ich dankend abgelehnt. Sie wurden immer in Formulierungen gepackt die den ‚unter anderem auch ein wenig‘ Charakter hatten.

Und wie oben schon erwähnt: Ja, es gibt diese Gefahren eindeutig. Fragt man den „richtigen“ Experten, würde man mich jetzt sofort wahrscheinlich auch einweisen lassen – tippe ich doch einen Text in meinen Computer und glaube daran daß „andere Stimmen und Personen die ich nicht weiter benennen kann“ mir zuhören. Hm. Bei meiner momentanen Haarfarbe sollte ich wohl außerdem weniger entflammbare Kleidung tragen. ;o)

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Ui, neue rote Haarfarbe? (Wir haben uns ewig nicht gesehen.) Zu schade, dass ich hier in Bayern kein NDR empfangen kann, mich hätte schon interessiert, was sie jetzt aus dem Beitrag machen 😉