Elitäres, reaktionäres Gesocks

As I now received the third email asking what my german reboot articles are about, let me give a short english summary. This article is a kind of feedback on reboot, but more a reaction to a comment by somebody stating how inappropriate my comments where in which I stated that there is only so much mainstream visitors reboot can have. Which, for example, tend to talk only in english german (yeah, I know, proving it myself). I will take this up in a comment about reboot in crueltobekind. I would love to receive your feedback as well in audio / text for the postboot podcast on bloxpert.. And while your are still scratching your head about what this post is about – go bug your favorite engineer to build a working babelfish! 😉

Im letzten Artikel schrieb ich über die Schwierigkeiten auf der diesjährigen Reboot zwischen Mainstream und dem gewünschten Ziel der Konferenz. Es erhielt den folgenden Kommentar:

Wie goldig: Den mainstream draussen halten. Und das alles noch dazu in Sachen „Internet“. Was ist das denn für ein verqueres, elitäres Denken?

Das ist reaktionäres Zunftdenken und ziemlich unangemessen.

Das ist im Gegenteil genau das richtige Denken.

„Mainstream“ bedeutet eben nicht reaktionär zukunftsdenkend, sondern dem Fluß folgend, mit den anderen. Eine Konferenz, die sich wie Reboot zum Ziel setzt einen solchen Flußlauf zu erzeugen, muß daran arbeiten, den Mainstream nicht anzuziehen bzw. Wege finden, ihn fernzuhalten.

Eine Zunft bzw. die modernere Form wäre wahrscheinlich gar nicht so unangebracht. Wir sind nicht alle gleich begabt. Fortschritt (sowohl technisch als auch sozial) entsteht nicht dadurch, daß alle gefragt werden und versucht wird es allen recht zu machen. Und erst recht nicht, wenn man sich einen Großteil der Zeit damit beschäftigen soll, den sog. Mainstream auf das eigene Niveau zu heben. Dann bleibt keine Zeit um weiter zu denken, sich und andere weiter zuentwickeln.

Unangemessen wäre diese Aussage, wenn eine Veranstaltung wie Reboot eine „wir sind alle happy und freuen uns, jeden Menschen bei uns begrüßen zu dürfen“. Ist sie aber nicht. Sie ist für einen gewissen Typ von Menschen, sogar mit einer geographischen Einschränkung.

Das ist genauso „elitär“, wie Schachspieler eine gewisse Punktezahl haben müssen, um an bestimmten Turnieren teilnehmen zu dürfen. Oder andere Sportarten mit ihren Qualifikationen. Olympia ist ein Event was nicht allen Menschen als Teilnehmern zugänglich ist.

Genauso wie für die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen / für Jobs gewisse Sprachkenntnisse auf einem bestimmten Niveau gefordert werden. Genauso wie andere Zugangsqualifikationen für alle möglichen anderen Dinge in unserer Welt.

Einfaches Beispiel für Reboot: Wer dort anwesend ist und nur von sich selber erzählen will und Gespräche immer auf sich ziehen will, hat dort nichts zu suchen, denn das Thema ist voneinander zu lernen. Wer dort anwesend ist, sollte sein Wiki-Profil füllen.

Wer die 2,5 Tage dort rumrennt und immer nur Deutsch reden will, hat den Sinn der Veranstaltung nicht verstanden und stört. Nicht nur ist es unhöflich gegenüber den anderen nicht deutschsprachigen Teilnehmern, es verhindert die erwünschte Kommunikation und den gewünschten Effekt der Vernetzung und des Austausches. Wer nur in der Halle sitzt und in seinen Laptop schaut ebenso.

Wer in dieser Definition nicht Mainstream ist, wird eine schwierige und herausfordernde Aufgabe. Es geht dabei nicht um die „cool kids“ oder wer bloggt am längsten, oder wer hat als erster den Eintritt bezahlt hat oder wer war schon immer dabei etc. Sondern welche Menschen sind für den gewünschten Zweck die richtigen Teilnehmer.

Ich habe keine Lösung für diese Frage, sondern kann den Organisatoren nur Vorschläge machen. Wird diese Aufgabe jedoch nicht gelöst, wird Reboot eine genauso traurige Veranstaltung wie Etech bzw. eine Zeitverschwendung.

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Die Ideengeberin will ein Reservat, wo sie Anregungen abgreifen kann, die sie dann als ihre eigenen verkauft? So einfach ist business nicht. Da muss man sich schon eigene Gedanken machen. Netzwerken funktioniert als Austausch: Aber wenn man nichts anzubieten hat, dann ist man auf die Brösel angewiesen, die bei Konferenzen abfallen.
    Bisher waren solche „Social Media“-Tagungen – besonders in Europa – eher Veranstaltungen für Eingeweihte und Freaks. Wir erleben gerade, dass blogs&Co für Unternehmen, Werbung und Old-Media interessant werden. Die Meetings werden häufiger und grösser werden. Man kann keine handverlesene Auswahl treffen. Sicher werden relevante Entwicklungen immer in kleinen Zirkeln angestossen werden. Statt den Pöbel zu beklagen sollte es das Ziel sein, da reinzukommen. Dann bringen auch grosse Konferenzen etwas, weil man im Panel sitzt und ansonsten in „Hinterzimmern“ mit ausgewählten Kollegen und Kunden konferiert. Der Rest einer Konferenz ist dann „Folklore“. Die Speaker werfen dem Volk ein paar Infos in den Rachen – immerhin haben die mit ihren Eintritt das Ganze finanziert.
    Ich habe nichts gegen Sie perönlich und wünsche Ihnen viel Glück für Ihre Selbstständigkeit. Aber bisher haben sie nicht überzeugend gezeigt, dass Sie in dem Haifischbecken mehr sind als ein Putzerfisch – und die grossen Fische ihnen das Futter wegschnappen. In wenig zu wenig, um länger als wenige Monate in dem schnellen Geschäft zu bestehen.
    Im Übrigen: Das mit den Sprachkenntnissen meinten Sie nicht ernst? Verhandlungssicheres Englisch ist eine Grundquafikation, die mittlerweile schon Oberschüler erlangen.

  2. Die Ideengeberin arbeitet am besten mit Material was ihr präsentiert wird, damit sie daraus neue Gesichtspunkte herausholen kann. Sie hat weniger Interesse daran, Ideen präsentiert zu bekommen und diese dann als ihre eigenen zu vertreten. Warum auch?
    Ich kann nicht das nächste Wein-Portal mit Social-Software-Komponente programmieren, auch nicht für den von mir favorisierten Kaffee. Es nützt mir nichts über die Ergebnisse der BBC zu lernen und über Projekte, welche noch in der Pipeline sind, ich führe keinen Radiosender, noch beabsichtige ich es. Die Liste läßt sich fortsetzen und ich lasse bewußt die spannenden, coolen Dinge weg, die in Zukunft kommen werden und dort im Gespräch angekündigt worden sind. Nicht, weil es Geheimniskrämerei ist, sondern weil die Teilnehmer darum gebeten haben.
    „Das ist aber nicht blogbar“ war eines der Standardansagen.
    „Statt den Pöbel zu beklagen sollte es das Ziel sein, da reinzukommen.“
    Es sollte mein Ziel sein, in „den Pöbel“ zu kommen? Ich denke nicht. Und Ihre Beschreibung trifft auf „normale“ Konferenzen zu – letztes und auch dieses Jahr ist Reboot eine Konferenz, in der alles das sog. Hinterzimmer ist.
    Die Tendenzen, die ich in diesem Jahr sehe, würden dazu führen, daß es das bald das Hinterzimmer geben wird – und das ist absolut nicht im Interesse der Veranstalter. Ich kann mir persönlich sogar vorstellen, daß die Veranstalter Thomas und Nikolaj eher die Konferenz einstellen als das passieren zu lassen.
    Bez. Englisch: Ich glaube nicht, daß die meisten Oberschüler außerhalb der geschützten Umgebung der Schule bereits Englisch als Grundvoraussetzung in ihrem weiteren Leben verstanden haben, aber nehmen wir das mal als gegeben hin.
    Die meisten Teilnehmer an solchen Veranstaltungen sind keine Schüler. Ich fand es gemessen an der Größe von Deutschland schon überrraschend immer wieder eine der wenigen Deutschen gewesen zu sein. Der Trend langsam dahin, daß mehr Deutsche auf solchen Veranstaltungen auftauchen – leider aber auch begleitet von mehr Deutsch. Eben weil sie nicht fließend in Englisch sind.
    Ich habe in Kopenhagen mit Leuten gesessen wo über längere Zeit in Englisch geredet wurde – obwohl nur Deutsche anwesend waren. Bis sich dann wieder andere dazugesellt haben und in die Diskussion eingestiegen sind.
    Ich habe andere Teilnehmer gesehen, die nur Deutsch geredet haben. Zu denen hat sich keiner dazugestellt.

  3. a) Wer in der Halle in den Laptop starrt ist im IRC und folgt den Liveberichten aus den anderen Hallen 😉
    b) Ich hatte im Usenet „keinen“, jetzt hab ich einen: OliverG 😉

  4. Ach ja:
    Bei der nächsten Reboot bin ich dabei. Sie haben Interesse geweckt. Von Bremerhaven ist es ja nicht soweit. Und Freunde in Kopenhagen habe ich eh. Also wir sehen uns nächsten Juni.

  5. Ganz klar – die reboot wird sich in Richtung World Economic Forum entwickeln. Größer und exklusiv zugleich. Das setzt eine stärkere Steuerung durch die Veranstalter voraus: Teilnahme nur auf Einladung.