Evisco und die berühmten 6.500 Euro pro Ausgabe.

In den Kommentaren bei Robert Basic sind mal wieder die berühmten „teuren!“ 6.500 Euro pro Ausgabe des Kanzerlinnen-Podcastes ein Thema sowie das Zitat von „Vorstand von Evisco ist der Schwiegersohn des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, Jürgen Hausmann“. Ein kurzer Kommentar zur Vergabe des Podcastes an Evisco sowie die Kosten:

Einerseits jammern alle über die Dumpingpreise überall und das man davon nicht leben kann, andererseits wird gejammert, wenn vernünftige Preise genommen werden. Und dann das – 6.500 Euro pro Podcast?! Skandal!

26.000 Euro für die ersten vier Folgen sind rechnerisch 6500 Euro, aber könntet Ihr bitte mal aufhören die Inititalkosten dieses Projektes mit den laufenden Kosten gleichzusetzen? Trailer, Konzeption, Abstimmungskosten für das Projekt intern, Schulung usw sind Dinge, die ebenfalls Geld kosten.

Und selbst bei laufenden Kosten sind es nicht die Kosten, die der Podcaster um die Ecke hat. Profesionelle Übersetzer kosten auch ihr Geld, um nur mal einen Aspekt herauszugreifen der diesen Podcast von anderen unterscheidet. Die Aufnahmetechnik ebenso. Und nein, daß ist keine Kamera vom Mediamarkt, ebensowenig die Software die verwendet wird.

Und ich finde es ebenfalls typisch, daß so getan wird, als wenn Eviscos einzige Qualifikation die Verwandschaft ist. Die machen Video tatsächlich professionell. Und sie haben offensichtlich die diversen Kriterien erfüllt, die gestellt worden sind. Die Schwiegersohn-Klitsche produziert für namenhafte Firmen – und wer sich einmal die Ausschreibung angesehen hat wird merken, daß dieses eine der Qualifikationen war.

Nennt Ihr „die haben das doch nur bekommen, weil sie da Verwandtschaft im Spiel haben!“-Schreier mir doch bitte mal alternative Anbieter im deutschen Markt, die dieses ebenso hätten anbieten können.

Wenn überhaupt, dann kann man Evisco mit etwas anderem vergleichen – SAP. Zwar noch etwas hergeholt, aber im Endeffekt läuft es darauf hinaus – man macht eine große Entscheidungsmatrix, große Testreihen und am Ende kommt doch SAP heraus.

Hat Evisco von den Beziehungen profitiert? Aber sicher!
Alleine die Möglichkeit, auf Politiker- / Beamtenwissen zugreifen zu können der Art „wie hätten die denn gerne die Antworten auf die Ausschreibung, damit sie sich umschmeichelt fühlen“, oder Möglichkeiten um Preisstrukturen abschätzen zu können („was ist die grobe Hausnummer die man nehmen muß um ernstgenommen zu werden?“) und vieles mehr.

Und was Preise betrifft -ich gehe davon aus, daß der Preis vielleicht tatsächlich gar nicht so hoch war wie der von Mitbewerbern – momentan ist es viel interessanter sich mit dem Prädikat Kanzlerinnen-Podcast-Poduzenten zu schmücken, das verrechnet sich direkt mit dem Marketingbudget.

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Kleine Lektüreempfehlung: http://www.sueddeutsche.de/sz/2006-08-12/medien/artikel/HMG-2006-08-12-019-SALf4LcBkvNQxplIqZxTOw/ (oder Medienteil der Printausgabe). Da finden sich interessante Details zum Vergabeverfahren. Der Kriterienschlüssel wurde immer wieder geändert – solange, bis eine bestimmte Firma aus München auf dem ersten Platz gelandet ist. Hat das auch was mit Qualität zu tun?
    Aber zugeggeben: Mich stört nicht der Preis des Videocast, sondern die politischen Aussagen – aber darauf scheinen nicht mehr so viele zu schauen, denn beim Preis lässt es sich einfacher brüllen.

  2. Also ich kann diesem „Kanzler-Podcast“ als Ganzem nix abgewinnen.
    Ok, das Kanzleramt zeigt damit, dass sie technisch auf der Höhe der Zeit sind. Aber der damit erreichbare Personenkreis ist im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ja wohl marginal.
    Wenn sie das, was sie da sagt, einmal im Monat auf einer Bundespresse-Konferenz sagt, kommt sie damit regelmäßig in die Tagesthemen und das Heute Journal und erreicht damit fast die komplette Bevölkerung.
    Damit bekäme sie ihre Statements viel effizienter unter die Leute.
    Nur ein paar eigene Gedanken dazu … Ralph

  3. Also nichts gegen die SAP, aber in vielen Fällen war die Entscheidung für SAP-Software schlicht die Entscheidung für die sicherste Alternative vom entscheidungsschwächsten aller Entscheider. Mit SAP konnte man nichts falsch machen, weil macht ja jeder. Um die wahren Qualitäten der Software, die ich damit gar nicht in Frage stellen will, ging es bei vielen Entscheidungsträgern nicht, sondern schlicht um die eigene Karriere als schwacher Manager. Insofern ist der Vergleich leider unangemessen. Insofern sind die Ausführungen in Ihrem Kommentar auch richtig, nur die Begründung ist eine andere. Lieber warten auf SAP, ich muss ja meinen Job sichern.