Fazit des Jonet-Tages für mich.

(Ich wußte doch, da war noch ein Artikel in der Warteschlange. Lerne: Hold = not published.)

Welches Fazit ziehe ich aus dem ? Ich bin mir nicht sicher, ob dort wie mancher behauptete wirklich schon die ‚modernen‘ Journalisten anwesend waren. Wenn ja, dann war es erschreckend. Ich meine damit weniger die Zurückhaltung oder auch Anbiederung in Richtung Blogs, sondern die allgemeine Haltung zu dieser neuen Welt, die eben nicht nur aus der Technik besteht.

Einige Beispiele:
Aus den Gesprächen zum Mittag oder am Abend nehme ich mit: Einen Computer hat man vielleicht zum Schreiben von Texten, E-Mail hat man eventuell auch noch, aber das war es dann auch schon fast. (Ich war nicht in der Veranstaltung IT-Journalismus, vielleicht gab es dort mehr technikorientierere Teilnehmer).

Wenn ich jetzt die neue Welt im Netz mit der Umstellung von Schreibmaschine zum Computer vergleiche, greift es zu kurz und fokusiert zu sehr auf dem Technikaspekt. Es geht um den gesellschaftlichen Wandel, der sich langsam aber immer stärker vollzieht.

Die Aussage „das mit dem Internet ist eh überbewertet, denn am Ende zählt doch nur, was an Qualität gedruckt wird“ ist naiv – man muß sich nur die Statistiken bez. Jugendlichen und deren Nutzung von Onlinemedien bzw. Offlinemedien ansehen um zu sehen: Wenn nicht jetzt schon, da kommt einiges auf uns zu.

Ebenfalls hier und da wurde sehr ätzend auf dieses „komische Tääg-Zeugs“ Bezug genommen – als wenn man es nötig hätte, auf einer Webseite nachzuschauen, was über diesen Tag geschrieben wurde.

Ich habe die Session bez. „Geld verdienen mit Blogs“ noch nicht gehört, aber aus dem Kommentaren am Abend entnehme ich, daß dort vor allem der „Kulturimperialismus und die Frechheit, sowas in Englisch abzuhalten, nur weil die eine Tussi kein Deutsch kann“ rübergekommen ist. Sicher, man kann sich darüber streiten, ob das notwendig war, jedoch frage ich mich nach dem, was ich so davon hörte, ob die klare geschäftliche Ausrichtung von Gawker für die Anwesenden ein wenig überfordernd war.

Oh, auch sehr beliebt die Nachfrage „kann man aus Thema X ein Blog machen? Aus Y? Aus Z?“ wo die Antwort nach mehr oder weniger Nachdenken natürlich ja lautet, man kann aus vielem ein Blog machen bzw. die dazu passenden anderen Tools nutzen. Hämische Reaktion zum Schluß: „Ihr Blogger seht doch überall nur Blogs … könnt Ihr sonst nichts?“. Nun ja.

Ein Teil läßt sich sicherlich mit Angst erklären, ein Teil mit nicht ändern wollen, ein Teil mit Faulheit. Aber da muß es noch mehr geben. Ist es ‚kulturimperalistisch‘ zu glauben, daß gerade eine Gruppe wie Journalisten als auch (um mal eine ganz andere Gruppe zu nennen) Lehrer sich mit dieser neuen Welt befassen sollte? Nicht im Sinne von „das muß man halt lernen“, sondern im Sinne eines Angebotes „schau. Hier ändert sich grundlegend die Art und Weise wie Menschen heute und in Zukunft miteinander kommunizieren“? Immerhin wird es gerade ihren Bereich massiv umstellen.

Vielleicht sollte der nächste Jonettag in der Einführungsveranstaltung ein paar empfängergerecht aufbereitete Folien / Grafiken enthalten, um die Bedeutung von Internet und co auch gerade auf ihren Arbeitsplatz darzustellen.

Nun könnte ich mir ja sagen „da sehen wir einen Schulungs- und Beratungsmarkt“ (wie es immer so schön heißt). Zum Beispiel „Feeding me, feeding you – wie gerade Journalisten ihre Recherche vereinfachten können“ oder „To blog or not to blog – wenn Sie es nicht machen, tun es Ihre Kollegen“. Jedoch stelle ich mir dann die Frage, wer kommt zu sowas? Die wirklich interessierten Teilnehmer oder auch die griesgrämigen „wir wollen das es so bleibt wie es ist“-Herren? Ich bin mir da nicht so sicher.

Anders als manch gehörte pessimistische Einstellung an dem Tag bleibe ich bei der Meinung: Das ist zum großen Teil Handwerkzeugs, was man neu / erweitert lernen muß. Und man muß sich darauf einstellen, daß man die Frage nach „und welchen Mehrwert bringen Sie mit Ihrer Arbeitskraft?“ gestellt bekommen wird. Und ja, von Kaufleuten (was auch sehr kritisch gesehen wurde), weniger von Chefredakteuren.

Das ist eine ähnliche Diskussion wie sich der Wandel momentan im medizinischen Bereich vollzieht, hier auch schon länger: Es ist nicht mehr der Oberarzt, dem man zu huldigen hat, sondern der Ansprechpartner ist die kaufmännische Abteilung, die interessiert sich für Zahlen, Daten, Fakten. Oberärzte, die weiterhin ihrer alten ‚Deutungshoheit‘ nachtrauern, haben einen schweren Stand.

Gab es an dem Tag auch nettes? Ja. Ich war eh hauptsächlich dort, um ein paar Podcast-/Bloggerkollegen zu treffen und mir ‚die Journalisten‘ mal anzuschauen. Der Tag begann zu früh, das Wifi war erfreulich frei (nur das es am Nachmittag schwächelte), die Organisation lief und der Abend klang nett aus.

Und ein Journalist konnte am Abend noch davon überzeugt werden, daß es möglich sein könnte, sein Hobby Kabarett bloggender oder podcastenderweise unterzubringen. Er hatte es nämlich immer bedauert, nicht weiter in diesem Bereich geschrieben zu haben. Aber es gab ja keine Öffentlichkeit dafür. In einem Blog könnte er seinem Hobby fröhnen und im mehr oder minder starken Maße sogar Geld damit verdienen.

Jetzt warte ich nur noch auf die versprochenen Audiodateien. 🙂

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Anscheinend braucht alles seine Zeit. Ich bin dennoch positiv überrascht gewesen, wie viele sich mit den „neuen“ Themen schon auseinandersetzen. Interessanterweise ist das Thema Recherche via Tags noch gar keines für viele Journalisten.