Frauen und Sex im Internet

Seit die Zeit rss-Feeds besitzt, komme ich dazu, Artikel daraus zu lesen. Einer weckte just meine Aufmerksamkeit: „Im Internet ist Sex allgegenwärtig – jetzt interessiert sich auch die Forschung dafür.„.

Keine Frage: Im Internet ist eine neue Form sexueller Kontaktaufnahme und Befriedigung entstanden.

Das kann wohl jeder bestätigen, der sich ein paar Jahre im Netz rumtreibt; das Internet ist nicht nur ein Massenkontaktmarkt, sondern eben auch ein Sex-Markt. Jedenfalls für Leute, die einigermaßen mit Worten umgehen können.

Manche Forscher sehen daher im erotischen Chat bereits eine neue Form sexueller Befreiung. Partner sind im Internet zu jeder Tages- und Nachtzeit leicht zu finden, der anonyme Kontakt ermöglicht vielfältige und selbstbestimmte Rollenspiele, niemand muss sich um Aids oder Verhütungsmittel sorgen.

So weit, so gut. Doch dann kommt wieder eine Argumentation, die es mir eindeutig unmöglich macht, mit solchen Weibern eine ernsthafte Unterhaltung zu führen:

Das Internet biete „mehr Sex, besseren Sex, anderen Sex“, fasst Nicola Döring diese Argumente zusammen und verweist zugleich auf die feministische Gegenmeinung: Danach bietet Cybersex nur ein neues Feld, auf dem Mädchen und Frauen nun auch virtuell belästigt, vergewaltigt und als Porno-Objekte missbraucht werden. „Aus dieser Perspektive ist es der (heterosexuelle) Mann, der Cybersex sucht und ihn der Netznutzerin aufzwingt, die online diversen Tätigkeiten nachgeht, aber sicher nicht an sexuellen Kontakten interessiert ist.“

Selbstverständlich gibt es das bedauerlicherweise *auch*, keine Frage. Und wo ist jetzt der Rest der Meinung? Oder war das etwa schon alles von der „feministischen Gegenmeinung“? Wo ist der Teil, daß sowas Spaß machen kann? Fun sein kann? Experimentieren zuläßt, ohne tiefgreifendere Probleme?

Natürlich wäre es Selbstbetrug, wenn ich mich als das blondgelockte, elfengleiche zarte Wesen verkaufen würde, was ich nun mal nicht bin. Doch wenn ich Lust darauf habe zu sehen, wie mann sich blamiert, *kann* ich auch das tun. [Habe ich unter anderem auch oft gemacht, wenn ich Internetkurse gegeben habe, da viele auf Chat wild sind. Besonders die Herren der Schöpfung waren sehr beschämt über das vorhersehbare Chatverhalten auf Nicole, 17, blond, Azubine Bürokauffrau und daher flink an der Tastatur]

Bin ich jetzt keine Frau, wenn ich Cybersex nicht primär als „Unterdrückungsmittel der Männer“ sehe, sondern als etwas, was *ich* haben kann, wenn ich es will? Oder habe ich nur noch nicht begriffen, daß es gar nicht mein Wille ist, wenn ich entsprechendes in die Tastatur tippe oder in ein Telefon hauche (um ein anderes Feld der sexuellen „Belästigung“ aufzuzeigen, was ebenfalls durch das Internet zugenommen hat). Oder brauche ich einen anderen Provider, vielleicht AOL, damit die Heerscharen von Männer über mich herfallen können und mich sexuell belästigen können? Ach verflixt nein, ich weiß ja, wie ein Ignore funktioniert.

GNAK.

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Da fällt mir jetzt nur die heutige Diskussion auf einer dir ebenfalls bekannten Mailingliste ein … 🙂

  2. Ich habe gestern den Rechner ausgelassen und werde diese Liste – die ich meistens eh nur einmal die Woche lese – dann wohl lieber erst am Wochenende lesen, wenn alle um sich geschlagen haben … ;o)