Ich will die Welle, perfekt hin oder her.

Allerortens poppt mir viel Verständnis von den Webseiten entgegen, wieviel Pietät jetzt angebracht wäre wenn man „die perfekte Welle“ nicht mehr spielen würde.

Hallo McFly, jemand zu Hause? Die einzig korrekte Art und Weise eines Radios damit umzugehen, wäre bitteschön das Programm einzustellen. Wenn ich will, bringe ich mit jedem Lied etwas mit der Flutwelle in Verbindung. Oder irgendeiner der dann folgenden Katastrophenmöglichkeiten.

Dazu muß man nur einmal Liebeskummer haben, dann merkt man auch, daß jedes einzelne Lied sich mit Liebe assozieren läßt.

Niemand da unten hört Radio von hier. Und wenn ich lese „ja aber die armen Angehörigen, wenn denen jetzt zugemutet würde …“ Angehörige, die sich in Aufregung um ihre Anverwandten und Freunde befinden, hören keinen Dudelfunk. Sondern Nachrichten und bleiben am Telefon. Anders hingegen unsensible Zeitgenossen, denen gerade dieser Song vielleicht in Erinnerung ruft, sich bei diesen Menschen zu melden.

Auf Spiegel laß ich, auch der Nachfolgesong ‚geile Zeit‘ solle unterbunden werden, denn schließlich sei genau jetzt das nicht angebracht. Richtig, der Song war nie angebracht, denn darf ich daran erinnern, daß rund um das Jahr auf der ganzen Welt Menschen sterben, verhungern etc? Was für ein Glück, daß gerade Weihnachten ist und die Menschen alle in Spendenlaune sind, nicht auszudenken, wieviel weniger gespendet werden würde, wenn es vielleicht März oder so wäre.

Nein, ich habe kein Verständnis für vorauseilenden Gehorsam einiger Rundfunkanstalten vor dem angeblichen Aufschrei der Bevölkerung. Und in Zukunft, spielen die gleichen Radiosender diesen Song nie wieder? Es könnte schließlich immer mal wieder ein betroffener Angehöriger in der Zukunft das Radio einschalten – nicht auszudenken.

Ich schreibe auch nicht alle Radiostationen im Norden an und fordere von ihnen „Driving home for Christmas“ aus ihren Playlisten herauszunehmen, nur weil ich einen Tag vor Weihnachten fast selber die arme Frau erwischt hätte, die wenige Autos vor mir von einem Wagen erfaßt wurde und umkam.

Dieser Song, eigentlich mein Weihnachtseinstimmungssong für Happy Christmas, wird in den folgenden Jahren für mich ein ernster machender Song sein, beruhigender und die Erinnerung, ein wenig langsamer zu fahren. Für mich. Für meinen Bruder der leicht bleich mehrfach diesen Abend erzählte, daß wir diesmal einen leicht anderen Weg gefahren sind, der uns ein wenig Zeit mehr gekostet hat – vielleicht genau diese Sekunden. Für uns zwei und vielleicht die Angehörigen der Unfallbeteiligten. Aber nicht für andere.

Nein, ich habe exakt kein Verständnis für dieses ‚amerikanische‘ Verhalten, eventuell unliebieges ohne weiteres Nachdenken zu entfernen. Mich von allem Unbill fernhalten zu wollen und mich ja nicht mit der Möglichkeit zu konfrontieren, daß ich mein Hirn einschalten müßte, um dieses Lied, gerade jetzt, in diesem Kontext zu verdauen.

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

16 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. „Ergebnisse 1 – 10 von ungefähr 245.000 für +lyrics +flood“

  2. Ach wie gut dass meine liebste Musikrichtung, Surf-Sounds der 60er (Tornadoes, Dick Dale, The Lively Ones etc) , sowieo kaum gespielt werden…

  3. Beweisen kann ich’s nicht, aber ich vermute, Du befindest Dich da in der Minderheit. Wenn Radiosender tatsächlich binnen einer Stunde Nachrichten von über 100.000 Toten und „Die perfekte Welle“ spielten, gäbe es einen Aufschrei. Es gibt tatsächlich viele Anrufe beim Rundfunk, angesichts der Flutkatastrophe das Musikprogramm zu ändern — und es ist natürlich eine Gratwanderung. Aber „die perfekte Welle“? No way. Natürlich wird der Song 2005 wieder gespielt werden, aber eben nicht drei Tage danach.

  4. Das mit dem „amerikanischen Verhalten“ ist in Deutschland leider schon viel zu häufig anzutreffen…

  5. Gottseidank gab es diese Flutwelle, sonst wäre dieser besch…. Song ewig weiter gelaufen

  6. …als hätte es vorher irgendwen der all-inklusive-pauschal-touris gestört, dass es in dem Teil der Welt schlechte Infrastruktur, Bürgerkrieg, Kriegsrecht, Ignoranz, Ausbeutung… gibt. Hätte es nicht soviele Weihnachtsflüchtlinge getroffen, hätte nach 2 Tagen keiner mehr drüber berichtet. Und dass Surfer-Songs dann abgesetzt werden, ist doch nur noch peinlich.
    Weihnachtssongs mit „snow is falling…“ werden auch nach den Lawinenkatastrophen in Österreich und Italien vor ein paar jahren weiterhin lustig jedes jahr gedudelt… soviel dazu.

  7. Soso ’scheißegal‘ und froh drum, das er nicht mehr läuft …

  8. Schön, dass Du nachdenken möchtest, aber wann fängst Du damit an
    und schaltest Dein Hirn ein?. Armes Deuschland!

  9. Im Fitness-Club läuft sie noch – zumindest gestern abend beim Spinning…

  10. Das ist wirklich hart wenn man jemand unterm Spinning mit diesem Song quält. Schön wäre der Song „Wann kommt die Flut“ von Witt und Heppner.

  11. für Jemand dem der Song scheiß egal ist:
    Was Du von dem Song hältst ist auch mir egal, wie Du mit „dieser Flutwelle“ umgehst jedoch nicht!
    Eine mögliche Erklärung Deiner Reaktion ist, dass Du einfach nicht mitbekommen hast, was überhaupt passiert ist. Da ich grundsätzlich versuche an das Gute im Menschen zu glauben, präferiere ich diese Möglichkeit …
    Mindestens 150.000 Menschen haben durch „diese Flutwelle“ ihr Leben verloren. Mittlerweile schätzt man (UNO) die Zahl der Toten knapp auf den Betrag der Einwohnerzahl Lübecks. Jeder dieser Menschen hatte ein Gesicht, Träume und musikalische Vorlieben, ähnlich wie Du; ein drittel von ihnen waren Kinder.
    Viele der Überlebenden haben kein Haus mehr, kein Bett, nicht einmal Trinkwasser war in genügenden Mengen vorhanden
    [Nein, Salzwasser ist KEIN Trinkwasser].

    Für den Fall, und ich hoffe weiterhin auf das Gegenteil, Du glaubst noch immer daran, dass „diese Flutwelle“ ein geringes Opfer für die Absetzung eines bei Dir unbeliebten Songs im Radio ist, solltest Du Deinen Nick ändern, vielleicht in „Jemand, dem die Opfer scheiß egal sind“
    http://www.un.org/News/dh/infocus/Tsunami/impact.htm

  12. ihr seid doch so verdammt von euch selbst überzeugt das ihr euch nur auf die Themen der aktuellen Presse beziehen könnt: Ihr seht gar nicht die leiden der Menschen um euch selber herum. Ihr achtet nur auf die leiden der Menschen die in den Medien kommen. ist es den nicht genau so schlimm ob ein Mensch hier in Deutschland leidet. Nein für euch natürlich nicht. Glaubt ihr den denn Menschen in den betroffenen Gebieten helfen die Milliarden die wir spenden über den tot ihrer Geliebten weg. Ihr seid alle Anhänger eines verarschungsprojektes. Ihr seid doch alle verlogen mit eurer halben Moral. Natürlich habe ich versucht euch zu provozieren mit dieser Aussage. Aber wer von euch hat sein gesamtes Gehalt gespendet weil ihm die armen Menschen in Land (Deutschland) so leid tun? Ich schon und ihr ? Und ihr geht an dem Elend eurer Mitmenschen vorbei als ob es euch nicht interessieriert. Aber ein weit entferntes Land in dem es leid gibt, das ist natürlich wichtiger, und aktueller. Es müssen schon mehr Menschen sterben damit ihr Ärsche euch damit beschäftigt.
    Gut der nächste der mich kritisieren will bekommt noch viel mehr zu hören
    Was ich nur zum ausdruckt bringen will ist das ich von euch sehr enttäuscht bin

  13. Warum glaubst Du, daß wenn man sich um das Leid von Menschen im Ausland kümmert, man das im eigenen Land nicht sieht? Nur weil ich Geld spende, damit in Regionen, die eben nicht so viel Geld haben wie die Industrienation Deutschland, Menschen nicht verdursten, nicht verhungern und nicht an Seuchen sterben müssen, kannst Du damit nicht gleichsetzen, daß ich mich um Menschen die ich hier leiden sehe nicht kümmere.
    Die Welt ist leider nicht perfekt, aber „Gottseidank sind über 50.000 Kinder viel zu früh und einen beschissenen Tod gestorben“ halte ich nicht für den Ausweg… Wenn Du wirklich versucht hast jemanden zu provozieren ist das schief gelaufen, Du hast damit jeden, der Leidenden -und zwar egal wo- zu helfen versucht ins Gesicht geschlagen.