Eine Woche Berlin - republica und mehr

Geschrieben von Nicole Simon · 12.04.2011 · Trackbacks: (0) · Kommentare (0)

re:publica 11 April in Berlin - das heißt republica. Während ich letztes Jahr leider aus familiären Gründen nicht teilnehmen konnte, freue ich mich dieses Jahr auf alte und neue Bekannte und Freunde. Vor allem auf die neuen - weil die Erfahrungen der letzten Wochen gezeigt haben, daß 'das komische Zeugs' was ich so seit Jahren betreibe endlich Mainstream geworden ist.

Das Spannungsfeld zwischen 'alten' und den 'neuen' ist eine der Sachen, auf die ich besonders gespannt sind. Und wie sich Unternehmen auf der republica präsentieren wollen bzw. teilnehmen wollen. Ich habe von bestimmer Stelle die echaufierte Meinung gehört, man hätte es abgelehnt, X auf die Bühne zu lassen. Meine lapidare Antwort darauf: Klar, weil da kein wirklicher Mehrwert für die Beteiligten zu erwarten war. Firmen haben die Chance, sich das was ich so gerne als Kleinbloggersdorf bezeichne aus der Nähe zu betrachten und sich diesem Biotop zu nähern. ;)

Bedauerlicherweise sieht es so aus, als wenn wir kein gutes Wetter haben werden (heute am Vortag ist es naß, kalt und regnerisch), mal schauen ob wir auch drinnen zurechtkommen. Besonders freue ich mich auch mehr internationale Teilnehmer sehen zu können, dazu gehört unter anderem auch das Team von Netshelter, einem Vermarkter für Blogs der u.a. auch mit Sascha Pallenberg zusammenarbeitet und das Netshelterhaus hosten wird.

Ich sollte wohl nicht so laut verkünden daß ich die letzten Tage richtig viel Technik geschrottet habe - die Batterien von einem ipod und der Videokamera, eine Festplatte und wie es aussieht ist mir auch die Wlan-Funktion meines Laptops abhanden gekommen - keine idealen Voraussetzungen für den Test des ipad2, welches ich für die Simyotour ausprobieren werde ...

re:publica 11Zusammen mit einer Handvoll anderer Blogger werden wir das ipad2 und das HTC incredicble testen. Ich persönlich bin ja zufriedener Multisim-Kunde bei o2, aber ab und an - vor allem in der Bahn zwischen Lübeck und Hamburg sowie Hamburg - Berlin - ist die Abdeckung so schlecht, daß es keinen Spaß macht zu arbeiten. Ich habe zwar ein ipad mit UMTS-Funktionalität, bin aber bisher nicht dazu gekommen, es im Feld richtig auszuprobieren. Das will ich jetzt die nächsten 4 Wochen nachholen und es schick, daß ich mit dem Test nicht nur die republica sondern auch die next zum Testen mitnehmen kann. ;)

Vorschläge für zu testende Apps werden gerne entgegengenommen. ;)

Von den Blinden und den Farben oder warum Reisen die Batterien auflädt

Geschrieben von Nicole Simon · 25.07.2010 · Trackbacks: (0) · Kommentare (0)

Der von mir sehr geschätzte Mirko Lange hat auf talkabout einen Artikel zum E-Post-Thema "Von Miesepetern, Nörglern und Grantlern %u2013 Deutsches Business in Zeiten des Web 2.0" geschrieben. Sein Fazit zieht einen guten Vergleich zwischen klassischer Öffentlichkeitsarbeit und der im Umfeld von heute:

Und was kann man aus der Sicht der PR daraus lernen?

Ich würde sagen: Vor allem braucht es jemanden aus den Unternehmen, der ganz, ganz nah an der Szene ist. Nicht als “Spion”, sondern als Teil der ganzen Geschichte. Und der muss mit am Tisch so vieler Planungen sitzen um mit zu beurteilen: So wird die Community reagieren. Das war analog schon immer auch die Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit – wenn sie als Stabstelle implementiert war: Abzuschätzen, wie die Öffentlichkeit auf bestimmte Handlungen eines Unternehmens reagiert. Deswegen muss dieser “Social Media Experte” verstehen, wie die Menschen im Social Web ticken. Er muss erkennen, wie die Mechanismen funktionieren, was im Einzelnen Shitstorms und Empörungswellen befeuert. Und er muss für Gespräche zur Verfügung stehen. Sofort. Nicht nach einwöchigem Beratschlagen. Das geht aber nur, wenn man vorher seine Hausaufgaben macht. Und er (natürlich auch “sie) muss so reden, wie die Menschen in den sozialen Medien reden. Er (oder: Sie) muss dort anerkannt sein. Spindoctorn wird auch hier nicht gelingen. Aber er (oder: sie) kann dazu beitragen, dass solche Geschichten nicht eskalieren.
Wie üblich, die die verstehen brauchen diesen Artikel nicht, und die, die nicht verstehen wollen oder können werden ihn wieder ignorieren. Ich setze inzwischen die Hoffnung auf die Unternehmen, die zwar auch wenig aus den letzten 10-15 Jahren gelernt haben, aber bei denen man wenigstens mit Logik durchkommt. Und wenn das nicht hilft, mit Kostenberechnungen.

Der wirkliche Geburtsfehler des Internets
Es gibt einen Geburtsfehler des Internets: anzunehmen, daß alle gleich sind und alle das gleiche wollen / wünschen / kaufen / erleben wollen. In der Endstufe, irgendwann in ein paar Jahrhunderten, werden wir hoffentlich eine Gesellschaft haben, die wir in Raumschiff Enterprise präsentiert bekommen (oder sowas ähnliches). Noch aber leben wir auf der Erde im Jahre 2010, und es gibt unterschiedliche Gruppierungen, als Beispiel Unternehmen und Stammtische genannt. Solange beide Welten versuchen, "ihre" der anderen komplett überzustülpen, gibt es Stress. Alternativ kann man auch Politik und X nehmen, oder "wenn Intelektuelle dem Volk Leseempfehlungen geben", oder oder oder.

Das Problem ist nicht Utopia. Sondern wie wir dort hinkommen und wie man die Wege / Strukturen / Möglichkeiten schaffen kann, dahin zukommen.

Ich schrieb drüben im Kommentar: "Es hilft, Idealistin zu sein". Es bedeutet, daß ich trotz der Widerstände immer wieder versuche, die verschiedenen Lager zusammenzubringen. Und daran glaube, daß es irgendwann verdammt noch mal gehen muß. Man muß auch den Stammtischlern Chancen geben, ihre Fehler einzusehen und weiterzukommen. Und Politikern. Und Unternehmen. Und anderen Gruppierungen. Ihnen eine Hand reichen und sagen "hei, ich kenn das hier, und ich möchte Dir helfen zu verstehen, warum ich das gut finde und was es für mich bedeutet. Vielleicht ist es auch was für Dich".

Erst zuhören, dann agieren gilt für alle
Es bedeutet für mich aber auch zuzuhören und zu hinterfragen, warum die anderen die Welt nicht so sehen, wie ich sie sehe. Der oben angesprochene Blinde kann mir genauso gut vorwerfen: "Schön, daß Du Farben sehen kannst. Ich aber kann Dinge mit meinen Fingern ertasten, meine anderen Sinne sind so geändert, daß Du im Vergleich blind bist!". Um mit den vermeintlich Blinden zu reden hilft es nicht, immer wieder nur die Farben hervorzuholen und darauf zu bestehen, daß sie 'sehen'. Mit welchem Recht eigentlich?

Die Realistin in mir hat schon lange Konsequenzen gezogen, und hält die interne Idealistin in Schach: Wenn ich auf jemanden treffe, der mir ernsthaft zeigen kann, daß ein Interesse am Zuhören und Lernen besteht, klasse. Bei anderen versuche ich das zwar auch ab und an, aber wer gegen die Wand laufen will oder Zeit seines Lebens am Stammtisch bleiben möchte, bitte. Eine andere Konsequenz sind meine regelmäßigen Reisen ins Ausland, speziell die USA.

Nicht etwa, weil "Amerika so toll ist" sondern weil die Menschen die ich dort treffe meine Idealisten-Batterie auffüllen. Selbst wenn es eine Gruppe ist, mit der ich wenig zu tun habe, wie zum Beispiel meine nächste Reise zur Blogher. Über tausend Frauen - die normale Sorte, die sich vorher über Schuhe, Rezepte, Babies usw. ausläßt, von Hausfrau bis Geschäftsfrau - kommen in New York zusammen und werden hauptsächlich über Themen reden, mit denen ich wenig bis gar nichts zu tun habe.

Warum eine 'komische' Konferenz gut für meine geistige Gesundheit ist
Warum fahre ich also dahin? Dazu reicht ein Blick auf die Blogergebnisse der letzten 6 Monate: Menschen lieben es online zu kommunizieren, andere Menschen kennenzulernen - aber dann will man sich auch 'in echt' sehen. Ich will sehen, wie all diese Frauen mit ihren Handys - inzwischen fast alle mit Smartphone - rumlaufen werden und sich über Twitter koordinieren werden. Tipp: Einfach mal den Tab offen lassen, um die Masse an neuen Tweets am Abend zu sehen - Suche nach blogher - und das ist nur die Aufregung vor dem Event.

Ich will sehen, wie Marken und Firmen versuchen, mit diesen Frauen in Kontakt zu kommen - nicht auf der intellektuellen Ebene sondern auf der "ich habe ein Produkt, was Du offensichtlich wirklich magst - let's talk!". Gruppendruck, soziale Normen usw. inklusive. Eben nicht Kleinbloggersdorf und die Stammtische, sondern die reale Welt. Nicht falsch verstehen: Stammtische sind *Teil* der realen Welt - aber sie bestimmen diese nicht.

Blogher ist auch ein Paradebeispiel für eine veränderte Gruppe, die technisch immer noch nicht super-versierten Frauen, die Stück für Stück ihre Macht entdecken, aber eben auch herausfinden, wie Firmen versuchen das auszunutzen. Und wie die Gruppe drauf reagiert (siehe BlogHer and Sponsored Bloggers: Answers to Frequently Asked Questions (FAQs)).

Übrigens: Blogher existiert, nicht nur als Eventreihe, sondern als 'Macht' in der amerikanischen Blogosphäre weil drei Idealistinnen sich zusammengetan haben.

There is hope after all ... ;)

Jamcamp: Moderne Arbeitswelt und Web 2.0? (23/24. 04 in Ehningen)

Geschrieben von Nicole Simon · 21.04.2010 · Trackbacks: (0) · Kommentare (0)


Web 2.0 und Co. finden nicht nur im privaten Umfeld statt, sondern haben auch Einfluß auf die Arbeitswelt. Passend dazu findet am 23/24.04 in Ehningen bei IBM das Lotus Jamcamp statt, wo Teilnehmer aus allen Bereichen eingeladen sind, sich auszutauschen und zu beteiligen.

Stefan Pfeiffer faßt die Veranstaltung kurz so zusammen:
Austausch zwischen sogenannten Digital Natives, Unis und Business zum Thema Arbeitswelt und Arbeitsplatz der Zukunft fördern. Miteinander reden statt übereinander. Ideen entwickeln und gemeinsam weiterverfolgen. Gute Gespräche und Netzwerken.

Themen sind unter anderem:

  • Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus? Welche Funktionen wollen gerade junge Leute nutzen?

  • Was sind die Erwartungen der Digital Natives, wenn sie in die Berufswelt einsteigen? Und umgekehrt, was erwarten die Unternehmen von neuen Mitarbeitern?

  • Was heißt Enterprise 2.0 aus Sicht der Unternehmen und aus Sicht der jungen Generation und was bringt es?

  • Wie führe ich Social Software erfolgreich ein, um ein Enterprise 2.0 zu werden?

  • Welchen Nutzen haben Social Media-Aktivitäten für Unternehmen? Und was sollten Mitarbeiter beachten, die im Web 2.0 unterwegs sind?

  • Welche rechtlichen Aspekte sind auf dem Weg zum Enterprise 2.0 zu bedenken?

  • Was bedeutet mobiles Arbeiten und Home Office künftig?




Artikel zum Thema


Viele Artikel beschäftigen sich in letzter Zeit mit diesen Themen, zum Beispiel:



Mitmachen


In der Jamcamp-Community werden unter den Teilnehmern passende Themen diskutiert, alles immer unter einem der Themenbereiche:
Teilnehmen kann man vor Ort oder auf der Bustour, aber auch virtuell:

Tips gesucht: Entrümpelung / Haushaltsauflösung in Bonn / Köln / NRW?

Geschrieben von Nicole Simon · 09.04.2010 · Trackbacks: (0) · Kommentare (4)

[Auflösung erfolgreich durchgeführt, danke für die zahlreichen Tips]

Für die Auflösung einer Wohnung in Bonn-Duisdorf (Hintergründe hier) suche ich nach Tips für eine zuverläßige, preiswerte Entrümpelungsfirma im Umfeld Bonn.

Wir benötigen jemanden, der auf Rechnung arbeitet und uns die Räume besenrein übergeben kann. Infos am besten per Kommentar, bzw. sonst per mail an neezee ät gmail.com, danke! :)

Es handelt sich um eine Drei-Zimmer-Wohnung, in der sich nur noch die Reste befinden, hauptsächlich Möbel die noch verwertbar sind. Wir bevorzugen eine Firma, die uns wenigstens einen kleinen Teil anrechnet ;) und wenn sinnvoll für soziale Zwecke zur Verfügung stellen kann. Alle Möbel sind 'gute' Möbel mit denen auch schon mehrere Male umgezogen wurden. Siehe Beispiel-Bilder

Die Stadt Bonn stellt ein PDF zur Verfügung:
Gesucht & Gefunden - Einkaufsführer für gebrauchte Waren. Die dort aufgelisteten Firmen habe ich schon mal rumgefragt, brauche jetzt aber jemanden für den "Rest".

Falls jemand jemanden kennt, der sowas gebrauchen kann ...

Schlafzimmer:
komplettes Bett mit Matraze
zwei große Spiegelschränke, dunkles Holz
großes Holzregal (bereits demontiert)
Garderobe

Wohnzimmer:
Zweisitzer, Einsitzer, Hocker, wie neu
Glaschrank auf Bambus plus Tisch
Vitrinen-Kombination plus Kommode, grünliches Holz
Tisch + 8 Stühle im gleichen Design wie Sofa bezogen

Arbeitszimmer:
Große Regalwand, auseinadnernehmbar, weißes Holz
hoher Schrank (ca 1,50 breit, und vermutlich 2,50 hoch)
Schreibtisch, kleiner Lack-Tisch

Keller:
eher zum Ausmisten, Karton,alte Koffer, Korbtruhe mit Handtaschen
drin, Kleiderständer, zwei Kellerräume

Weiteres
Terrasse: diverse Gegenstände, vermutlich auf den Müll
Lampen, 4 Kartons Flohmarktmaterial (Keramik, Glas, usw)
Bücher, von Klassik bis Reiseführer


Als Ausnahme für die sonst übliche Kommentarregel nehme ich passende Links in diesem Artikel an. ;))

Tips gesucht zur (Erbschaftssteuer-) Bewertung Porzellan / Schmuck

Geschrieben von Nicole Simon · 09.04.2010 · Trackbacks: (0) · Kommentare (1)

Ich bin auf der Suche nach von Finanzamt akzeptierten Bewertern für Porzellan und Schmuck (Hintergründe hier). Vorzugsweise via Fotos per Internet, ansonsten in der Gegend Hamburg / Nordfriesland.

[Danke der Nachfrage, aber nichts von dem Schmuck befindet sich bei mir in Lübeck, dat is alles sicher im Banksafe. :))]

Wir haben Interesse an jemandem, der sich a) mit den heutigen Marktgegebenheiten auskennt, d.h. inkl. Internet b) Festpreise anbietet und nicht der "Motivation" unterliegt, höhere Preise für ein besseres Honorar anzusetzen und c) berücksichtigt, daß Erben nicht nur die Pflicht zum Zahlen von Erbschaftssteuer haben, sondern auch das Recht auf eine realistische Bewertung.

Beispiel: Ein Rosenthal-Teller kostet neu viel Geld. Vor 10 Jahren war er auch im Wiederverkauf mehr wert. Heute jedoch werden diese Teller für 5-20 Euro (wenn überhaupt) gehandelt. Für ein Auto gibt es wenigstens eine Schwacke-Liste ...

Porzellan / Gläser:
Wir haben etwas Delfter Porzellan plus Rosenthal-Teller und -Dosen, sowie ein paar ältere Erbstücke wie Porzellan-Uhr, Lampe, Kaffeetassen. Dazu ein paar Gläser. Wir sind der Meinung, daß in Zeiten von Ebay diese nicht mehr viel wert sind, weil sie keine besonderen Stücke oder Antiquitäten sind (bzw. beschädigt sind). All das hat mehr ideellen Wert als einen Verkaufswert. Wir suchen jemanden, eine solche Expertise zum Festpreis ausstellen kann, und vom Finanzamt akzeptiert werden kann. Detaillierte Bilder inkl Beschädigungen können von allen Objekten erstellt werden, Beispiele hier.

Schmuck
Haben wir (leider) eine ganze Menge. Ich weiß, daß es in Lübeck eine Sachverständige gibt, aber ich hätte gerne mehr Optionen. Vielleicht hat jemand schon einmal mit einem Schätzer gearbeitet? Vorzugsweise in SH / Hamburg, Arbeiten auch hier zum Festpreis. Es gibt eine komplette Liste von einem Juwelier, der eine Vorabschätzung erstellt hat; sowie Fotos von allen Gegenständen, so daß man sich vor Abgabe eines Angebotes anschauen kann um was es geht.

Es handelt sich um ca 30-40 echte Schmuckstücke (Perlen, Ringe, Anhänger usw) Wir suchen speziell hier jemand, der versteht, daß wir eine Schätzung für die Erbschaftssteuer benötigen und keine Mondpreise ...

Rest
Wir haben auch ein paar marokanische Orient-Teppiche, Münzen und Briefmarken. Vorschläge auch hier willkommen. ;)

Vom Erben oder warum gibt es da kein Buch für?

Geschrieben von Nicole Simon · 09.04.2010 · Trackbacks: (0) · Kommentare (3)

Ein wenig Hintergrund über die beiden anderen Postings und warum ich in den letzten Monate etwas mehr abwesend war und auch leider nicht zur Republica kommen kann.

Tips gesucht zur (Erbschaftssteuer-) Bewertung Porzellan / Schmuck
Tips gesucht: Entrümpelung / Haushaltsauflösung in Bonn / Köln / NRW?

"Life is what happens while you are busy making other plans" heißt es so schön bei John Lennon und ich bin momentan bereit, das als tägliches Mantra in eine Art Meditation aufzunehmen. :) Als meine Tante vor etwas über zwei Jahren mit bösartigem Lungenkrebs diagnostiziert wurde, war es für uns alle ein Schock. Gleichzeitig erlaubten die zwei folgenden Jahre uns, in verschiedenen Stufen Abschied zu nehmen.

Viel wichtiger war, daß sie alle Angelegenheiten regeln konnte, vor allem die finanziellen, und uns alle (sie eingeschlossen) glauben ließ, jetzt wäre nur noch ein paar Kleinigkeiten zu regeln. In bewundernswerter Manier hatte sie nicht nur komplett ihre eigene Beerdigung ink. Traueranzeigetext geregelt, sondern auch in weiser Voraussicht einen Testamentsvollstrecker bestellt. Alles peachy, wie man in Neudeutsch sagt.

Von wegen. Seit nun knapp zwei Monaten versuche ich, die notwendigen Informationen zusammenzusammeln und sehe mich dabei nicht nur der Herausforderung gestellt, daß ein Finanzamt irgendwann eine entsprechende Erbschaftssteuer-Erklärung von 5 Erben sehen will, sondern auch das ein Testamentsvollstrecker gewissen Dingen Wert bemißt, die sie in Zeiten von Ebay und Co. einfach nicht mehr haben. Das Internet stellt nicht nur Verkäufer von Neuwaren vor Herausforderungen, sondern auch Erben - die müssen nämlich jetzt teuer beweisen, daß die Gegenstände im Haushalt wirklich nichts mehr wert sind ...

Sondern auch vor der Herausforderung das jede, aber auch wirklich jede Institution mit der ich zu tun habe, offensichtlich das Herschaftswissen behalten will. Man redet sich heraus mit "jeder Fall sei ja so anders". Anleitungen, wie man konstruierte Beispiele von Erbschaftsfällen ausreichen kann, gibt es zu Hauf, doch wirkliche Hilfen, Checklisten oder Vorgehensweisen? Fehlanzeige. Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte schaue sich diese Liste an. Die ist ein guter Anfang, aber immer noch viel zu sehr an der Oberfläche. Und jede der Institutionen geht davon aus, daß man schon alles weiß bzw. vor Ort lebt.

Nur ein paar kleine Beispiele:

  • Wer Kleider und Schuhe einsammelt, sollte sich überlegen, diese Termine auf eine einfache Webseite zu bringen und Fragen zu beantworten. Wie zum Beispiel: "Nehmen Sie auch Kleidung, die nicht im Originalsack gebracht wird"

  • warum kann mir eine Versicherung keinen Merkzettel zusenden "Im Falle eines Todes", mit Fristen und zu beachtenden Details zum Beispiel für die Hausratversicherung oder anderes? Die Versicherung weiß, welchen Ablauf sie.

  • Auto: wo ist der Merkzette inkl. Informationen über "so melden Sie ab", "das sind unsere Fristen", "So können Sie Prozente übernehmen (oder auch nicht)", "So können Sie den Wagen überführen"?

  • warum kann mir die Bank kein ähnliches Dokumentenpacket geben? Ja, es gibt verschiedene Fälle, mit oder ohne Vollmachten, mit oder ohne Erbschein usw, aber das kann man in ein "Wenn-Dann" Ablaufdiagramm bringen, genauso die Information, welche Informationen wann benötigt werden. "Das kann ich Ihnen nicht beantworten, daß muß die Filiale regeln". Okay, welche Filiale ist zuständig? "Das darf ich Ihnen nicht sagen".

  • Ich verstehe, wenn das Finanzamt mir sagt, daß sie keine einzelnen Experten empfehlen können zur Bewertung wegen Bevorzugung und so. Man sollte aber meinen, daß der Hinweis auf die IHK kommen könnte, die Sachverständige vermitteln kann. Wo, wenn nicht beim Finanzamt rufe ich an, wenn ich wissen will, wen sie akzeptieren?

  • Für die Umschreibung eines Grundstückes sind gewisse Unterlagen beizubringen. Auch hier könnten die Grundbuchämter ein einfaches Informationsblatt bauen. "Wieso? Sie können doch kurz anrufen, jeder Fall ist doch speziell" ...

  • Sachverständige, so scheint es, arbeiten alle nach dem Prinzip "Festpreis plus Anteil von dem was ich schätze". Ich will einen reellen Verkehrswert zur Ansetzung beim Finanzamt bringen, und keinen Fantasiewert haben! Welchen Anreiz hat ein solcher Sachverständiger einen niedrigeren Wert zu schätzen?



*Seufz* Es ist der Kleinkram, der einen wahnsinnig macht bzw. mir mehr und mehr graue Haare beschert. Und die Erkenntnis, daß das Prinzip Kleinstadt Vorteile hat - da weiß man wenigstens, wen man fragen kann und kriegt manche Dinge so geregelt. :) Und nicht eine Auflösung eines Nachlasses in Bonn aus Lübeck / Bewertung aller Gegenstände über drei Orte und eine nicht so internetaffine Familie + Testamentsvollstrecker koordinieren muß. ;)

Ein paar Dinge, die funktioniert haben:

  • Einige Firmen waren klasse: Informationen wurden zur Verfügung gestellt, zusätzliche Tips offeriert usw. Es ist mir egal, ob das ein Skript im Callcenter ist oder ähnliches, es hat einfach nur geholfen

  • Die Webseite umzugsauktion.de erlaubt es einem auch ohne Kenntnisse der lokalen Transportszene einen Umzug zu organiseren, und das zu einem gutem Preis. Nicht nur im Todesfall wertvoll.

  • Die Stadt Bonn liefert einen Planer für Second-Hand-Verwertung. Etwas hart zu finden, aber ein Anfang.

Warum ich ja gesagt habe als Sachverständige zur Enquete-Kommission

Geschrieben von Nicole Simon · 30.03.2010 · Trackbacks: (2) · Kommentare (23)

Ich habe unten in den Kommentaren angefügt:

Ich könnte versuchen, meine jeweiligen Qualifikation für die jeweiligen Arbeitspakete der Kommission unter "Beweis" zu stellen, doch wozu? Es ist ja nicht einmal festgelegt, wer was wie bearbeiten wird. Wann welche Abstimmung erfolgt.

Warum sollte es eine intelligente Verwendung meiner Zeit sein, gegen vorgefertigte Meinungen und Feindbilder zu arbeiten, wenn ich stattdessen mit wirklich Interessierten reden kann? Die etwas verändern wollen und Unterstützung suchen?
Und sobald die Kommission ihre Arbeit aufgenommen hat, sich für ihre Pakete und Zeiträume entschieden hat, werde ich sehr gerne auf die passenden Stellen zur Beteiligung und Diskussion verweisen.

Nicole


Es ist äußerst amüsant zu beobachten, in welcher Art und Weise der Flüsterfunk der politisch-digitalen Welt gerade arbeitet: Ja, so nichts mehr dazwischen kommt, werde ich als Sachverständige für die CDU/CSU benannt werden.

Ich dachte, ich hätte noch ein paar Tage bis zur öffentlichen Bekanntmachung Zeit, aber angesichts der verschiedenen Anfragen ist es vermutlich einfacher, jetzt etwas zu dem Thema zu schreiben.

Erfahrung mit den Themen und Verbindungen zu Organisationen

Nein, ich bin nicht Dauergast in den Diskussionen rund um Themen wie Netzsperren und Kinderpornographie, Netzneutralität, Urheberrecht, Leistungsschutzrecht und anderen Kampfthemen; nein, ich bin mit keinem Verband verbandelt, ich habe in der Tat wenig Erfahrungen in der direkten Arbeit mit Politikern und ich habe bisher wenig(er) auf diesem oder anderen Blogs zu den Themen geschrieben. Ich zitiere nicht komplette Passagen aus Anträgen, Gesetzen, etc, ich kann keine Parteiprogramme auswendig. Ich kann nicht alle Fragen dieser Welt zu allen Themen der Kommission beantworten und viele Dinge muß ich erst mal nachlesen. So what.

Solche Kenntnisse jetzt im Kopf zu haben ist toll - aber nicht alles. Schließlich geht es hier nicht wie beim Abitur um eine "alles oder nichts"-Prüfung, sondern darum, in einer Arbeitsgruppe Inhalte zu erarbeiten und mit Sachverstand zu diskutieren. Man muß Informationen und Beiträge aufnehmen können um am Ende informierte Entscheidungen treffen zu können.

Was glaube ich, kann die Kommission erreichen?

Ohne abschätzen zu können, wie effizient in einer solchen Kommission gearbeitet werden kann (speziell wenn sie parteiübergreifend arbeiten soll), habe ich große Hoffnungen und Erwartungen. Ich wünsche mir die Lösung aller Probleme. Soweit zu den Träumen. Realistisch betrachtet glaube ich nicht, daß in zwei Jahren die großen Themen wie Urheberrecht / Leistungsschutz etc. gelöst werden können. Was nicht bedeutet, daß man es nicht versuchen sollte.

Aber man kann Grundlagen schaffen und Dinge auf den Weg bringen. Bei anderen Themen kann man und hat man gefälligst etwas in den zwei Jahren zu erreichen. Und zwar unabhängig von Parteibuch und Wahlkampf.

Worauf viele Mitglieder der Kommission vorbereitet sein dürften, aber sicherlich nicht die Parteien: In dieser Kommission werden sie um die Netzöffentlichkeit und Bürgerbeteiligung nicht herumkommen. Ob sie wollen oder nicht, ob es gefällt oder nicht. Siehe zum Beispiel der Artikel "Deutsche Blogger mischen endlich die Politik auf" in der Welt.

Meine Vorstellungen zu den Themen

Ich beschäftige mich nicht rund um die Uhr mit den "Kampfthemen". Es gibt andere Sachverständige und eingeladene Experten in der Kommission, die das weitaus besser können. Aber es sind nicht die einzigen Themen. Wer sich daran erinnern mag, der Antrag spricht von folgenden Bereichen:


  • Kultur und Medien

  • Wirtschaft, Umwelt

  • Bildung und Forschung

  • Verbraucherschutz

  • Recht und Innen

  • Gesellschaft und Demokratie



Und ich habe die starke Vermutung, daß ich mich in der Kommission – so denn möglich – weitaus mehr mit den 'nicht-Kampfthemen' beschäftigen werde. Damit wir uns nicht missverstehen: die von mir so betitelten Kampfthemen sind diejenigen, wo sich alle Teilnehmer sofort an die Gurgel gehen mit unterschiedlichen Vorstellungen und man ohne starke Moderation keine zwei Meter weit kommt. Dieses sind große Themen, deren Grundlagen aus dem letzten Jahrtausend stammen und nicht mehr in die heutige Gesellschaft passen. Sie müssen diskutiert werden.

Diese anderen Themen werden oft ausgeblendet. Es genügt nicht, auf hoher Ebene über einen kleinen Teilbereich zu reden, sondern alle Themen müssen übergreifend (an)gesprochen werden. Wenn es nach mir geht, bitte auch mit etwas weniger Klassenkampf und Ideologie und etwas mehr Pragmatismus. Und etwas mehr Realitätssinn über das Machbare und Erreichbare in bestimmten Zeiträumen, Budgets und Ressourcen.

Es genügt ebenfalls nicht, nur auf nationaler Ebene zu diskutieren, bestimmte Themen müssen europa- bzw. weltweit diskutiert werden. Es gilt aus der alten Welt zu lernen und das Beste der neuen Welt dazuzumixen. Und nicht zu glauben, daß nur weil es neu ist, alles besser ist.

Warum für die CDU/CSU?

Einfach. Weil sie gefragt haben, weil ich mich mit großen Teilen dieser Partei identifizieren kann und ich Potential sehe. Schaut man auf die netzpolitisch interessierten Teilnehmer kann man den Eindruck gewinnen, es gäbe nur Rot und Grün mit ein wenig Gelb. Doch nicht jeder ist begeisterter Anhänger der dortigen Politik(er). Ich besitze kein Parteibuch und habe auch nicht vor, daß zu ändern. Und mir ist ebenfalls klar, daß es im Programm der CDU/CSU einiges gibt, mit dem ich nicht einverstanden bin. Trotzdem bin ich in der Grundrichtung eindeutig der CDU/FDP zuzuordnen. Und wenn man mit etwas nicht einverstanden ist und dann auch noch die Chance erhält, am Beginn von Änderungen mitzuarbeiten, dann sagt man nicht nein.

Demokratie bedeutet Verantwortung.

Es gab diverse Telefonate und auch ein persönliches Kennenlernen, wo die Herren von der Fraktion sich nicht nur ihre Kandidaten angesehen haben, sondern ich mir auch die Partei-Teilnehmer an diesem Gespräch, mit ganz klaren Vorstellungen meinerseits was für mich akzeptabel ist oder nicht. Ich habe eine Runde erlebt, in der eine Offenheit zum Lernen gezeigt wurde und ein Verständnis für die Themen, allen voran Teilnehmer wie Michael Kretschmer und Frank Bergmann. Aber es gab auch Fragen und den Bedarf nach Informationen und Gesprächen. Und es wurde ebenfalls nicht ignoriert, daß es Nachholbedarf gibt (wie bei vielen anderen Mitgliedern der anderen Parteien) und eine Menge Diskussionsbedarf – mit Bürgern und mit der Netzöffentlichkeit.

Egal wie man es dreht und wendet: Jede beteiligte Partei braucht Sachverständige. Deswegen gibt es sie und deswegen werden sie so genannt. Jede der beteiligten Parteien hat 'alte Männer mit Kugelschreibern die das Internet ausdrucken'. Und jeder der beteiligten Sachverständigen wird sich Kopfschmerztabletten besorgen und den Tag verfluchen wo er oder sie ja gesagt hat zu dieser Kommission.

Zur Person

Duale Ausbildung zur Wirtschaftsinformatikerin (BA), heute unterwegs zu Themen wie Twitter bzw. mehr Social Media Training. Jahrgang 71, geboren in Husum / Nordsee und wohnhaft in Lübeck. Der erste Computer stand seit '83 im Hause, der erste Online-Kontakt mit einem BTX-Terminal und ich habe mich in den letzten zwei Jahrzehnten konstant mit Online-Themen und ihren Hintergründen beschäftigt. Ich komme aus einer Unternehmerfamilie, habe 15 Jahre im Großunternehmen gearbeitet und im dortigen Unternehmen sogar Zeit im Betriebsrat verbracht – und aus einem ähnlichen Grund wie hier: es reicht nicht abfällig zu sagen "alles Idioten", sondern man muß mit 'diesen Leuten' arbeiten.

Werde ich jetzt zur Vollzeit-Netzpolitikfrau?

Nein. Das ist eine Sachverständigenrolle mit gewissen Zeitvorstellungen und Arbeitseinsatz. Ich bin an den Themen hochgradig interessiert und will mich aktiv beteiligen, aber es wird nicht meine Hauptbeschäftigung sein. Was unter anderem auch bedeutet, daß ich nicht jeden Beitrag irgendwo im Netz lesen oder beantworten werde, noch werde ich auf alle Fragen antworten können. Das hier wird auch kein Netzblog werden; sollte ich das Bedürfnis haben, Texte zu veröffentlichen, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht auf diesem Blog stattfinden, sondern in den geeigneteren Stellen. Ich werde auch weiterhin, wenn passend, bestimmte Links über meinen deutschen Twitteraccount raussenden.

Weiterführende Artikel



Warnung zum Thema Kommentare

Und weil man sich das ebenfalls ausrechnen kann: Üblicherweise lasse ich ziemlich viel in den Kommentaren durchgehen. Ich kündige hiermit aber schon an, daß ich persönlich beleidigende Kommentare löschen werde. Wen das stört: jeder kann sich eine eigene Öffentlichkeit schaffen, indem er oder sie ein Blog eröffnet oder anderes.

Wunderbar: Die Muppets covern Bohemian Rapsody

Geschrieben von Nicole Simon · 25.11.2009 · Trackbacks: (1) · Kommentare (1)

Mit viel Liebe zum Detail, und unter Einbeziehung der gesamten Muppet-Besetzung: Muppets covern das Video (und den Song) Bohemian Rapsody von Queen.



Am besten finde ich den Part "Mama?", "Do not like your Jokes" und wie sie es geschafft haben "Manamanah" unterzubringen. ;)

Direkt zum Video auf Youtube oder gleich zum MuppetStudio-Channel dort.

Ganz vergessen, danke an Norman für die Ergänzung: Beaker und "Freude schöner Götterfunken" ;)

Politisch geweckt wenn Grundregeln bedroht werden

Geschrieben von Nicole Simon · 21.09.2009 · Trackbacks: (0) · Kommentare (5)

Ich habe heute einen Fragebogen beantwortet, in dem unter anderem nach Entwicklungen im Netz gefragt wurde. Als ich auf der Faz den Artikel über die langsam politisch werdenden "Nerds" gelesen habe, fühlte ich mich an die Frage "Wer hat den größten Schaden angerichtet?" erinnert.

Was war für Sie der größte Durchbruch in der Informationstechnik?
Das Internet, weil es die Gesellschaft verändert. Noch nicht so sichtbar für viele, aber es sind Umwälzungen wie wir sie seit der industriellen Revolution nicht mehr gesehen haben.
[...]
Was war die größte Fehlentwicklung?
Die Annahme der Wirtschaft, dass Menschen mehr oder minder dumme Empfänger bleiben würden. Die Büchse der Pandora ist auf.

Wer ist Ihr größtes Vorbild in der Online-Branche?
Menschen, die es immer wieder schaffen, einen Mehrwehrt zu bieten und sich und die anderen weiterzubringen - auf allen Ebenen.

Wer hat den größten Schaden angerichtet?
Deutsche Politiker. Ich bin ernsthaft fassungslos über die weitreichende Unwissenheit und daraus entstehenden Fehleinschätzungen.

Faz über "Der Nerd als politisches Tier":
Ihrem Wesen nach sind Nerds individualistisch. Aber sie sind Individualisten, die dank der digitalen Technologie die größte Vernetzungsstufe der Menschheitsgeschichte möglich gemacht haben: Vernetzung einzelner Subjekte, die ihren Charakter und ihre Individualität bewahren können, nicht nach ihrem Äußeren beurteilt werden, nicht nach ihrem Geschlecht, nicht nach ihrem Diplomatenkoffer oder ihrer Jute-Tasche. Die Organisation ist so geschlechtsneutral, wie es das Internet ist. Das erklärt, wieso sie politisch geweckt wurden, als die Grundregeln bedroht zu sein schienen. Und das macht sie wichtig und notwendig.

Über die „Piraten“ lässt sich Endgültiges noch nicht sagen. Die Partei betrachtet die modernen Technologien als ein Instrument der Emanzipation. Ihr harter Kern ist nerdig, doch Jens Seipenbusch, der Bundesvorsitzende und ein Intellektueller von Format, zeigt bereits den Übergang: die Verwandlung des Nerds in ein politisches Tier. Würden die Nerds jetzt oder bald ein politisches Mandat erringen, wäre das, nachdem sie die Kommunikation der Gesellschaft revolutioniert haben, ihr erster Triumph nicht mehr nur in der Welt der Legosteine, sondern in der Welt von Zement und Mörtel. Vielleicht würden die wahren Nerds im Lauf der Zeit und bei größerem Erfolg immer weniger, so wie sich in den achtziger Jahren die bärtetragenden strickenden Männer bei den Grünen keinen Außenminister Joschka Fischer haben vorstellen können. Aber zu glauben, es handele sich um das Partikularinteresse einer partikularen Öffentlichkeit, wäre ein großer Fehler.

Wie viele andere in meiner Umgebung (online und offline) diskutieren wir ob man die Piratenpartei wählen will oder nicht - ich habe in diesem Umfeld noch nie erlebt, daß eine solche Diskussion in dieser Intensität stattfindet.

Bei der Diskussion muß man davon ausgehen daß wenn man den Piraten seine Stimme gibt, ist eigentlich eine verschenkte Stimme, denn die 5% Hürde werden sie kaum knacken. Das Parteiprogramm ist klein in Umfang und Reichweite, auch das ist klar. Doch irgendwo muß man anfangen. Üblicherweise wähle ich 'optimiert', dh so daß meine Stimme auch bei der Direktwahl was zählt, doch dieses Mal werde ich schauen, wo ich die Piraten wählen kann und es tun.

Nicht weil ich 100% damit übereinstimme oder glaube das sollte ein Pirat in den Bundestag gesetzt werden er oder sie auf einmal voll wirtschaftskompetent (oder ein anderes Thema) ist. Es ist eine klare Protestwahl, eine Protestwahl mit Ansage. Jeder Politiker sollte sich darüber im klaren sein, daß jede einzelne Stimme für die Piraten eine Stimme aus einer ganz bestimmten Demographie ist: Intelligent, gebildet, auf der Schwelle, mit eigener Reichweite. Leute, die bisher politisch uninteressiert waren, die jetzt aber die Schnauze voll haben. Nicht schlichtes, einfach manipulierbares Volk von rechts oder links.

Und jetzt entschuldigt mich bitte, ich muß jetzt los und etwas tun, was ich auch noch niemals in meinem Leben getan habe: Andere überzeugen.

Menschen machen aus Menschen Killer, nicht Spiele.

Geschrieben von Nicole Simon · 08.09.2009 · Trackbacks: (0) · Kommentare (0)

Via @isotop: "Leserbrief: Mein verhinderter Amoklauf!"

Wenn ich heutzutage lese dass ’Killerspiele’ Menschen zu Monstern mutieren lassen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln über soviel Ahnungslosigkeit und Dummheit. Menschen machen aus Menschen Killer, nicht Spiele - egal ab gewaltverherrlichend oder nicht. Auch ich zocke heute “Resident Evil“, “Silent Hill“ und freue mich tierisch auf “Mad World“. Allerdings haben mich solche Spiele nie aggressiv gemacht und werden es auch nie tun. Es sind Spiele. Nicht mehr, nicht weniger. Man wird nicht zum Amokläufer weil man Killerspiele spielt, man spielt diese, um sich abzureagieren. Ein Ventil, nichts weiter.

Im Gegensatz zu vielen anderen kann ich nur sagen: Mir tut der Amokläufer von Herzen leid. Ich denke, ein normaler Mensch kann sich nicht vorstellen wie es ist, ausgestoßen und nicht akzeptiert zu sein. Damit könnte man vielleicht noch leben, wenn man wenigstens in Frieden gelassen werden würde.

Ich würde nur zu gern mit den Menschen ein Gespräch führen, die der Meinung sind, dass Games als Sündenbock zur Verantwortung zu ziehen sind und Ihnen gern mal meine Sichtweise schildern. Vielleicht hilft es ja, wenn diese Leute anstatt einfach groß das Maul aufzureißen, jemandem zuhören der wirklich weiß, wie es in solch gequälten Seelen aussieht. Aber das zählt ja nicht, solange sogenannte ’Experten’ ihre ’wissenschaftliche’ Meinung publizieren.

Rechnung Online - Stornierung des Auftrages weil schon genutzt

Geschrieben von Nicole Simon · 28.07.2009 · Trackbacks: (0) · Kommentare (2)

Äh ja. Das neue von mir bestellte Angebot der Telekom kann nur mit Rechnung Online verwendet werden, ist eine Bedingung. Just erhalte ich dann:

Vielen Dank für Ihre Bestellung von Rechnung Online.
Beim Ausführen Ihres Auftrages 090728-67062478 haben wir festgestellt, dass Sie bereits Rechnung Online nutzen. Aus diesem Grund können wir Ihre Bestellung von Rechnung Online nicht weiter bearbeiten.
Hm. Bei meinem Glück werde ich vorsichtshalber morgen nachfragen, ob das bedeutet, daß meine ganze Bestellung storniert wurde ... bei der Telekom weiß man ja nie.

Der Schutz gegen das böse Google ist doch ganz einfach.

Geschrieben von Nicole Simon · 22.07.2009 · Trackbacks: (0) · Kommentare (5)

Mal wieder das Thema "die böse Suchmaschine Google". Wie allgemein bekannt, reichen wenige Zeilen im Webserver und Google belästigt niemanden mehr = bringt keinen Traffic mehr - aber darum geht es dabei ja auch nicht.

Spiegel: Sie schimpfen auf Google und meinen das Netz


Im Klartext heißt das wohl, dass der DJV-Vorsitzende Verlagen und Journalisten vorschreiben will, das bislang einzige leidlich funktionierende Geschäftsmodell im Internet im Kartell aufzugeben. Ein Gesetz soll es richten, das Gratis-Modell verbieten. Das ist wettbewerbsrechtlich fragwürdig. Und es ist kein Modell für die Zukunft, das Online-Angebot an Journalismus per Gesetz künstlich zu verknappen, bis ein Niveau erreicht ist wie zu jener Zeit, als Druck- und Vertriebskosten für eine natürliche Verknappung sorgten.

Verlage haben Geschäftsmodelle entwickelt, die aus diesem Nachteil der hohen Vertriebs- und Produktionskosten der Offline-Welt einen Vorteil machten. Google hat ein ebenso erfolgreiches Geschäftmodell ersonnen, das die (zumindest für Texte) enorm niedrigen Publikationskosten der Online-Welt und die daraus resultierende Unübersichtlichkeit und Fülle extrem spezialisierter Angebote ausnutzt.


Thomas Knüwer zieht daraus Konsequenzen:

Warum ich aus dem DJV austrete - und mich frage, ob man nicht etwas tun müsste


Die meisten der hart arbeitenden Kollegen in den Internet-Redaktionen verdienen weniger als Kollegen bei Print. Mehr noch: Es gibt noch immer keinen Tarifvertrag. Der DJV umgibt sich nicht einmal mit dem Anschein, einen solchen vehement zu fordern. Sollen sie doch endlich verschwinden, diese Internetler.

Nur so lässt sich auch erklären, dass der Verband der Journalisten weder die Arbeitsbedingungen noch die daraus resultierende Minderqualität des deutschen Online-Journalismus thematisiert. Ihm ist das ganz recht so: Dann muss er sich damit auch nicht weiter beschäftigen.

Derweil sterben die Medienunternehmen. Es ist ein letzter Stellungskrieg, ausgetragen auf dem Rücken der Journalisten. Denn die verlieren ihre Arbeit.

Der DJV mag sich nicht mit der Zukunft beschäftigen. Mehr noch: Er hasst die Zukunft. Wer aber die Zukunft hasst, der hat auch keine solche. Und so lange diese Gewerkschaft noch schlimmer agiert als jene Plastiktüteneinkleider und Trillerpfeifer, mag ich ihr mein Geld und meine Zeit nicht geben.


Immer noch mein Lieblingsartikel dazu ist von Ulrike Langer "Dann boykottiert doch Google! " (Hervorhebung von mir)


Dass diese seligen Zeiten für immer vorbei sind, das wissen Hurbert Burda oder auch Matthias Döpfner nur zu gut. Genau deshalb gibt es ja diese in immer kürzen Abständen zu lesenden Meinungsbeiträge. Sie stehen fast immer auf den Feuilletonseiten und nicht im Wirtschaftsteil, denn es geht ja vordergründig um den Erhalt des Qualitätsjournalismus, und nicht um Besitzstandswahrung. Doch in Wahrheit ist es doch so: Die Verlage sehen es offenbar als ein Naturgesetz an, dass ihnen die zweistelligen Renditen aus dem Printzeitalter auch im Netz zustehen. Und wenn sich jemand – also vor allem Google – von diesem Kuchen ein so großes Stück abschneidet, dass für die Verlage weniger als gewohnt übrigbleibt, dann muss aus ihrer Sicht eben aus anderen Quellen Geld in die Verlagskassen geleitet werden, per Leistungsschutzabgabe oder Kulturflatrate.

[…]

Das wird auch einer der Gründe sein, warum Verlage sich nicht einfach verabreden, ihre Angebote für Google zu sperren. Zumindest diejenigen Verlage, die sich momentan für eine Leistungsschutzabgabe einsetzen. Mit ihrer gemeinsamen Marktmacht dürfte es für die Verlage doch ein Leichtes sein, dem deutschsprachigen Internet soviel Qualitätsjournalismus zu entziehen, dass Google sich auf Verhandlungen über eine ”faire” Gewinnbeteiligung einlässt, oder nicht? Doch es gibt noch einen weiteren Grund, der gegen einen Google-Boykott spricht: Nachrichtenanbieter, die dabei nicht mitmachen, werden gestärkt, und die ersten, die aus der Phalanx der Verweigerer ausscheren, ebenfalls.

Nebenbei: Freie Journalisten, die per Total-Buy-Out-Vertrag ihre Verwertungsrechte online und offline gegen Einmalhonorar an Verlage wie Springer oder FAZ abtreten müssen, sollten von dieser Stelle in Burdas Text Notiz nehmen: “Bei alldem geht es um viel mehr als die rechtliche Beanspruchung eines „fair share and faire use“, eines fairen Umgangs mit Informationen und eines fairen Anteils an der Wertschöpfung im Internet. Es geht um die Bewahrung eines Kulturguts.”

Kleinbloggersdorf: nicht der Nabel der Welt aber gerne anti-kommerziell, fundamentalistisch und schizophren.

Geschrieben von Nicole Simon · 22.07.2009 · Trackbacks: (0) · Kommentare (2)

Das folgende ist ein längerer Text, der sich nicht nur mit vodafail auseinandersetzt, sondern eine grobe Zusammenfassung von dem ist, was ich nicht nur in den letzten Monaten immer wieder mit Unternehmen durchgehe, wenn sie sich für die 'deutsche Blogosphäre interessieren'. Doch auch wenn ich die Beispiele an Vodafone festmache, es sind die darunterliegenden Themen die mich interessieren.

Wenn ich mich mit Unternehmen über das Thema deutsche Blogosphäre unterhalte verwende ich in der Regel die Begriffe "anti-kommerziell, fundamentalistisch und schizophren ". Denn mit Logik oder sinnvollem Vorgehen darf man hier nicht agieren, man muß zunächst die Punkte in der Überschrift verstanden haben. Eigentlich sage ich nicht Kleinbloggersdorf, sondern das kommt erst im zweiten Teil. Wenn man nämlich erklärt, daß im englischsprachigen Ausland die Blogosphäre sehr wohl Einfluß auf die öffentliche Meinungsbildung hat, hier in Deutschland aber ein kleiner Kern von Blogs meint, der Nabel der Welt zu sein. Es aber nicht ist, ergo Kleinbloggersdorf.

Insofern ist das aktuelle Beispiel von Vodafone genau das - nur ein Beispiel, aber ein recht gutes, weil es verschiedene Elemente zusammenbringt und mit dem Mobilfunkanbieter und der Agentur im Hintergrund sich ein Schauspiel bietet, was seinesgleichen sucht. Die durchaus harten Worte verwende ich hier um deutlich zu machen, daß es mehr als nur diese durchgeknallten Menschen gibt und ein Engagement einer Firma in der Denkweise dessen was wir als Web 2.0 bezeichnen unumgänglich ist.

Und die Firmen sind langsam so weit, ob man es glauben will oder nicht. In den letzten Monaten bin ich vermehrt auf "normale Menschen" aus Firmen getroffen, bei denen man nicht mehr komplett bei Adam und Eva anfangen mußte oder ihnen die Sendung mit der Maus und dem Internet vorspielen mußte. Sondern mit denen man Diskussionen führen kann, über das wie, nicht das ob. Die ihre ersten Schritte machen wollen und dabei lernen müssen, daß eine Ausprobierphase nicht mehr zugestanden wird, sondern man gleich perfekt sein muß.

Doch zurück zu aktuellen Diskussion rund um Vodafone und den Reaktionen aus "dem Netz" und wieso ich Kleinbloggersdorf (KBD) als anti-kommerziell, fundamentalistisch und schizophren bezeichne.

Nicht der Nabel der Welt

In Kleinbloggersdorf gibt es rivalisierende Parteien und Meinungen, ihnen gemein aber ist daß sie wenig zu tun mit dem haben, was normale Menschen da draußen (offline und so) und den Rest des Netzes (alle anderen Blogger, Podcaster, Twitterer und sonstige Teilnehmer des Netzes in produzierender Form) interessiert. (Ich zähle mich übrigens zu diesen Kleinbloggersdorfern). Es sind Metamenschen. Ab und zu schaffen es die Themen von Kleinbloggersdorf in Onlinemedien, selten auch mal in Print. Aber echte, relevante Reichweite haben wenige Blogger in Deutschland, und wenn dann haben sie wenig mit KBD zu tun. Reichweite haben Blogs wie der Shopblogger und das Law-Blog, die echte und interessierte Leser haben. Unser Famila-Markt um die Ecke liest den Shopblogger. Von den üblichen Verdächtigen in KBD hingegen haben sie noch nie was gehört. Und Blogs nehmen sie nicht als "meinungsbildende Onlinepublikationen' wahr, sondern als diese Foren ohne Anmeldung wo sie mit Google immer landen wenn sie nach etwas suchen.

KBD leidet darunter, sie wären gerne so wie die großen Vorbilder, vor allem in Amerika. Dazu müsste aber die allgemeine Mediensituation vergleichbar wie in Amerika sein (was sie nicht ist) und die Blogger einen ähnlichen professionellen Aufwand in ihre Blogs stecken, was sie auch nicht tun. Keine Arme, keine Kekse.

Es gibt nicht 'die Blogger'

Wobei ich nicht sage, daß jeder Blogger die Welt im Sturm einnehmen will. Im Gegenteil. Die meisten sind total happy mit dem was sie haben. Und haben auch kein Problem, vielleicht nur jeden zehnten Tag über sich und ihre Katze zu bloggen. Viele verschiedene Interessen, verschiedene Qualitäten, verschiedene Nutzerkreise. Trotzdem möchten die Teilnehmer von KBD gerne bestimmen, was ein echtes Blog ist. Wieso eigentlich? Wer hat den Irrglauben in die Welt gesetzt, es gäbe nur eine Art wie es richtig geht? Das ist genauso, als wenn die Kritiker dieser Welt nur Goethe, Schiller und Co als das einzig lesenswerte hinstellen. Das mag deren Überzeugung sein, aber die anderen Bücher verkaufen sich sehr gut und haben eine Menge Leser.

Diese Vielfalt haben Blogs schon lange erreicht. Es wird Zeit, daß man begreift. "Die Blogosphäre" hat verschiedene Abteilungen, und wem das nicht gefällt soll die Ecken in der 'Bloghandlung' nicht besuchen anstatt mit Protestfahnen aufzukreuzen.

Geld - widerlich! Aber warum gibst Du mir keines?!

"anti-kommerziell, fundamentalistisch und schizophren" entstammt der Feststellung, daß viele, vor allem die lauten Teilnehmer, nienicht angefaßt werden wollen von der Wurzel des Bösen (aber trotzdem Geld verdienen wollen). Alle sind doof, nur sie haben Ahnung - und trotzdem wollen sie zum großen Teil Stars werden, natürlich ohne sich anzupassen oder zu verbiegen. Usw.

Illusionäre Vorstellungen über die eigene Relevanz finden ihren Ausdruck in Preisen jenseits jeglicher Preis-Leistungsverhältnisse. Gleichzeitig werden die Teilnehmer dieser neuen Welt ausgelacht von den etablierten Szenen, weil sie trotz der Selbstüberschätzung nicht wissen, welche Preise dort draussen üblich sind in der realen Welt.

Mein persönliches Highlight war es letztes Jahr einen Blogger für ein Projekt anzusprechen, der auf seinem Blog nach Werbung gebettelt hat (und sich dabei beschwert hat, daß keiner bei ihm Werbung schalten wollte). Meine Anfrage passte zu seinem Thema und hätte ihm eine Chance geboten, Reichweite aufzubauen, er hätte was draus machen können. Antwort auf meine Anfrage? "Du Kommerzschwein" und ein paar weitere nicht druckbare Worte.

Das Spiel hat Regeln und Teilnehmer. Wer querschießt, spielt nicht mit.

Wasch mich aber mach mich nicht nass, das ist das eine Problem. Daher kommt ein Teil der Aufregung rund um Aktivitäten wie die Kampagne von Vodafone. Der andere Teil daher, daß man sich als etwas wichtiges versteht, ohne die Spielregeln zu verstehen. Wer berühmt und bekannt werden will (meinetwegen auch reich) muß bestimmte Dinge abarbeiten und verwenden. Es reicht nicht, nur in sein Blog oder Twitter etwas hineinzuschreiben genauso wenig wie es reicht, am Stammtisch rumzunölen.

Das hat viel damit zu tun, was man sich selber zumuten will, was man bereit ist zuzugeben. Am Ende des Tages muß man Geld verdienen, wenn man leben will. Noch mehr, wenn Menschen von einem abhängig sind. Wirtschaft ist ein einfaches Spiel, mit festen Regeln und Abläufen.

Hätte eine Firma wie Scholz und Friends mehr Nachdruck aufbringen sollen? Sicher. Aber die Mittel, mit denen man seinen Kunden steuern kann sind begrenzt. Scholz und Friends ist ein Dienstleister und der Kunde ist der Entscheider. Will er Lila mit grünen Blumen, kriegt er am Ende des Tages Lila mit grünen Blumen. Ankreiden kann man ihnen eher Dinge wie die nicht registrierten Nutzernamen und momentan würde ich (schon aus Eigeninteresse) mehr Kontrolle einfordern. Der Schnutiger-Artikel auf dem Vodafone-Blog (siehe Links hier auf Rivva) zum Beispiel ist ihnen anzukreiden. Der hätte nach dem bereits geschehenen absolut nicht rausgehen dürfen. Nur: Social Media ist ein Bruchteil des gesamten Topfes. Ist nur begrenzt relevant und an sich trotzdem sehr erfolgreich: negativer Blogger-PR versus eine große Menge sehr guter Backlinks.

Aber Relevanz nach wirklich draußen? Wenig. Also großer Sturm im Wasserglas. Wer sich aufregt gehe doch bitte jetzt einmal auf die Straße und frage die Menschen dort nach ihrer Meinung zu vodafail. Oder ähnlichen wichtigen Themen - ich vermute irgendein Fußballspiel ist wichtiger. Aus der Werbung nehmen sie komische Menschen wahr, die falsch singen und komisch aussehen. Und was mit Computer. Und wenn diese sich aufregenden Frager anfangen wollten, diese so großen Fehler mit irgendeinem Redakteur zu besprechen, würden sie ausgelacht werden - weil sie nicht verstanden haben, wie das Geschäftsleben läuft und naiv wie ein weltverändernder Hippie durch die Welt träumen. Oder wie Kosmar es weitaus eloquenter ausdrückt

Ein paar Aufschreie sind dabei freilich außerordentlich weltfremd. Wer glaubt, eine Werbeagentur oder gar ein Werbegesicht habe Einfluß auf die (Produkt-)Politik einer Firma, lebt in einer Realität, in der ich auch mal gerne Urlaub machen will. Wer glaubt, man mache sich als Dienstleister, Berater, Agentur, Werbefigur, Statist, Werbeplatzvermarkter oder Werbeplatzanbieter mit allen Aspekten der werbenden Firma komplett gemein, lebt in einer Realität, die ich niemals sehen möchte. Eine Realität in der immer so klar wäre, dass jemand gerade in der Rolle eines Werbemittels auftritt, wie bei den Maßnahmen dieser Kampagne, wünschte ich mir hingegen auch für die existierende Wirklichkeit.
Auch bei Frau Schnutiger verstehe ich, wenn sie keinen Bock mehr auf KBD hat; jedoch muß ich Felix recht geben wenn er moniert, daß man bei einem solchen Kleinmädchentext wenigstens die Fakten stimmen sollten. Man kann sich nicht in die Öffentlichkeit stellen und dann auf einmal überrascht sein, wenn man wirklich in der Öffentlichkeit ist. Das geht bei einer bisher abgeschiedenen lebenden Person, aber nicht bei einer Bloggerin die schon länger unterwegs ist. Dieses ist nicht der erste Vorfall. Dieses ist nicht das erste Mal das sowas durch KDB geht.

Was Unternehmen nicht sind und warum sie bestimmte Fehler 'immer wieder machen'

Anscheinend muß man es noch einmal wiederholen: Unternehmen sind nicht da, um die Welt zu verbessern oder mich glücklich zu machen. Sie wollen Geld verdienen und bieten mir dafür im Austausch für Geld Waren und Dienstleistungen an. Ich kann diese annehmen oder auch nicht.

Aus "Generation Offline: Außer Kontrolle geratene Vodafone-Kampagne fordert ein erstes Opfer":

Wir haben es mit einem spannenden Experiment in der Online-Welt zu tun und auf der anderen Seite müssen Blogger - wie jeder andere auch - Geld verdienen. Was mich am meisten an den Motzkritikern stört ist die Tatsache, dass hier mal wieder die am lautesten geschrien haben, die auch sonst gerne sagen: "Ne, wir zahlen keinen Cent für Inhalte und benutzen zudem Werbeblocker."

Das Kapitel hatten wir schon. Der Leser schuldet dem Blogger nichts - der Blogger dem Leser aber alles, oder wie? Es ist keine Schande, Werbung für ein Unternehmen zu machen, im besten Fall profitiert der Anbieter, der Blogger und sein Publikum gleichermaßen.

Unternehmen haben eine Standardvorgehensweise, die erprobt und allgemein akzeptiert ist. Sie bringt Kunden und Geld. Würde sie es nicht tun, würde man seine Vorgehensweise ändern. Und unter genau diesem Aspekt berichtet auch der Spiegel:

Deutschlands Blogosphäre reagierte unwirsch bis bösartig. Ein Lehrstück über missglückte Öffentlichkeitsarbeit im Web 2.0.

Den Marketingstrategen von Vodafone ist es womöglich in Wahrheit gar nicht so wichtig, was deutsche Blogger von ihnen halten. Sie wollen mit ihrer Kampagne "Generation Upload" ja vermutlich nicht diejenigen erreichen, die ohnehin schon eine Internet-Flatrate fürs Handy haben (und dazu vermutlich ein iPhone, beides von der Konkurrenz mit dem T), sondern eben diejenigen, die bislang noch nicht so viel Geld für mobiles Surfen ausgeben. Ganz normale Leute.

[…]

Falls die Vodafone-Strategen tatsächlich gehofft haben sollten, dass die Internet-Prominenz in der eigenen Kampagne die deutsche Netz-Avantgarde fürs eigene Produkt würde begeistern können - das hat ganz augenscheinlich nicht geklappt. Was auch nicht anders zu erwarten war. Wer Bloggen cool findet, findet internationale Großkonzerne und ihr Gewinnstreben ganz prinzipiell eben eher nicht cool. So ist das eben, schließlich geht es um Gegenkultur, und ums Authentischsein.
"Aber warum 'verkaufen' sich diese Menschen und ihre Ideale?!" ist eine Frage, aber geht ein wenig am Kern des Problems vorbei. Es geht weniger darum das es getan wird. Sondern eher darum, dass es nicht akzeptiertes Verhalten ist. Auf Netplanet dazu:

Werbung ist Verkauf. Verkauft wird in der Werbung eine Ware, eine Dienstleistung oder eine Vision. Und damit das funktioniert, nimmt man die Ware, Dienstleistung oder Vision direkt als Werbeträger oder einen Protagonisten. Für letztere bedeutet dies, dass sie das tun, was jeder Arbeitnehmer tut: Eine Eigenleistung für Geld zu verkaufen. Das ist alles kein Problem, wenn man beispielsweise weitgehend unbekannt ist, eine markante Nase hat und für eine Nudelsuppe werben soll. Ein Job.

Es wird allerdings spätestens dann ein Problem, wenn der Protagonist als Werbeträger nichts anderes zu verkaufen hat, als seine Authentizität. […]

Ja, ist hart. Vor allem für Menschen, die sich plötzlich in einer stark polarisierenden Werbekampagne wiederfinden und harten Worten ausgesetzt sind. Und man muss tatsächlich nicht alle Kommentare gut finden, die Schnutinger im unsäglichen Vodafone-Kampagnenblog da verpasst bekommen hat. Aber man spielt mit seiner Authentizität nicht einfach mal so eben herum und lässt sich auf einen wirklich atemberaubend schlechten PR-Gag herab, wenn man das nicht mittragen kann.

Vom Verkauf seiner Authentizität sollte man eher lieber Abstand nehmen, wenn man mit den möglichen Folgen eher nicht leben kann. Die Notbremse, die Schnutinger alias Ute Hamelmann nun auch in ihrem Blog gezogen hat, ist vermutlich tatsächlich eine authentische Notbremse - aber es hätte ja ruhig jemand mal vorher darüber intern sprechen können, was man für einem Gegenwind ausgesetzt sein könnte. Gagen sind auch immer ein Stück Schmerzensgeld und das hängt nicht immer nur von der eigenen Leistung ab, sondern möglicherweise auch von so Umständen wie einem schlechten Haus, in dem man spielt.

Dabei sollte man nicht übersehen: Es gibt Menschen die wollen sehr gerne einmal Produkte ausprobieren und darüber mit ihren Freunden reden. Für die einen sind es Glasperlen, für die anderen sind es genau die Dinge die sie gerade wollten. Die Welt ist nicht so schwarz und weiß wie einige sie zeichnen wollen. Die Herausforderung der neuen Welt sind die fehlenden Modelle und Regeln

Die Herausforderung, vor der wir immer wieder stehen ist (und das ist in der Regel der dritte Satz nach den Attributen und der fehlenden Relevanz), das wir als Gesellschaft für die offline-Welt in Jahrhunderten Regeln des Zusammenseins geschaffen haben, die jeder von Kindheit an lernt. Auch der größte Rotzbengel weiß im Inneren seines Herzens, daß diese Dinge die er tut 'falsch' im Auge der Gesellschaft sind. All das fehlt uns online immer noch. Weswegen wir immer wieder aneinandergeraten und uns nicht wirklich weiterentwickeln. Wir waren übrigens schon mal weiter, damals im Usenet.

Ein kleiner Rückblick warum Usenet funktionierte

Usenet, die ursprünglichen Diskussionsforen im Netz, boten eine Hierarchie von deutschsprachigen Angeboten an, die im obersten Knoten de.* genannt werden. Weiter unten gab es dann die Verzweigungen für die einzelnen Themen sowie einen Ort wo die Bürger zusammenkommen konnten und diskutieren konnten. Auch heute noch gibt es diese Gruppen, aber die Hochzeit ist wohl vorbei (bedauerlicherweise). Zu finden zum Beispiel im Groups-Bereich auf Google.

Neben den Gruppen, zum Beispiel de.alt.etc.koerperpflege oder de.rec.fotografie oder de.rec.tv.serien oder de.soc.familie.kinder, die die Themen waren, gab es immer auch die Hierarchie de.admin.news in denen über de.* abgestimmt wurde. Neue Gruppen wurden nur eingerichtet, wenn jemand einen Antrag nach Regeln geführt hatte und eine entsprechende Mehrheit erhalten hat. Fragen rund um das Miteinander im Netz wurden ähnlich behandelt. Vorschläge, Diskussion, Abstimmung. Und dann: Einhaltung dieser Regeln.

Ein paar wichtige Beispiele aus diesem abgestimmten Vorgehen:



Jeder kann diese Regeln ändern und einen neuen Konsens herstellen. Heutzutage braucht das weniger Teilnehmer als noch vor zehn Jahren, aber es geht mir um den Gedanken dahinter. Es gibt in dem Teil des Netzes einen Konsens der jeweiligen Teilnehmer. Das fehlt in Kleinbloggersdorf.

Schon mehrfach habe ich mit anderen darüber nachgedacht eine Liste zu bauen, in der man sagen kann "hier können Unternehmen ihre Gesuche posten und es geht nur an Empfänger die nicht sofort Mord und Totschlag schreien". Was nicht heißen will, daß auch diese Teilnehmer schreiben würden daß das Gesuch ein Dreck ist.

Und natürlich gibt es am Modell Usenet viele Dinge die nicht funktioniert haben. Aber der Prozess der Entscheidungsfindung, das Abstimmen von "das ist was wir wollen" ist richtig. Es gab eine gemeinsame Aussage "das ist das was wir, die Unterzeichnenden, wollen / hinnehmen / wofür wir stehen". 'Wir' in diesem Kontext meint übrigens nicht alle. Sondern "wir in dieser Gruppe".

Wo sind die "keine Werbung bitte"-Schilder

Die meisten Teilnehmer, die keinen Kontakt mit der bösen Kommerzwelt haben wollen, kennen aus der normalen Welt die "keine Werbung"-Schilder. Was ist so schwer daran, sich ein solches ins Impressum zu kleben? Wohlgemerkt, ich rede hier von Leuten die die berühmten 'mixed signals' senden. Was ist so schwer daran, sich analog der offline-Welt an funktionierende Maßnahmen zu hängen? Oder daran mitzuarbeiten, diese Regeln im Umgang miteinander zu gestalten. Auch die jetzigen Gesetze z.B. gegen nervige Lotto-Anrufer sind entstanden weil es jemandem wichtig genug war, daß er angefangen hat, daran zu arbeiten.

Die pöbelnde Meute

Ziemlich unbehandelt lasse ich hier das Thema der pöbelnden Meute, welche unterhalb der Gürtellinie "argumentiert" - und ja, damit meine ich auch diejenigen die es in schönere Formulierungen packen. Es gibt den Punkt wo man sich selber disqualifiziert. Ich und die meisten anderen werden sich dort ähnlich verhalten: eine mentale, sehr negative Notiz bei der Person anhängen. Man sieht sich immer zweimal im Leben.

Hinweis: Auch wenn ich übereinstimme mit dem grundlegenden Inhalt der Kommentare über die schlechte Ausführung und besonders das besagte Twittermom-Posting gibt es einen Unterschied zwischen Inhalt und Stil. Sollte jeder in der Schule gelernt haben, das waren die Noten im Deutschunterricht.

Ich bin versucht den ganzen Artikel Schlechte Erziehung von Don Dahlmann zu zitieren.

Man kann schimpfen, Sachen intelligent aufs Korn nehmen, sich echauffieren, den Kopf schütteln. Man kann nicht einverstanden sein und man kann dies deutlich sagen. Man kann nachhaken, recherchieren, sich wundern und sich sogar richtig aufregen. Zum Beispiel über Vodafone.

Aber ich bin ehrlich gesagt erschüttert, auf welche teilweise minderwertige und niveaulose Art und Weise in Blogs und vor allem auf Twitter über Schnutinger hergezogen wird. Wenn man mit der Aktion, bzw. dem Text (über den man nicht reden muss) nicht einverstanden ist, kann man das sagen. Oder man kann es einfach ignorieren. So wie man täglich ca. 250 Werbebotschaften auf RTL und sonst wo ignoriert, die einen ähnlichen Charakter haben. (Sich "Deutschland sucht den Superstar" oder "Germanys next topmodel" anzuschauen, darüber auf Twitter fröhlich parlieren, aber über Schnutinger herzufallen, verstehe ich auch nicht so ganz, aber das nur nebenbei)

Das Ausmaß an schlechten Stil und noch schlechterer Erziehung, welcher mir die letzten 2 Tage auf Twitter begegnet ist, hat mich den Kanal erst einmal als Lesender abschalten lassen. Ich habe nicht eine lustige oder intelligent geschriebene Replik gelesen, und schon gar nichts, was sich rein inhaltlich mit der Sache auseinandersetzt. Was ich gesehen und gelesen habe sind Beschimpfungen, Häme, Verletzungen und schlicht und ergreifend einen ganzen Haufen sehr schlecht erzogener Menschen, die das Netz für die Weiterentwicklung ihrer Schulhofmanieren missbrauchen.

Lesenswert auch "Drohnengebaren", über die Frauenrolle in diesem Schauspiel.

Lanu: Verraten und verkauft

Jetzt ausschließlich Lumma, Lobo und Konsorten die Schuld zu geben, halte ich für falsch.

Das waren wir alle. Angefangen bei Schnutingers Vertrag, weiter über rückratlose Kampagnenverantwortliche, bis hin zum kreischenden Web 2.0 Mob.

Und jeder muss nun sehen, wie er damit zurechkommt.

Ihr wollt Dialog? Lernt erst einmal diskutieren!:
Ihr wollt von Vodafone verstanden werden und versteht doch selber so wenig. Wer Dialog will, muss erst einmal diskutieren lernen. Und diskutieren heißt für mich, sich auf einer sachlichen Ebene mit Argumenten auseinanderzusetzen. Da kann es dann gerne auch einmal heiß hergehen. Aber das, was ich da gestern Abend lesen musste, hatte mit diskutieren, mit dem Ausnutzen des Potenzials von Social Media nichts zu tun. Wer immer Ihr seid, die Ihr Kommentare fälscht, Euch über mislungene Posts lustig macht und persönliche Angriffe startet - die digitale Elite, als die Ihr Euch so gerne seht, seid Ihr nicht!

Werdet erwachsen.

Und die mentale Notiz wird auch gemacht bei Anmerkungen der Art "wer sich nicht zu uns gesellt verkauft seine Seele oder hat in der Vergangenheit Aufträge erhalten (oder hofft auf welche in der Zukunft)". Das zeugt nicht von schlechter Erziehung sondern einfach nur von Dummheit, entweder der eigenen oder weil man weiß, dass der Leser dieser Blogbeiträge auf diese Argumentation hineinfällt. "Schau, Don Dahlmann hat vergessen zu erzählen dass er doch ganz vernetzt mit diesem Thema ist, das ist nur vorgeschoben seine Empörung!!" Wie im realen Leben auch: Krakelende Idioten schenkt man keine Aufmerksamkeit, sondern straft sie ab und verbringt seine Zeit sinnvoller.

Tip für die Unternehmen: Die Auswirkungen sind der Beweis, warum eine Social Media Kampagne in Deutschland einen Psychiater für die Teilnehmer mit im Budget haben sollte.

Fazit: Was sind Alternativen?

Die Alternative ist eigentlich nur, sich nicht darum zu scheren, was irgendwer sagt und sich ein dickes Fell zuzulegen falls man doch mal den Fehler macht reinzuschauen, denn vermeiden kann man es komplett noch nicht. Und alles in Perspektive setzen. Tief durchatmen. Und stattdessen an Dingen arbeiten, die einem wichtig sind, an die man glaubt.

Sich zu überlegen, was die eigenen Grenzen sind, was man bereit ist zu geben und dann dazu stehen. Verbündete suchen und gemeinsame Front zeigen. Das kann zum Beispiel ein "Keine Werbung" Schild sein. Oder ein "Ich akzeptiere Zusendungen von Inhalten die mit den folgenden Themen zu tun haben, alles andere kommt an den Pranger". Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema, sich zum Beispiel den Pressecodex vorzunehmen und zu überlegen "was davon passt für mich? Eventuell für uns?"

Und hier hilft vielleicht einmal ein Blick über den Tellerrand, den die sich wiederholenden Diskussionen in KBD passen gut zu der momentanen Diskussion in den USA über die Mommyblogger und die PR-Aktivitäten einiger Firmen. Nicht Schlammschlacht, sondern inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema und der Suche nach Lösungen und untereinander akzeptierten Verhaltensweisen:



"Auch ich verdiene an Vodafone"

Bevor man lange suchen geht: Wenn man die Welt schon so schwarz und weiß betrachten möchte - auch ich verdiene dank Vodafone. Ich habe zwar kein Handy bekommen, ich habe keinen Vertrag, ich war in keinem Werbespot, ich arbeite weder mit ihnen noch mit Scholz und Friends in irgendeiner Form. Jedenfalls nichts, was mir bewusst wäre. An irgendeinem Punkt in den vergangenen Jahren habe ich mit mehreren Beteiligten in diesem Umfeld über geschäftliches gesprochen. Also kein direkter oder indirekter Verdienst. Aber ich verwende das Beispiel natürlich, weil es so schön zeigt auf was man sich einlässt in Deutschland.

Womit ich dann auch befangen wäre. Weil ich könnte ja in Zukunft einmal mit ihnen reden. Zum Beispiel über Twitter. Oder ich könnte einmal in Zukunft mit einer Firma wie Scholz und Friends zusammenarbeiten, weil ich Qualifikationen besitze, die das sinnvoll machen. Beide Firmen haben ja auch ausschließlich Bedarf in diesem Zusammenhang und zum Beispiel nicht mit einem ganz anderen Thema. Oder (wie einige es ja so gerne herholen) mit jemandem zusammenarbeiten, der freundlich zu den beiden Firmen ist. Oder mal mit denen zusammengearbeitet hat. Um mal den Blödsinn aufzuzeigen, den einige hervorholen.

Mein Maßstab?

Ich will in der Lage sein den Menschen, die mir wichtig sind und die ich respektiere, weiterhin ins Gesicht schauen zu können und mich für meine Aktivitäten nicht schämen. Nicht mehr, nicht weniger. Ich habe für mich meine grundsätzlichen Grenzen gezogen, was ich in der Zusammenarbeit mit Firmen veranstalte, und was nicht.

Das ist zum einen ihnen zu zeigen wie bekloppt die deutsche Szene sich gerne verhält (siehe oben) aber auch die umgekehrte Rolle einzunehmen und ihnen zu verdeutlichen, an welchen Stellen sie unfähig sind, mit dieser Welt umzugehen. Trotzdem bedeuted jede neue Anfrage ein Nachdenken "will ich mit denen zu tun haben?", "was genau wollen die von mir und paßt das zu mir?", "wieviel Schmerzensgeld will ich dafür oder ist es etwas, was ich gerne mache?".

Dazu gehört auch, daß ich nicht wirklich vorhabe, diese meine Meinung mit anderen zu diskutieren aka "mich verändern zu lassen". Mein Meinungsbildungsprozeß funktioniert nicht in der simplem Umgebung der Blogkommentare. Dafür ist das Thema etwas zu komplex.

Und zum Schluss was meiner Meinung das wirkliche Verbrechen an dem Vodafonespot ist.

Nein, der Spot an sich ist langweilig für mich und nichts, was ich mir mehr als einmal antun muß. Das wirkliche Verbrechen ist aber nicht die Empörung in der Blogosphäre, sondern die Verhunzung eines meiner Lieblingssongs. Kann man nicht das nächste Mal sowas wie die singenden japanischen Übernachtungsgelegenheiten nehmen? Dann hätte man auch gleich die Fanbasis miteingekauft.

Veranstaltungstip in Kiel: E-Business-Symposium "Trends im Web 2.0 - Chancen und Risiken für die Unternehmensentwicklung"

Geschrieben von Nicole Simon · 08.06.2009 · Trackbacks: (0) · Kommentare (1)

Ich bin ja sonst nicht so für Kiel, aber man macht ja Ausnahmen ;)) Eintritt ist begrenzt verfügbar, aber kostenlos.

E-Business-Symposium "Trends im Web 2.0 - Chancen und Risiken für die Unternehmensentwicklung"

Expertinnen und Experten aus Theorie, Wirtschaft und Politik werden im Rahmen des E-Business-Symposiums "Trends im Web 2.0 - Chancen und Risiken für die Unternehmensentwicklung" am 1. Juli an der Kieler Fachhochschule (in Kooperation mit der Digitalen Wirtschaft Schleswig-Holstein e. V.) das vielschichtige Thema Web 2.0 beleuchten.

Im Vordergrund der Veranstaltung stehen Best Practice Modelle und erfolgreiche Piloten, um Denkanstöße zu vermitteln. Ausgehend von der Unternehmenskommunikation im Web 2.0 werden ausgewählte Instrumente und Einsatzgebiete vorgestellt: Weblogs, Microblogging am Beispiel Twitter, virales Marketing im virtuellen Raum, Suchmaschinen-Marketing und Social Networking. Abgerundet wird die Veranstaltung durch einen Ausblick ins Web 3.0.

Neben den Vorträgen von Studierenden und Vertreterinnen und Vertretern aus der Praxis besteht die Möglichkeit zu einem intensiven Informations- und Erfahrungsaustausch. Die Veranstalter möchten mit diesem Symposium eine bessere und stärkere Vernetzung von Wissensträgern in Schleswig-Holstein erreichen.

Ort
Fachhochschule Kiel, Sokratesplatz 2, 24149 Kiel, Senatssaal, 7. Etage

Zeit
1. Juli, 14.00 Uhr bis ca. 18.00 Uhr (inklusive Catering)

Anmeldung
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Daher wird um eine Anmeldung unter dreysel ät diwish.de gebeten.
Die Teilnahme ist kostenlos.

Übersicht: Die Interviews zum DMMK

Geschrieben von Nicole Simon · 06.06.2009 · Trackbacks: (0) · Kommentare (0)

Zum Abschluß meiner kleinen Interview-Reihe für den DMMK gibt es noch einmal die Übersicht der einzelnen Interviews:

  • Peter Wilke, MFG, zur Einstimmung auf den DMMK, mit Hintergründen und mehr

  • Keynotesprecher Clay Shirky über die Herausforderungen der neuen Welt (englisch)

  • Sven Doerrenbaecher, Daimler AG beantwortet die Frage ob Internet das neue Leitmedium ist oder nicht

  • Martin Thomas beschreibt was Crowd Surfing bedeutet und warnt das Firmen sich nicht auf die Kundenstimmen verlassen dürfen, sondern unbedingt weiter eine Führungsrolle behalten müssen - wenn auch in neuer Form (englisch)

  • DMMK Botschafter Christoph Salzig über den letzten Stand der Veranstaltung und warum man dem DMMK zur "Volljährigkeit" gratulieren sollte

Besonders spannend fand ich das Interview mit Martin Thomas, der sich dafür einsetzt die Kundenstimmen zwar anzuhören dann jedoch wieder die Führung zu übernehmen - was etwas anderes als Kontrolle ist. In eine ähnliche Richtung geht auch Clay Shirky und beiden ist gemein, daß sie die Besonderheiten für Unternehmen hervorheben.

Und wer wissen möchte, was es für Veranstaltungen rund um den DMMK gibt, dem sei natürlich Berlinwebweek empfohlen (Webseite / Twitter).

Weitere Tweets über den DMMK in der Twittersuche oder auf dem Blog des DMMK.

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