Kontaktaufnahme nach Konferenzen oder „Willst Du mit mir geh’n?“

Wie nach jeder Veranstaltung der Art des DLD stehe ich vor einer Art Problem – und die Überschrift ist nicht ohne Absicht gewählt.

Man trifft eine Menge Leute auf einer solchen Veranstaltung, die einen interessanter, die anderen uninteressanter. Ein paar davon sind geschäftlich relevant, andere kann man komplett darauf verzichten. In diesem Umfeld gibt es – so denkt man – ganz einfache Regeln für die Kontaktaufnahme in Systemen wie openbc oder LinkedIn.

Eigentlich. Denn verfahre ich normalerweise nach der Devise, daß ich z.B. für openbc keinen Kontakt „annehme“ mit dem ich nicht wenigstens ein paar Mails getauscht habe, folgen auf den DLD ein paar Anfragen von Menschen, mit denen ich zwar kurz Karten getauscht habe – aber kenne ich die wirklich so gut, daß es ein Kontakt ist?

Lehne ich jetzt ab, weil ich meine Datenbank ‚rein‘ halten will, oder lasse ich zu, daß mir mit diesen Konferenzbesuchern eine Zwei-Klassengesellschaft entsteht?

Umgekehrt ist es allerdings noch nachdenkenswerter. Gerade *weil* ich selber solche Anfragen nicht mag – bin ich für die Personen, die ich jetzt anschreiben will, auch sowas? Kurzer Kontakt, ein paar Karten getauscht und nun kommt die Frau an und will gleich Kontakt sein? Es kommt natürlich die jede innewohnende Scheu vor Zurückweisung hinzu.

Noch heftiger ist es bei der kleinen Anzahl von Kontakten, mit denen man wirklich mehr zu tun haben möchte – sich aber nicht sicher ist, ob ein fröhliches „Magst Du auch? Hier ist mein Link zu openbc, und mein Flickr, und mein Skype, und und und“ nicht in panikartigem Flüchten endet und mit spontanem Kontaktabbruch bestraft wird.

Dabei möchte sie eigentlich nur anbieten, den Kontakt zu vertiefen – aber wie soll man das formulieren, ohne daß ein Äquivalent zu „willst Du mit mir gehen“ dabei herauskommt? Ja ich weiß, ich kann etwas in der Art „Das war wirklich ein sehr nettes Gespräch, gerne hätte ich mehr mit Dir zu tun“ schreiben, es bleibt jedoch dabei: Die andere Seite kann zustimmen (vielleicht einfach nur aus Höflichkeit), ignorieren oder eine Ablehnung schreiben, die dann genau so wirkt: Als Ablehnung.

„Der / die hat kein Interesse“ tut weh, vor allem wenn man – zur Erhöhung der Chance auf eine positive Antwort – eine nette persönliche Mail hinzufügt. Vielleicht war es doch ein professionell freundliches Lächeln und ein paar Floskeln anstatt ernst gemeinter Begeisterung. Man kennt das ja von sich selber. *seufz*

Ich habe mich glaube ich dazu entschieden eine Mail aufzusetzen, in der ich meine diversen Kontaktoptionen aufliste und diese als bewusste halbwegs unpersönliche Massenmail versende. Wer mag, kann mich dann in den entsprechenden Systemen hinzufügen; wenn nicht, bleibt bei der anderen Seite das Gefühl, nicht direkt angesprochen zu werden. Lieber nicht hinzugefügt, als nur aus einem Höflichkeitsgefühl heraus.

Wie haltet Ihr das so?

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Klingt ein wenig konservativ. Halte ich im Prinzip genauso. Aber wenn man sich die Kontaktlisten ansieht, wo es oft genug Menschen mit hunderten oder gar über 1000 Kontakten gibt, habe ich manchmal das Gefühl, dass der Jäger-und-Sammler-Trieb in der Realität stärker ist.

  2. Ich mache das genau wie Du und nehme (mittlerweile) nur noch Personen als Kontakt auf, zu denen tatsächlich ein Kontakt besteht. Viele Leute empfinden die Ablehnung aber scheinbar als persönliche Beleidigung, zumindest habe ich anschließend schon einige „böse“ Mails bekommen. Ich verweise dann gerne auf einen Blog-Beitrag von Martin Röll (Kontakte knüpfen vs. Kontakte anklicken, http://www.roell.net/weblog/archiv/2005/03/18/kontakte_knuepfen_vs_kontakte_anklicken.shtml ) Wer es danach noch immer nicht verstanden hat, wäre vermutlich auch kein interessanter Kontakt geworden 😉

  3. OpenBC hat die schöne Funktion „Ablehnen und Nachricht senden“ oder so ähnlich: Da klicke ich drauf und schreibe eine nette Nachricht zurück. Keine Erklärung, warum ich „ablehnen“ gedrückt habe – das kriegt der andere eh nicht mit (bzw. merkt es nur an der ausbleibenden „X hat den Kontakt bestätigt“-Mail). Sondern ich führe das Gespräch fort. Knüpfe an die Begegnung an. Frage nach. Wenn ein Austausch und damit eine Beziehung entsteht, kann ich die Verbindung auf OpenBC immer noch herstellen. Aber erst kommt die Beziehung, dann der Kontakt-Klick. Und nicht andersrum.

  4. Der selbe Beitrag von Martin hat bei mir auch ein Umdenken erzeugt. Vorher hab ich halt bestätigt. Jetzt mach ich es etwas anders als Martin (bei mir sind es oft vollkommen Unbekannte, die ich auch nicht getroffen habe). Wobei ich nicht ablehne sondern separat ne Nachricht schicke und die Leute auf der Liste stehen lasse – wg. siehe unten.
    Ich schreibe in etwa das:
    „Vielen Dank für die Kontaktanfrage. ich habe alle meine geschäftlichen Kontaktdaten für Sie freigeschaltet, so dass wir jederzeit leicht Kontakt aufnehmen können.
    Ich versuche nur solche Leute in meine öffentliche Kontaktliste aufzunemen, mit denen ich schon mehr zu tun hatte und über die ich bei Anfragen Dritten auch (lobende) Auskunft geen könnte.
    Ich würde mich freuen, wenn wir bei einem Projekt zusammenarbeiten würden – haben Sie eine Idee?“
    Bisher war, soweit ich das einschätzen kann, noch keiner sauer.
    Leute, die man nur ‚getroffen‘ hat, kann man ja in seine Merkliste aufnehmen.
    Und zum Schlussatz: Manchmal haben die Leute nämlich wirklich etwas im Hinterkopf mit dem Kontakt und an die Info kommt man dann dran. eine solche ‚Ablehnung_‘ wird ggf. mittelfristig zum Auftrag oder zu einer Kooperation. 😉