Möglich bedeutet nicht muß.

Die Länder planen, wenigstens zum Teil, endlich! die Ladenöffnungszeiten freizugeben. Und was ist ein typischer Kommentar?

Hessens Einzelhandelsverband plant ein Bündnis mit den Kirchen gegen die geplante Liberalisierung des Ladenschlusses. „Bis 20 Uhr reicht völlig aus. Das hat das eher enttäuschende WM-Geschäft gezeigt“, sagte Verbandspräsident Frank Albrecht. Das Geschäft sei nicht nur hinter den euphorischen Erwartungen zurück geblieben, teilweise habe es sogar Netto-Einbußen gegeben.

Weil das Geschäft bei einigen funktioniert hat schließt man von der Möglichkeit zur freien Gestaltung der Zeiten auf ein Muß und will es daher verhindern?

Davor sind neben der generellen Freigabe ja wohl auch noch einige Tarifverträge. Übrigens: Ich lasse einen Großteil meines Einkaufsgeldes seit den Änderungen der Öffnungszeiten bei Läden, die so lange aufhaben und nicht mehr bei denen, die nur kürzer bis 18 Uhr am Samstag aufhaben. Es stört mich dabei nicht, daß ich kaum Personal sehe, oder besagtes Personal in der Zwischenzeit administrative Tätigkeiten durchführt. Mit Putzwagen durch den Supermarkt ist bei vielen auch am Nachmittag üblich usw.

Vielleicht gehe ich ja bald auf den Sonntagsausflug nach MäcPomm zum Shoppen nach dem Strandbesuch …

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Die längeren Öffnungszeiten können sich vor allem große Ketten leisten, die damit im Wettbewerb einen Vorteil gegenüber den Kleinen haben, die dann noch eher Probleme bekommen. Dabei ist das nicht mal volkswirtschaftlich sinnvoll, da dadurch nicht ein Euro mehr ausgegeben wird. Ebenso werden darunter vor allem die Angestellten zu leiden haben, die dann zu völlig abstrusen Zeiten arbeiten müssen. Wer nicht in der Lage ist, seine Einkäufe von Montag bis Samstag jeweils zwischen 6 und 20 Uhr zu erledigen, sollte seine Planungsunfähigkeit nicht zum Problem Anderer machen.

  2. Woher nimmst Du das Recht zu behaupten, daß ’niemand‘ zu diesen Zeiten arbeiten will? Das niemand froh wäre, zu diesen Zeiten Geld verdienen zu können?
    Btw, ich kaufe ein in Läden, die eingeschränkte Öffnungszeiten haben. Aber die haben eine vernünftige Informationspolitik. Und wenn ich im Einzelhandel arbeiten würde, würde ich mich bedanken dafür, daß ich zu einer so abstrusen Zeit wie 6 Uhr anfangen müßte. Was natürlich für einige Menschen aufstehen um vier Uhr bedeutet.
    Und wieso bis 20 Uhr? Wer nicht planen kann ist selber schuld, denn einkaufen kann man auch von 12-12:30 in seiner Mittgagspause.
    So. Nachdem wir also zusammengefaßt haben, daß es unterschiedliche Vorstellungen von „was ist abstruse Zeit und nicht“ können wir uns vielleicht darauf einigen, daß künstliche Verknappung von Öffnungszeiten aus vorgeschobenen Gründen nicht automatisch funktioniert?
    Oder haben alle kleinen Läden von 6-20 Uhr auf? Nein, haben sie nicht. Sollen wir dann nicht sofort anfangen und die Zeiten wieder einschränken, wo doch offensichtlich nicht jeder aufhat?
    Oder könnte man schlicht anfangen sich einmal mit dem Kunden zu beschäftigen und gerade als kleines Unternehmen sich zu überlegen, was man tun sollte, damit Kunden Stammkunden werden und bleiben, zu Zeiten die der jewelige Handel vertreten kann und haben will?

  3. (Ich wäre Dir dankbar, wenn Du den Kommentaren eine größere Textbox spendieren könntest. Die paar Pixel mehr machen den Braten nicht fett…)
    Ich nehme mir das Recht dies zu behaupten daher, dass ich zum einen persönlich Menschen kenne, die im Einzelhandel arbeiten und zum anderen aus Umfragen deutlich wird, dass eben die Mehrheit nicht wirklich zu solch bescheidenen Zeiten arbeiten will. Dazu kommt, dass der allergrößte Teil der im Einzelhandel Beschäftigten Frauen sind, die bei noch ungünstigeren Schichtzeiten noch mehr Probleme zum Beispiel bei der Organisation von Familie und Arbeit bekommen. Und, um mit dem Märchen mal aufzuräumen, mehr Arbeitsplätze entstehen dadurch keinesfalls – es wird nicht ein Euro mehr ausgebeben nur weil die Öffnungszeiten liberalisiert sind.
    Wie Du richtig erkannt hast, haben kleine Läden in der Regeln nicht von 6-20 Uhr auf. Das sind dann eher Ketten wie Famila (REWE), Tengelmann, Aldi und andere. Das ist nämlich genau der Effekt: Die Großen können ohne Probleme die Zeiten ausdehnen und die Kleinen gehen Stück für Stück den Bach runter.
    Übrigens sehe ich hier keine „künstliche Verknappung“ der Öffnungszeiten sondern vielmehr den Ausdruck dessen was die Mehrheit in dieser Gesellschaft durch Wahlen zum Ausdruck gebracht hat. Dass wir so Leben ist ein demokratischer Konsens, keine künstliche Verknappung.
    Letztlich kommen hier übrigens nicht nur die Interessen der Kunden zum tragen, sondern auch die der Angestellten oder der Ladenbesitzer. Hier einen Konsens herzustellen, ist in meinen Augen eine Aufgabe der Gesellschaft, die dies durch parlamentarische Beschlüsse ausdrückt. Wenn die Mehrheit dann für eine völlige Freigabe ist – bitte schön, das ist Demokratie; ich bin dagegen.

  4. Die Begrenzung der Öffnungszeiten zum Schutz der Tankstellen sollte wirklich aufgehoben werden. :-)
    Ne, im Ernst: Wettbewerb regelt. Wenn in diesem oder jenem Laden dieser oder jener Kette nachts keiner einkaufen geht, dann wird ziemlich sicher die Öffnungszeit kostendämmend angepasst, oder? Und es gibt wirklich Filialen bedeutender Ketten, die schon jetzt die Öffnungszeiten nicht maximal ausdehnen. Z.B. der Aldi hier im Ort hat samstags auch nur bis 16 Uhr auf, nicht 20 Uhr. Also warum aufregen? Andere arbeiten auch nachts.

  5. immer wieder erstaunlich, die Argumente derer zu hören, die es nicht gepeilt kriegen, zu den bereits seit Jahren erweiterten Öffnungszeiten ihre Einkäufe zu erledigen. Für die dürfen dann die Beschäftigten des Einzelhandels sich zu Zeiten die Beine in den Bauch stehen, wo andere ein bißchen shoppen gehen wollen. Aber wenn man schon Dienstleistung verlangt, warum dann bloß von anderen? Warum nicht selbst mit gutem Beispiel vorangehen? Wenn schon Dienstleistung, dann von allen für alle!
    Und dann müssen auch der Zimmermannsbetrieb, die Schlosserei, der Klempner, die Waschstraße oder Behörden und Ämter zu jeder Zeit geöffnet haben. Kunde will das ja schließlich so. Und dann wünsche ich den Freunden verlängerter Öffnungszeiten viel Spaß. Sie können sich dann überlegen ob sie den Krach aus dem Betrieb in der Nachbarschaft in ihrer Freizeit genießen wollen, oder doch lieber wieder einheitliche Ruhezeiten haben möchten. Vielleicht überlegt sich der ein oder andere dann auch, warum nach und nach alle kleinen Einzelhändler verschwinden weil sie dem Druck der langen Öffnungszeiten der Großen nichts entgegen zu setzen haben. Vielleicht überlegt sich der ein oder andere auch, warum er höhere Preise zu bezahlen hat, weil die durch die längeren Öffnungszeiten gestiegenen Betriebskosten über die Preise direkt an die Kundschaft weitergegeben werden. Vielleicht überlegt man sich dann auch mal ob durch die Verlängerung der Öffnungszeiten in der Vergangenheit auch nur ein einziger Arbeitsplatz geschaffen oder mehr Umsatz erwirtschaftet wurde. Aber vielleicht helfen uns die verlängerten Öffnungszeiten dann ja, die Zahl der Toten zu reduzieren, die vor verschlossenen Ladentüren in den vergangenen Jahren verhungert, erfrohren oder verdurstet aufgefunden wurden.

  6. „Möglich bedeutet nicht muß.“ Aber dann hinterher meckern, dass im verschafenen Lübeck die Geschäfte immer noch um 20:00 schliessen, weil es in Lübeck doch nicht so viele Menschen gibt, die einen Tagesablauf wie Frau Simon haben.
    In Grossstädten wie Berlin, Hamburg oder München kann ich das mir vorstellen. Da gibt es auch genug Studenten und andere Arbeitssuchenden, die für kleines Geld sich in den Abend- und Nachstunden hinter die Supermarktkasse setzen.