Nix „Chuzpe“

Nico nennt es Chuzpe, wie sich Schröder offensichtlich in der Elefantenrunde aufgeführt hat, ich nenne es erbärmlich.

Korrektur: Es überrascht mich nicht wirklich als Auftritt. Denn es paßt sehr gut zu dem Bild, welches Schröder in der Vergangenheit gezeigt hat: Wenig Staatsmann, aber viel Rumgeprotze.

Offensichtlich ist es notwendig, CDU und CSU auseinanderzurechnen, damit das gewünschte Ergebnis „wir haben gewonnen“ herauskommt. Es gehört einiges and Blindheit dazu, bei einem Gleichaufergebnis von „deutlich bestätigt“ und „keiner will schwarz-gelb“ zu reden. Politikergeschwafel in aller Bekanntheit – von jemand der wieder Kanzler werden will erwarte ich ein anderes Verhalten.

Hat schwarz-gelb eine deutliche Mehrheit? Nein, genausowenig wie rot-grün. Und wenn keiner von beiden eine deutliche Mehrheit hat, bedeutet das nicht automatisch, daß der bisherige Kanzler weiterhin Kanzler bleibt.

Für mich ist vor allem sichtbar, daß die üblichen Parolen „die machen, daß es Euch schlechter geht“ und „mit uns geht es allen gut, denn wir sind sozial!“ gewirkt haben – stillschweigend mit einbindend, was mich an der SPD schon immer genervt hat: Allen soll es gut gehen – und vor allem soll es niemandem besser gehen, denn das ist ja unsozial. „Die Reichen da“ müssen was abgeben, denn sie haben ja also können sie noch mehr abgeben.

Das hat gewirkt, und die Steigerung dieser Parolen hat im Osten noch besser gewirkt, siehe das Ergebnis der Linkspartei. Wer machtgeil ist, hat wenig Interesse an den wirklichen Inhalten. Wie ‚gut‘ diese Art von Politik wirkt, haben wir in den letzten 7 Jahren sehen können.

Jemand, der bei einem Prozentsatz für seine Partei gleich der anderen großen Partei von deutlichem Sieg spricht; jemand der selbst mit Partner keine eindeutige Mehrheit hat (aber von eindeutigem Wahlauftrag faselt) soll ich zutrauen, sich den wirklich wichtigen, großen Dingen widmen zu können? Das ist Muckiebudenprotzen. Das ist erbärmlich und nicht Chupze.

In UK schrieben die Zeitungen am Montag übrigens von Wahlchaos, keiner klaren Mehrheit, der irritierenden Ansage beider Kandidaten Kanzler/-in werden zu wollen und sonstigen Auswirkungen. Vor allem davon, daß bei nahezu jeglicher Kombination man Deutschland abschreiben kann als Motor für Europa oder als wirtschaftliche Kraft.

Ich denke, sie haben leider recht.

Update mit Link, richtiger Schreibweise, Anführungszeichen und einem Hinweis statt Kommentar: Die Dreistigkeit etwas herausschlagen zu wollen in dieser Situation wird von Nico als ‚gut‘ bezeichnet, um aus dieser eben nicht gewonnenen Situation mit ‚Chuzpe‘ noch zu gewinnen. Ich mag es selbst im Kontext von Politik nicht als gangbaren Weg sehen. Es spricht evenfalls Bände, dieses als ‚genau richtig‘ für die Situation zu beschreiben.

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. FDP und CDU haben zusammen schon seit sieben Jahren keine Mehrheit mehr. SPD und Grüne haben an die PDS verloren und dadurch nun auch keine Mehrheit mehr.
    Das ergibt eine interessante neue Situation, durch die man auch irritiert sein kann.
    Aber Grund für Pessimismus ist das noch nicht — die Parteien können sich jetzt nicht mehr mit Ankündigungen im Wahlkampf und dem Schielen auf Umfragen und Prognosen profilieren sondern müssen der gemäß der ihnen übertragenen Verantwortung handeln.
    Ich glaube, weder Herr Schröder noch Frau Merkel haben dazu das nötige Feingefühl, aber es werden sich in beiden Parteien hoffentlich kluge Menschen finden, die das hinkriegen.

  2. Schröder konnte da nix für. Er war auf Drogen. Ne, nicht was ihr denkt. Endorphine
    http://de.wikipedia.org/wiki/Endorphin
    Der Wahlkampf und das überraschende Finale haben zu einem „Glückshormon“-Ausbruch geführt. Also muss man Schröder milderdende Umstände zugestehen. Egal ob man den Auftritt gut fand oder entsetzt war.

  3. „Chuzpe“ ist der falsche Ausdruck, bedeutet es doch „Frechheit“ auf Deutsch.
    Schröders Verhalten kann man als „mutig“ bezeichnen, da er – trotz verheerender Umfragewerte zu Beginn des Wahlkampfes – tapfer gekämpft hat.
    Schröders Verhalten kann man als „leichtsinnig“ bezeichnen, denn er hat eine (relativ) sichere Mehrheit im Parlement auf’s Spiel gesetz und verloren.
    Schröders Verhalten kann man als „verzweifelt“ bezeichnen, wenn er versucht, die CDU/CSU in zwei völlig eigenständige Parteien zu teilen, damit die SPD „strärkste Partei“ sein muß. Man kann es aber auch als billigen Hütchenspielertrick ansehen.
    Der Kabarretis Volker Pispers machte sich neulich über Schröder lustig und stellte die Frage, was man von Absolventen des zweiten Bildungsweges anderes erwarten könne.
    Schröder mußte schon immer sich (und allen anderen) beweisen, daß er’s draufhat. Und dabei gelang es ihm oft, schneller zu reden als zu denken oder aus Banalitäten Fast-Schon-Staatsaffären zu machen. Wer sich an sein Verhalten in der Affäre um die grauen Schläfen erinnert, die wie durch „Zauberei“ verschwanden, der weiß, was ich meine.
    Daß die SPD einen unwürdigen Wahlkampf geführt hat, der unter die politische Gürtellinie zielte, wurde mit Ausdrücken „Merkel-Minus“ und „Kirchhof-Kahlschlag“ deutlich.
    Nun wird man aber wohl über den eigenen Schatten springen müssen und (wahrscheinlich) groß-koalieren müssen. Nur geht das nicht mit Gerhard Schröder. Denn sein Ego steht ihm im Weg.
    Es ist Zeit, daß die „Alten“ in SPD und CDU/CSU von Bord gehen und neue Köpfe ans Ruder lassen. Köpfe, in denen Platz für Sachdiskussionen und neue Konzepte ist. Wenn’s nur noch darum geht, sein eigenes Ego zu streicheln, dann ist man verkehrt.
    Nur wenige Politiker erkennen, wann es an der Zeit ist, abzutreten und den Platz für eine neue Generation freizumachen.

  4. herr schröder mit seiner telegenen, publikumswirksamen ausstrahlung ist in einer unterschichten-talkshow zur zeit wesentlich besser aufgehoben als in der politik.

  5. In einer Demokratie bekommt das Volk die passende Regierung; sagt sich so schön. Das Volk hat mehr Freude am zusehen statt selbst zu agieren. Wie bei einem Fußballspiel sitzen die besten Stürmer und Torwarte mit dem Bier vor dem Fernseher und maulen über die lahmen 22 Figuren auf dem Platz.