Organspenden, ja bitte.

FOCUS veröffentlicht Organspendeausweise:

Das Nachrichtenmagazin FOCUS veröffentlicht in seiner kommenden Ausgabe am Montag (17.09.07) Organspendeausweise für seine 5,65 Millionen Leser. Das Magazin möchte mit der Aktion eine Entscheidungshilfe bieten, mit der jeder seine Einstellung zur Organspende für den Todesfall überprüfen kann. Derzeit warten etwa 12000 schwer kranke Deutsche auf ein Spendeorgan eines Verstorbenen. Jeden Tag sterben drei von ihnen, weil es nicht genug Spender gibt – jährlich sterben somit 1000 Deutsche, weil sie keine Organspende erhalten. Potenzielle Spender, die ihren Willen mit dem in FOCUS beigelegten Ausweis erklären, könnten sie retten. Zugleich informiert FOCUS redaktionell umfassend über das Thema Organspende.

Hervorhebung von mir. Ich habe zwar keinen solchen Ausweis – was unter anderem daran liegt, daß ich selten Papiere bei mir trage – aber ich habe schon mehrfach meiner Familie zwei Dinge signalisiert:

Organspende ja und wenn die Entscheidung ansteht ob Maschine abstellen oder nicht, dann eher abstellen denn auf Krampf mich am Leben zu erhalten. [Ich weiß meine Familie liest mein Blog, daher auch hierrüber noch mal]. Diese beiden Entscheidungen sind für mich extrem einfach.

Organspende ja oder nein gehört für mich in den Glaubensbereich und in den der Grabkosmetik.
Wenn mir mein Glaube irgendwie eingibt / vorschreibt das mein Körper unversehrt wo auch immer hinsoll, dann ist das okay; aber ich trage solche Gedanken nicht bei mir. Ich glaube an irgendwas nach dem Tod im Sinne von Seele, Kosmos und Karma, aber das ist so diffus und fern und beinhaltet die nüchterne Überlegung daß wenn es ein übergeordnetes Wesen gibt, dieses seine Entscheidung garantiert nicht von einem Stück totem Fleisch abhängig macht. Wenn also mein Körper verwendbar ist, dann sollen sie es um Gottes Willen tun, und wenn es auch nur teilweise ist.

Grabkosmetik im Sinne „aber ich möchte die Tote noch ein letztes Mal sehen und wie sieht das denn aus!“ beantworte ich mit einem einfachen „packt Euch ein Photo auf den Sarg“ und gut ist. Das kann kein Argument sein um solche lebensrettenden Maßnahmen zu unterbinden. Das Argument „aber ich will das doch auch nicht“ ist für mich ebenfalls keines – das ist mein Körper und ich gehöre mir und niemand anderes. (Und wo wir gerade dabei sind: Pappsarg, Urne und anonymes Grab sind auch perfekt. )

Das zweite ist die schwierige Entscheidung im Falle von „keine Aussicht auf Wiederherstellung“. Das ist eine wenig einfachere Entscheidung als bei einem vorhandenen Tod. Aber wenn die Aussicht besteht auf „leben ja, aber dahinvegetieren in einem Körper“ so ist das für mich kein Leben. Mein Leben, meine Person besteht zu einem großen Teil aus meinem Geist und was ich damit anstellen kann. Die Vorstellung nur noch Körper ‚ohne Geist‘ zu sein ist für mich ein Horror und betrachte das für mich als nicht lebenswert. Bemerke: Ich für mich, das ist nicht mein Blick auf andere.

Ich habe noch zu gut meine eigene Oma vor Augen, die – als sie schon lange in die Dunkelheit ihrer Demenz abgeglitten war – in einem der wenigen wachen Momente fragte „Warum laßt Ihr mich nicht einfach kaputt gehen?“. Bei meiner Oma war dieses ein langsamer Prozeß, was etwas total anderes ist als zum Beispiel ein Unfall mit Komafolgen und gegebenenfalls ohne Wiederaufwachen.

Und ich denke, mein Anliegen mit diesem Posting ist einfach – sprecht mit Euren Familien wie Eure Haltung zu dem Thema ist und macht deutlich was das von Euch gewünschte Vorgehen ist. egal ob zum Beispiel für oder gegen Organspende. Ich bin der Meinung das es hilfreich ist zu wissen, was die andere Person will/wollte.

Es wird trotzdem keine einfache Entscheidung für die Angehörigen, aber

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hi Nisi,
    mündlich geäußerte und eventuell im Blog nachlesbare Aussagen „wie Maschine ausstellen, wenn’s hoffnungslos ist“ helfen Dir im Bedarfsfall leider nicht weiter. Kein Arzt hat das Recht, zu entscheiden, ob es hoffnungslos ist. Ein Arzt muss für das Weiter-Leben sein.
    Du musst Kriterien angeben wie „für xx Tage nicht ansprechbar und nicht in der Lage, selbst zu essen / zu schlucken /… “ – das ist echt harter Tobak. Dann funktioniert das Maschine-Ausstellen. Sonst nicht. Manchmal sehen Ärzte darüber hinweg, dass sie nicht entscheiden dürfen – bei Älteren, nicht bei Jüngeren. Zu diesen zählst Du.
    Ausweg in der derzeitigen rechtlichen Lage? Das Papier und die Unterschrift. Eine gute Vorlage findest Du bei der Ärztekammer SH: http://www.aeksh.de/4recht_ethik_goae/recht/patient/PATVER.PDF – einfach runterladen, ausfüllen, gegenzeichnen lassen. Zu den anderen Papieren einen Hinweis mit „ich habe bei Person XX eine Patientenverfügung hinterlassen. Und wenn Du gerade dabei bist, dann fülle doch gleich den Organspendeausweis aus: http://www.organspende-kampagne.de/extra/bestellservice/Organspendeausweis/
    – Interessantes Detail am Rande: Nach Deinem Tod (d.h. insbesondere im Fall eines Hirntodes) fällt Dein Leichnam als Erbe an Deine Erben. Diese entscheiden entgültig über die Organspende. Deine Verfügung ist nicht rechtlich bindend für Deine Erben. Daher ist Dein Posting wohl an dieser Stelle wirklich wichtig. Du machst Deine Erwartungshaltung an Deine Verwandschaft klar.
    Auf ein gutes, langes Leben!
    Judith

  2. Ergänzend möchte ich eine eigene Einzelfall-Erfahrung schildern, die mir aber nach vielen folgenden Gesprächen doch symptomatisch zu sein scheint: Trotz auf Station vorliegender (nach anerkanntem Modell der evangelischen Kirche schriftlich ausgeführter) Patientenverfügung sowie unter Zeugen am Bett mündlich bekundeten Willen des Betroffenen, hat sich keiner der Ärzte auf einer großen Intensiv-Station (44 Betten) einer Universitätsklinik im Stande gesehen, dem Willen des 80-jährigen Patienten zu folgen. Alle bezogen sich auf ungeklärte rechtliche Fragen und erwarteten ansonsten das Schichtende. Viele der Ärzte habe ich nur einmal gesehen, sie waren jung und moralisch unsicher. Der ca. 40jährige Stationsarzt deutete religiöse Bedenken an (Moslem). Sein Chefarzt hatte eine wissenschaftlich begründete Haltung, sinngemäß zitiert: erst wenn der Mensch hirntot sei, könne das Krankenhaus die lebenserhaltenden Maschinen abstellen. Bis dahin sei es für die medizinische Forschung wichtig, den Verlauf zu studieren.

  3. Judith danke für die Links. Mir ist klar daß das kein einfaches Thema ist, aber ich denke man muß sich darüber wirklich Gedanken machen.
    Hm, nicht rechtlich bindend? Ich enterb die, alle. Aber ich werde das mal ausdrucken und meiner Mutter in die Hand drücken.
    Bernhard:
    Die Begründung ist ja wohl der Hammer – ich hätte akzeptiert zu sagen „er lebt noch solange er nicht hirntot ist und es wäre Mord“ aber medizinische Forschung? Großartig. :(

  4. Prinzipiell hätte ich wohl nichts gegen Orgenspende, wenn ich sowieso Tod bin. Ich habe aber vor einer Sache Angst: möglicherweise geben die Ärzte mich früher auf, wenn ich einen Organspendeausweis habe. Denn dann haben sie immerhin einen Anreiz, mich sterben zu lassen: der Ölscheich im Nebenzimmer zahlt vielleicht besser für meine Leber, als ich es selber tun könnte (bin nur gesetzlich Versichert).
    Das klingt vielleicht zynisch, aber ich glaube so ist einfach die Realität. Ein Beispiel dafür sind die Ärzte in China: dort gibt (oder gab) es ein Gesetz, dass die Ärzte nur bezahlt werden, wenn der Patient überlebt. Die Folge war nicht etwa, dass die Ärzte sich bei schwer kranken besonders ins Zeug legen, sondern dass sie schwerkranken die Behandlung verweigerten, da die Wahrscheinlichkeit, nicht bezahlt zu werden, zu hoch war.
    Hier zu schreiben gibt mir aber mal wieder eine Idee: offenabr bräuchte man eine Art geheimen Organspendeausweis, so dass die Ärzte erst erfahren ob ich Spender bin, wenn ich wirklich tot bin.

  5. Es ist eine der Urängste der Menschen der Neuzeit, vorschnell für Tod erklärt zu werden. Jeder Arzt wird um euer Leben kämpfen, wenn es noch eine Chance gibt. Gerade in Deutschland. Im europäischen Ausland wird zT viel früher aufgegeben…
    Zur Organspende ansich: Das ist doch das Beste was mir passieren kann. Mein Tod erfüllt noch einen Nutzen! Ich kann jemand anderem das Leben schenken. Selbst wenn mein Leben total daneben gelaufen ist: Hey, plötzlich hatte mein Leben einen Sinn. Was wäre ich für ein Egoist, würde ich meinen Körper ohne Nutzen von den Würmern zerfressen lassen. Ist es nicht auch für die Angehörigen eine Chance, meinem Tod etwas positives abgewinnen zu können?