Politik 2.0: Wen interessiert das überhaupt?

Geschrieben von Nicole Simon · 29.04.2009 · · Kommentare (0)

Warum geht jemand der wenig bis gar kein Interesse an dem hat, was Parteien heutzutage so veranstalten, am Wochenende nach Berlin zum Politcamp? Ganz einfach. Weil ich nicht grundsätzlich uninteressiert bin, ich finde nur die Art und Weise wie Politik präsentiert und vermarktet wird uninteressant.

Letzte Woche auf der FES Politik 2.0 Veranstaltung (Twitter Ergebnisse) habe ich dann auch einen Namen für jemanden wie mich gefunden: "Bequeme Moderne". Laut Untersuchung von Prof. Emmer sind 18% der Deutschen [Link folgt noch] vor allem getrieben von der Frage "was bringt mir das" und eher politisch uninteressiert. Dementsprechend auch meine Antworten in der Demonstrationsrunde warum ich zum Beispiel auf eine Demonstration gehen soll, wenn ich online viel mehr erreichen kann. Doch Politik muß nicht 1.0ig sein, oder nur von Parteiinteressen geprägt; letzte Woche fand ich die Teilnehmer bereits sehr offen und flexibel, und daher freue ich mich am Wochenende auf das Poltikcamp.

Vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestagswahl stellt sich die Frage, was sich vom US-Wahlkampf auf deutsche Verhältnisse übertragen läßt. Ist Deutschland überhaupt schon so weit oder sind es nur die Politiker, die immer noch nicht auf der Höhe der Zeit sind? Gerade im Superwahljahr 2009, ein Jahr mit insgesamt 16 Wahlen, müssen diese Fragen diskutiert werden. Dafür soll es nun das Politcamp09 geben.

Das Politcamp09 wird ein gegenseitiger, überparteilicher und konstruktiver Austausch zwischen Theorie und Praxis sein. Über 500 Internetexperten, Wissenschaftler, Politiker und ganz normale Internetnutzer werden sich dort treffen und diskutieren.
Über 600 Teilnehmer werden zusammenkommen, und die Liste der über 30 Vorschläge Vorschläge im Wiki sieht jetzt schon superspannend aus. Noch sind ausserdem ein paar Tickets für 39 € vorhanden. Auch Twitter buzzt schon über #pc09.

Meine Favoriten aus der Vorschlagsliste bisher:

  • Web 2.0-Tools an Old-School-Organisationen "verkaufen" Die Generation Web-2.0 kennt die vielen Tools, aber die Entscheidung über eventuelle Budgets wird von Old-School-Anhängern in den Organisationen getroffen, die oft den damit verbunden Kontrollverlust befürchten. Lassen sich Entscheidungsträger in den politischen Organisationen überzeugen? Wir tragen außerdem zusammen welche "niedrigschwelligen" Tools sich dennoch "verkaufen" ließen. (Moderator:Torsten Bünning)


  • Web 2.0 & Journalismus: Ähm, ja, was genau ich da machen werde, ist mir jetzt noch unklar. Auf jeden Fall reden. Also sprechen. Über arrogante Torwächter und die stupiden Massen. Über blöde Blogger und dumme Journalisten. Und warum jetzt alles anders wird, aber doch eigentlich so bleibt, wie es ist. Sowas, in dem Dreh, so ungefähr: (Dirk Baranek)


  • Das Ende des deutschen Parteienstaats Wann kommt er und was kommt dann? Mich hat der Artikel von Gabor Steingart auf SPON vom 9.3. endgültig aufgerüttelt. Die Parteien müssen sich wandeln, sich den Bürgern radikal öffnen - sonst wird die Kluft zwischen Bürgern und Politik immer größer. (vorgeschlagen von Moritz Avenarius)


  • Online-Dialogkultur vs. politische Kommunikationskultur - was trifft da aufeinander? Web2.0-Werkzeuge ermöglichen eine auf transparentes Feedback und offenen Dialog angelegte Diskussionskultur. Politische Diskurse dagegen sind immer wieder geprägt von Interessenskonflikten, Machtkämpfen und Hinterzimmerentscheidungen. Ich würde gerne diskutieren, welche grundlegende Haltungsänderung in den Köpfen vieler politisch Aktiver notwendig ist, um zu einer veränderten politischen Kultur zu gelanden, die ernsthaft die Möglichkeiten des neuen Internets ausnutzt (vorgeschlagen von Moritz Avenarius)


  • Facebook im Wahlkampf sinnvoll einsetzen - warum Einladungen zu Bandenkrieg von MdBs an Facebooker nicht der richtige Weg sind... Es gibt einen Run der Politikszene aus Deutschland auf Facebook. Das ist zunächst ok. Vielfach wirken die Wahlkampfaktivitäten in Facebook aber wahllos, verlegen und nicht strategisch überlegt. Dabei sein ist alles? Nein! Wir unterhalten uns in dieser Session über den Einsatz von Facebook der Sinn macht für die eigenen Wahlkampfziele. Wie kann mir Facebook beim Wahlkampf helfen, was sollte ich tun? Wovon lasse ich besser die Finger? Was bringt Facebook für lokale Kandidaten? Was für MdBs? Welche Tricks und Kniffe bringen mich nach vorne. Ich bringe ein paar Erkenntnisse aus dem TSG-Wahlkampf, aber auch Learnings von lokalen Kandidatinnen aus den USA mit, die wir dann gemeinsam diskutieren können. Ziel könnte die Erarbeitung einer 10 Punkte Guideline sein.(Oliver Zeisberger)


  • Die Wahl im Social Monitoring - Vorstellung und Diskussion unterschiedlicher Monitoring-Möglichkeiten der Social media Aktivitäten im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009. Diskussionrunde mit: Klas Roggenkamp (www.wahl.de), Patrick Brauckmann, Robert Kirsch und Christof Fischoeder (www.wahl-im-web-monitor.de, Weber Shandwick), Maik Bohne (IIPG) und weiteren. Ziel ist die Auseinandersetzung über Methoden und Möglichkeiten sowie die Rückwirkungen und Schlüsse für den aktuellen Online-Wahlkampf der Parteien.


  • Das bin ja gar nicht ich! - Fakes, und damit umgehen - Wenn schon "führende Medienforschungsunternehmen" darauf reinfallen, dann sicher auch der "normale Bürger". Wie man Fakes erkent, was es für Fakes gibt, und v.a. wie man damit umgeht wird Thema der Session sein. Malte Krohn und Klas Roggenkamp tragen alles zusammen, was es zu dem Thema zu sagen gibt. (vorgeschlagen/vorgetragen von Klas Roggenkamp / Malte Krohn)


  • Internet-Sperren: Zensur oder notwendige Regulierung? Die von der Bundesregierung derzeit mit Hochdruck betriebene Einführung von Netzsperren ist heftig umstritten. Während die große Koalition es als notwengien Teil einer Gesamtstrategie ansieht, befürchten Netzaktivisten den Aufbau einer Zensurinfrastruktur - eine vermittelnde Kommunikation findet nicht statt. Die Podiumsdiskussion soll verschiedene Aspekte beleuchten und einen Einstieg in ein weniger aufgeregtes Gespräch über die Seiten hinweg darstellen. Teilnehmer: Alvar Freude, Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur (AK Zensur); Christian Müller, Vorstand der STRATO Rechenzentrum AG; verschiedene Politiker (angefragt). Moderation: Ralf Bendrath, Netzpolitik.org.





Dieser Artikel wurde geschrieben: 29.04.2009 - 10:45.



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