Podcaster sind keine Radiojournalisten

Nach diversen Fluchereien über nicht funktionierende Wlanverbindungen bin ich jetzt endlich im zweiten, mir bekannten freien Wifi-Spot in Lübeck, der café lounge, ‚drin‘ und lausche währenddessem dem Ifa-Podcast mit dem Schnippel „>Radio und Podcasting“ und wieder einmal sehen wir die Diskrepanz zwischen „etabliertem Radio“ und den „Schülerzeitungs-Podcasts“.

Die gleiche Naivität, die wir rund um Blogs erleben, kommen jetzt in Bezug auf Podcasting, bzw. sind wir schon mitten drin.

Aber Podcasting liefert mir nicht mehr das Erlebnis „20 Uhr die Nachrichten“. Ja, so what? Ich schaue seit Jahren kein Fernsehen mehr.

Podcasting ist so wie Schülerzeitung, und die die dann professionell werden wollen, gehen zu „richtigen Radiosendungen“. Radiosender sind nicht der Nabel der Welt.

Aber jetzt kommen auch Podcast, mit denen Geld verdient werden soll. Ja und mit Blogs auch, so what.

„Verlust der Kontrolle über den Hörer?“ Ich möchte Euch ja nicht enttäuschen, aber die habt Ihr auch schon seit Jahren nicht.

„Wir haben aber die wertvolleren Inhalte.“ Wirklich? Ich höre seit fast einem Jahr soviel Audio, wie seit Jahren nicht.

Natürlich ist es eine rhetorische Auseinandersetzung meinerseits mit dem Thema, denn ich bin „podcast und blog addict“, gibt es Chancen, die man damit nutzen kann. Es gibt _neue_ Bereiche, die man nutzen kann und sich entwickeln kann. Es entsetzt mich einigermaßen, wenn Verantwortliche in einer solchen Diskussionsrunde so ‚clueless‘ sind, so unwissend, daß in dieser neuen Internetwelt nicht die Masse, sondern die Klasse das Ziel ist.

Viele haben Angst davor, von der „Maschine der großen Radios“ überrannt zu werden. Nun, wer das Massenpublikum ansprechen will, wird schlechtere Chancen haben, denn dort haben die großen Anbieter ihre Vorteile.

Aber der wirkliche Markt, der Nischenmarkt, ist offen für jeden. Aber das gefällt nicht jedem (gleich wie bei Blogs). Ein umkämpfter Markt exisitiert und wir Podcaster spielen auf einmal auf einem ganz anderen Spielfeld. Ein anderes Spiel. Nach neuen Regeln, die wir immer wieder neu entwickeln und anpassen. Machtverlust, Prestigeverlust. Sowas hat solchen Spielern noch nie gefallen.

Spielt nur weiter. In der Zwischenzeit erreichen Individuen wie ich Verbindungen, die vorher nicht möglich waren (auch nicht mit Bloggen.) Bekommen Kontakte. Und ich bin keine „anti Kommerztussi, die Linux liebt, und Wollsocken trägt“. Okay, Wollsocken schon, ich habe als Frau halt kalte Füße.

„Wir“ erreichen ein Publikum, welches Ihr Euch nicht vorstellen könnt in Eurer Beschränktheit. 🙂

Wie sagte mir doch noch eine „Trainerin für Kommunikation im Radiobusiness“, als sie mich mütterlich zuseite nahm in einem Seminar im Offenen Kanal? Ich müßte lernen, mit meiner Stimme mehr auszugreifen, mehr die Aufmerksamkeit meiner Hörer zu erhaschen, so würde das mit mir nichts werden … das müßte ich verstehen.

Ich verstehe. Ich verstehe, daß ich mit meiner „falschen Art“ für Radio Interviews für Radio, Fernsehen und Vorstellung in Büchern erreicht habe. Ich habe Menschen kennengelernt, von denen ich nie geträumt hätte, daß ich sie treffe. /prollig.

Interessiert das ein Massenpublikum? Um Gottes Willen, nein. Ich würde mich fragen, was ich falsch mache, wenn dem so wäre. Lohnt sich das? Ja. Kann man damit Geld verdienen? Ja. Kann man Spaß haben? Ja. Muß man dafür den „Regeln“ der alten Welt folgen? Nein.

Liebe Dinosaurier, viel Spaß in der neuen Welt.

Und, wie ist Euer Sonntag so?

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

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