Qype ist toll. Für die Betreiber.

Qype, eines der hippen Themen momentan, finden die meisten klasse.

Die Betreiber bieten eine Plattform in der dank voreingeladener Adress- und Geschäftsdaten viele Lokalitäten schon vorhanden sind. Dank eines guten Suchmaschinenrankings sind sie damit an vielen Stellen schon Treffer Nummer eins für diese Orte. Besucht jemand die Seite und findet nicht was er will, so klickt er sich meistens mit Werbung weiter. *katsching* sagt die Qype-Kasse.

Dann sorgen eine Menge von Nutzern für neuen Content (= mehr Suchmaschinentreffer, mehr *katsching*), und pflegen auch die alten Adressdaten und fügen neue hinzu – klasse, muß man niemanden dafür bezahlen. Weniger Ausgaben in der Qype-Kasse.

Erhält der User eine Mail (neue Kommentare etc), so muß er auf die Seite gehen und sich diese ansehen; er kann herumstöbern und versuchen Orte zu finden, wo es noch keinen Eintrag gibt – weil das gibt mehr Punkte. Punkte, da kommen wir gleich noch zu. Viele Pageviews klingt immer gut – ich warte noch auf die neuen Verlautbarungen der Presseabteilung, die sich mit diesen ekligen „tollster, erster, bester“ Attributen schmückt, wie so viele Pressemitteilungen heutzutage.

Die Webseite an sich kann also sehr gut ein Einfallstor für sehr, sehr viele Geschäfte werden, wenn jemand danach sucht. Aber auch an die Betreiber ist gedacht – sie brauchen keine eigene Webseite mehr, sondern geben einfach ihre Daten auf Qype ein. Noch mehr Datenpflege, noch mehr Content.

Neben diesen Dingen ist Qype auch noch Lieferant für Google zur Anzeige auf *deren* Seiten – inklusive Werbung, an der Google verdient. Ich bin mir sicher, daß Google und Qype eine für beide Seiten funktionierende Partnerschaft erzeugt haben, an der beide verdienen.

Wir haben also eine ganze Menge Leute, die an Qype verdienen, nur eine Gruppe nicht: Die, die den Content erstellen, also die eigentliche Grundlage dafür schaffen, daß Qype Daten hat, die es verkaufen und (aus) nutzen kann.

Verzeihung – natürlich bekomme ich als User etwas: Punkte!

Eine angenommene Einladung bringt neu 4 Punkte, ein Beitrag zu einem neuen Ort ebenfalls und ganz frisch gibt es den Qype Insider: Wer mehr als 250 Punkte erreicht wird Qype-Insider und bekommt ein buntes Paket mit T-Shirt und Aufklebern und Schlüsselanhänger.

Da bemüht man sich doch noch umso mehr, die Artikel ausführlich zu schreiben (gibt Punkte für hilfreich und gut geschrieben!), Fotos zu erstellen und hochzuladen (gibt Punkte!) und Freunde einzuladen, als Kontakte hinzuzufügen und Kommentare zu schreiben.

Und es gibt noch mehr:

Wir richten spezielle Events aus zu denen nur Insider Zugang haben. Der Nächste findet im Dezember in Berlin statt.

Wow! Bin ich die einzige, die hieraus „gebe Dir bunte Glasperlen für wertloses Gold!“ denkt?

Ich finde es ja ganz nett vielleicht ein paar Beiträge zu schreiben und anderen damit zu helfen, jedoch ist mir die Gegenleistung der Firma Qype etwas dürftig. Die gewonnenen Texte mit weitreichenden Nutzungsrechten für eines der heißesten Themen im Suchmaschinenmarkt (=lokale Suche) gegen Punkte inklusive möglicher Analysen für Nutzungsverhalten ist einiges wert.

Die Webseite igoyougo zum Beispiel belohnt Berichte und Fotos von Orten, Reisen und Geschäften der Mitglieder ebenfalls nach Punkten und hat eine Übersicht was was wert ist. Diese Punkte kann ich dann später eintauschen gegen Prämien aller Art, zum Beispiel Flugmeilen oder Einkaufsgutscheine. Einfach gesagt: Für 3000 hochgeladene Photos erhalte ich einen genügend Meilen für einen Freiflug in die USA (Steuern noch dazu, aber immerhin).

Travelhiker ist eine neue social networking Seite rund um das Thema Reisen die sich laut Techcrunch UK damit hervorheben will das die Mitglieder auf der Seite ihren eigenen Adsense-Code einbauen können und damit ebenfalls an dem Erfolg der Seite partizipieren können.

All diese Seiten sind web zweinullig – und zwei davon geben mir etwas vom Kuchen ab, und eine sagt ’null‘ zu mir.

Warum soll ich also anfangen, meine Arbeitszeit auf Qype einzusetzen, wenn der einzige, der keinen wirklichen Gewinn draus hat, ich bin? Warum sollte ich nicht stattdessen viel lieber die Artikel schreiben und auf eigene Seiten stellen? Sicher, ich habe nicht die Reichweite die Qype hat und erhalten wird, doch das schöne an der neuen Welt ist ja gerade, daß es nicht mehr nur die großen sind, die gewinnen können, sondern einzelne Themen erfolgreich sein können.

Natürlich gibt es auch andere Seiten, wo Menschen etwas hinzufügen ohne etwas monetär zurückbekommen, zum Beispiel Tripadvisor. Hier zeigt sich schon, wo Qype hinwill: Man gebe das Hotel seiner Wahl ein, irgendeines, und spätestens der zweite Link geht zu Tripadvisor.

Was habe ich gegen Qype? Nichts. Ich finde die Seite nett und werde das Spiel auch mitspielen, ich möchte nur das sich die Teilnehmer klar darüber werden, daß sie Adresspflege betreiben, Lokalisierung erlauben, Content liefern und optimieren ohne dafür entlohnt zu werden.

„Steht nicht immer meine Name und mein Profil dabei?“ mag jetzt jemand fragen? Ja – auf Qype. Dort werden zumindestens die Texte mir zugeordnet, nicht jedoch wie auf Tripadvisor meine Fotos.

Sobald die Daten aber außerhalb verwendet werden wie zum Beispiel in der Bewertungsübersicht von Google, dann wird nur mit dem zweiten oder dritten Klick gezeigt, wo die Information herkommt. Und der Schreiber ist dann nicht mehr wichtig, sondern die Information.

Werde ich also in Zukunft auf Qype Inhalte schreiben? Klar doch. Es gibt Punkte und einen Elite-Tier, ein zu analysierendes Punkte-System und dann geht der Spaß los. So etwas konnte ich noch nie wiederstehen.

Den Betreibern jedoch schlage ich vor, sich beizeiten ein brauchbareres Modell der Mitarbeiter-Entlohnung auszudenken als ein paar Aufkleber und Schlüsselanhänger …

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Nicole, das Thema ist schon etwas alt, aber verdient eine ausführliche Antwort.
    1. Wenn wir pro Beitrag Geld zahlen würden, würden wir am Schluss so dastehen wie Doyoo oder ciao als sie das gemacht haben: Jede Menge trash als Content. Wenn wir abhängig von Anzeigenerlösen bezahlen würden, hätten wir nur noch Einträge zu Krankenversicherungen und Hotels, aber nichts spannendes mehr.
    2. Allgemeine Tipps von Sonnenuntergang bis Schuster lassen sich nicht so einfach direkt „monetarisieren“ wie Reise-Tipps. Wer für Geld schreiben will, muss halt Reisetipps schreiben und dann irgendwo 2,6 ct pro Beitrag bekommen. Oder 300 eigene Fotos machen, um an einen Freiflug im Wert von 60 Dollar zu kommen, wie in der von Dir zitierten Website, das macht 4 Euro Cent je Bild.
    Das würde mich persönlich wenig motivieren.
    Das heißt, die primäre Motivation kann nicht über Geld kommen.
    Bei Qype geht es doch darum, die eigene Meinung im Kontext zu publizieren und zwar genau da, wo sie auch gelesen wird.
    Das Insider-Programm ist ein Goodie für diejenigen, die ganz besonders viel machen. Und kommt bei allen bislang auch extrem gut an.
    Es soll niemanden dazu bringen, bei Qype etwas zu tun, was er nicht sowieso schon gerne tut.

  2. bei Qype etwas zu tun, was er nicht sowieso schon gerne tut…
    Content zu liefern für Seiten an denen der Betreiber, die „Location“ und google verdienen, aber man selbst die Arbeit hat. Wer tut das gerne? Bei wikipedia steht der Nutzen für die Allgemeinheit und die nicht-kommerzielle Sache im Vordergrund. Bei Foren ist es die Gemeinschaft, zu der man Informationen zusteuert und selber Informationen erhält. Bei Qype gibt es diese umrissene Gemeinschaft nicht. Alles ist offen ersichtlich und mit Suchmaschinen einsehbar.
    Ein wenig mehr über die Motivation der user würde ich gerne erfahren. Die ist mir ein wenig rätselhaft.

  3. Ich finde es auch interessant daß Du in Deinen Antworten genau auf die Teile eingehst, die nach draussen logisch erscheinen. Mit besonderer Betonung auf den User. Und mit offensichtlich abstrusen Beispielen die meiner Argumentation folgen aber dem normalen Leser signalisieren sollen, daß Ihr so schlecht nicht seid.
    Denn, wer will schon Dinge über einen Schuster lesen, daß ist ja nix wert.
    Stephan, bitte versuche mir nicht zu erzählen das man mit komischen Begriffen kein Geld verdienen kann nur weil sie offensichtlich in klassischer Werbung wenig Ertrag bringen, ich verdiene einen Teil meines Lebensunterhaltes damit.
    Und Trash kann Euch im gewissen Maßstabe auf der Plattform egal sein, denn wenn es Geld einbringt kann man es drin lassen, die einzige Herausforderung ist dann wie man es im Kontext für den normalen Qype-Besucher abwertet – weil er sich nicht dafür interessiert.
    Wenn es nur der Kontext wäre, die Plattform und die Benutzer, dann wäre es vielleicht noch okay, aber das ist es nicht alleine. Menschen deren einziges Interesse darin liegt die Welt zu verbessern sind in der Regel nicht in der Lage sowas wie Suchmaschinenoptimierung vorzunehmen.
    Und just for the records: Ich bin keine blümchenkleidtragende Weltverbesserin die Kapitalismus böse und gemein findet, ganz im Gegenteil. Ich mag es nur nicht für naiv verkauft zu werden.
    Ich sehe gerade, daß mein Beispiel von igoyougo nicht ganz richtig gerechnet war, aber es ist weitaus mehr als nur die 4 ct (wo bitte kaufe ich Flüge in die USA für 60 Dollar?) – und jeder Eurocent ist mehr als ich bei Euch bekomme.
    Ich habe gelesen, daß Dir die Erkenntnisse und Vorgänge in größeren Unternehmen suspekt sind (ich verweise da nur auf Deine Erkenntnisse bez. Startup versus großes Unternehmen), daher ein Tip: Mitarbeiter-Motivation erzeugt man nur selten über Geld, es sind andere Faktoren die hierbei eine starke Rolle spielen.
    Da Qype keine Wikipedia ist – wie Tim richtig sagt mit einem anderen Hintergrund – sondern eine Firma die Marktführerschaft anstrebt ist es durchaus angebracht, von Euch auch Dinge einzufordern, mit denen Ihr Euch schon sowieso beschäftigen müßtet.
    Tim: Die Motivation ist einfach. Die Liste der einzelnen User mit einer Übersicht wurde ja gerade runtergenommen, vorher war sehr einfach zu sehen, wieviele der User wieviele Beiträge hatten. Die Topuser können -wenn man es einigermaßen systematisch angeht – relativ schnell verändert werden. Ein paar strategische Postings und es sollte kein Problem sein die Top100 zu machen.
    Für die ist das ein Spiel um die Punkte, ein Teil hat sicherlich das Interesse wie von Qype gewünscht und der Rest sind Suchmaschinentreffer.
    Das Model mit dem Insider ist auch ganz interessant, meines Erachtens aber auch nicht so einfach skalierbar – wie willst Du die Teilnehmer zufriedenstellen, wenn es auf einmal soviele mehr werden und Du die gleichen Mechanismen anwenden willst?
    Was mich aber doch noch interessieren würde – gibt es auf den Qype-Parties schon Schaumbäder? 🙂

  4. zitat nicole
    Den Betreibern jedoch schlage ich vor, sich beizeiten ein brauchbareres Modell der Mitarbeiter-Entlohnung auszudenken als ein paar Aufkleber und Schlüsselanhänger …
    Noch bevor ich Stephans Kommentar gelesen hatte, kam mir auch Ciao.com in den Sinn … das ich nie nutze, weil ich unlesbar lange Meinungen zum neuen Pizzaschneider, der ach so hüsch verpackt ist, der sich so einfach aus der Packung schälen lässt, der so angenehm riecht und so gut in der Hand liegt usw. einfach nicht lesen will.
    Ich bin froh, dass Qype keine monetäre Belohnung bietet. Ich bin zwar selbst ein begeisterter Prämienjäger, aber Ciao.com ist für mich eine Katastrophe. Ich finde auch, dass das bei Qype Einfluss hat auf die Qualität der Beiträge und auch was die Leute lesen wollen. Ich sehe ja, welche meiner Beiträge als hilfreich bewertet werden. Es sind die, in denen ich von persönlichen Erlebnissen berichte, und nicht nur allgemein die Location beschreibe.
    zitat tim
    Content zu liefern für Seiten an denen der Betreiber, die „Location“ und google verdienen, aber man selbst die Arbeit hat. Wer tut das gerne? Bei wikipedia steht der Nutzen für die Allgemeinheit und die nicht-kommerzielle Sache im Vordergrund.
    Wikipedia ist ein ehrbares Beispiel mit Nutzen für die Allgemeinheit. Aber kann etwas nur gut sein, wenn nicht kommerziell ist? Amazon verdient auch an unseren Rezensionen, ebenso die Preissuchmaschinen usw usw. Und gerne verlassen wir uns auf die Meinung Anderer.
    zitat tim
    Bei Foren ist es die Gemeinschaft, zu der man Informationen zusteuert und selber Informationen erhält. Bei Qype gibt es diese umrissene Gemeinschaft nicht. Alles ist offen ersichtlich und mit Suchmaschinen einsehbar.
    (Fast) alles ist im Internet offen einsehbar, auch das Wissen in Foren. Ich versteh hier den Unterschied nicht, der entsteht, dass Qype-Empfehlungen in Google-Maps zu finden sind.
    zitat nicole
    Die Topuser können -wenn man es einigermaßen systematisch angeht – relativ schnell verändert werden. Ein paar strategische Postings und es sollte kein Problem sein die Top100 zu machen.
    Wie genau soll das gehen mit den strateigschen Postings? Um in die Top 100 zu kommen muss man schon einiges schreiben. Und man kann sich ja auch nichts aus den Fingern saugen, sondern es muss halbwegs nachvollziehbar sein. Da setzen dann auch wieder die Selbstreinigungskräfte einer Community ein.
    zitat tim
    Das mit den Insidern nutzt sich schnell ab, weil man die Latte immer höher legen muss. Nach einer Weile haben Neueinsteiger nur wenig Chancen jemals zu den „Insidern“ zu gehören.
    Wieso nutzt sich das System schnell ab? Das ist ein stinknormaler Activity-Status, wie ihn fast jede Community nutzt. Auf mehrere Stufen ausgeweitet funktioniert er wunderbar.
    Das klingt jetzt vielleicht etwas zu unkritisch …
    Ich beobachte Qype auch und frage mich, ob die kritische Masse rechtzeitig überschritten wird, damit man mehr sinnvolle Treffer findet. Ich frag mich auch, ob 4 Punkte für eine erfolgreiche Einladung nicht zu viel sind. Ich hab so viele Zweit-eMail-Adressen, dass ich mich damit problemlos um 100 Punkte hochschrauben könnte und Qype um ein paar nichtaktive User reicher machen könnte. Aber mogeln kann man immer. 😉

  5. Wenn eine Seite nur positive Bewertungen belohnt, schaufelt sie sich damit ihr eigenes Grab das ist klar. Es muß schon etwas intelligenter sein.
    Und ja, mit den Einladungen hast du schon eine Idee in die Richtung wie einfach man so ein System aushebeln kann. Wie ich schon sagte. Das ist ein Spiel, was man zu zweit spielt. 🙂

  6. hm … missverständnis. mit „unlesbar lang“ meinte ich, dass die beiträge zu lang sind und zu wenig auf den punkt kommen. und dass jeder schrott beurteilt wird. 😉