Schienenersatzverkehr

Noch ein Grund mehr für eine mobile Internetverbindung. Eigentlich sollte ich genau jetzt in Lübeck HBF einfahren und mich nach einem netten Kurztrip in die Hauptstadt jetzt in Richtung Bett bewegen können.

Die Fahrt von vom neuen Berlin Hauptbahnhof nach Hamburg war kurzweilig – 1,5 Stunden ist wirklich keine Entfernung mehr. Die Ansagen der Anschlußverbindungen die üblichen – Bremen, Kiel, auf Wiedersehen und gute Nacht.

Huh? Wo bleibt Lübeck?! „Aufgrund eines Vorfalls besteht zwischen Hamburg Hauptbahnhof und Ahrensburg ein Schienenersatzverkehr, ab dort wieder normale Anbindung. Bitte bewegen Sie sich Richtung x.“ Supa.

Schlimmes ahnend setze ich mich an die Spitze der aus dem Zug entströmenden und der kleine Gelenkbus ist bereits voll. Ein kurzer Check der Zeiten ergibt daß der Trip nach Ahrensburg 40 Minuten dauern soll und sie nicht wissen, wann der nächste Bus kommen soll.

Nach kurzem Überlegen verwerfe ich daher die Idee, auf den nächsten Bus zu warten und ergattere noch einen unbeachteten Klappsitzplatz.

45 Minuten später befinde ich mich nun an besagtem Bahnhof, auf dem wir noch ca 40 Minuten weiter warten dürfen – schließlich wird der normale Plan zwischen Ahrensburg und Lübeck angehalten.

Mein Laptop ist zum Glück aufgeladen, leider kein Funknetz in der Nähe.

From the department of common sense: Wenn ein Bus voll mit entnervten Reisenden ankommt, die gerade alle Stationen des Regionalexpresses kennengelernt haben (weil, an den Stellen hat der Bus natürlich gehalten), dann beantworte ich nicht einzelne Fragen aller nacheinander eintröpfelnden Reisenden (und werde nicht pissig, wenn innerhalb von 5 Minuten drei mal die gleiche Frage kommt, vor allem nicht, wenn ich offensichtlich das schon ein paar mehr Jahre betreue.).

Und erst recht nicht, wenn alle Schilder auf dem Bahnhof sagen „Gleis 3/4 für Strecken nach Lübeck“, er aber die Leute aufhält, weil die Züge von Gleis eins und zwei fahren.

Wenn ich dann noch – am Dialekt erkennbar – eine Ansammlung von Leuten vor mir habe, die offensichtlich keine Ortskenntnisse haben, aber verstehen das um 22:58 ein Zug nach Bad Oldesloe gehen soll, aber der nach Lübeck erst um zwanzig nach, dann verwirre ich sie nicht, sondern gebe klare Anweisungen in lauter Stimme.

„Lübeck, Gleis eins, Abfahrt ab 23:20, Zug nur bis nach Oldesloe Gleis zwei, wenn Sie die letzten Anschlußzüge nicht mehr erreichen bitte wenden Sie sich an den armen Menschen dort vorne, damit er Ihnen Taxigutscheine organisieren kann. Die Herren Soldaten, die jetzt schon mehrfach bei mir waren und erfahrungsgemäß *immer* mit dem letzten Zug nach X versuchen zu kommen bitte alle dahin, damit wir vielleicht schon mal anfangen können, Gruppen zu bilden aka Sammeltaxis“.

Ich sehe gerade, daß der Zug nach Oldesloe, der um 22:58 fahren sollte, 23:08 immer noch hier steht. Ein Kommentar aus dem Hintergrund lässt mich vermuten, daß auch wir nicht um 23:20 losfahren werden, sondern wahrscheinlich noch auf einen weiteren Bus versuchen zu warten.

Es gibt bestimmt Regulierungen für solche Fälle als auch Beschränkungen, was diese Menschen tun können. Aber die Aussage „wenden Sie sich dann in Lübeck an den Servicepoint“ ist etwas *hust* optimistisch, denn der macht um 20 Uhr zu.

23:11. Der Zug nach Oldesloe fährt ab. Die Bundis um mich herum fangen an, mit ihren Händies zu spielen, sich gegenseitig Klingeltöne vorzuspielen und Fotos zu machen, und sich zu erzählen, wie lange sie noch haben. Ein Furzwettbewerb hat begonnen. Ich wohne zum Glück nur 5 Minuten vom Bahnhof entfernt.

23:25 – ein Herr geht an mir vorbei mit zwei Flaschen Selter, die er wohl aus dem Schweinske nebenan besorgt hat. Ich vermute, die haben heute ein ganz gutes Geschäft mit all den wartenden Teilnehmern. Drüber nachdenkend finde ich es allerdings mutig von ihm, jetzt noch aus dem Zug zu gehen, kann der doch jede Minute losfahren.

23:30: Schreie von hinten, die ich nicht als halt oder nur Wutschreie identifizieren kann. Ein Girlie oder so berichtet panisch den Eltern, sie müsse ja jetzt gleich abgeholt werden.

Frage: Der Bus kam hier um 22:40 an, jetzt ist es 23:30, gilt das langsam als über eine Stunde Verspätung?

Ich habe fast die Vermutung, das wir hier noch länger hängen, denn wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich den Zug *vor* dem letzten des Tages genommen, damit ich bei Verspätungen an Hamburg noch eine Chance hätte. Hm. Ich will es nicht beschreien.

23:35 neue Reisende tauchen auf, offensichtlich der dritte Bus der ankommt. *seufz*

23:37 ein Dingdong aus den Zuglautsprechern erzeugt Hoffnung.

23:40 – immer noch nicht gestartet. Zweiter Dingdong. Auf dem anderen Gleis fährt schon wieder ein Zug nach Oldesloe ab. Hä?

23:45. Der Zug fährt immer noch nicht.

23:46 – anderer Dingdong-Ton. Ein paar Sitze weiter glauben zwei Blondinen, daß sie in Lübeck einfach nur zum Servicepoint gehen müssten für die Taxischeine.

23:48 – der Zug fährt los – ENDLICH!

00:15 – Lübeck HBF.

Gilt entgleister Zug als besondere Umstände, oder kann ich die jetzt wegen über einer Stunde Verspätung nerven?

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Nich lang schnacken – moken: Ab in den vodafone-Shop und so eine HSDPA-UMTS-PC-Card mit Vertrag gekauft.
    Hinweis: e-plus lieber nicht (obwohl preislich interessant): Zwischen Hamburg und Lübeck wird es empfangstechnisch nicht so prall sein.