Schreibmaschinenkurse für Jugendliche

Morgens, halb zehn im Zug nach Hamburg. Na gut, zehn. Neben mir sitzt ein „junger Mann“ – offensichtlich ein Student, und tippt wohl seine Hausaufgaben zusammen. Die Notizen auf einen Block eng geschrieben, den er auf den Abfallbehälter in diesem Nahverkehrszug gelegt hat, ab und zu der Griff zur Seite zum Buch und schaut konzentriert auf seinen Laptop. Auffällig an ihm ist die Selbstverständlichkeit mit der er im Zehn-Finger-System seine Notizen niedertippt.

(Lange Beine haben übrigens einen großen Vorteil – sie schaffen einen rechten Winkel der es viel einfacher macht am Rechner zu tippen, während ich mit kürzeren Beinen immer etwas zum Aufsetzen brauche. )

Während viele in meinem Alter und drüber nur so tippen wenn sie zu einem Kurs gezwungen wurden, tippen die meistens im 2-4 Fingersuchsystem. Das kann auch sehr schnell gehen, dauert aber bei den meisten recht lang.

Schaue ich mir den Jungen aber an stelle ich mir die Frage: Wann hatten es Eltern je leichter, ihre Kinder zu einem Schreibmaschinenkurs zu bewegen?

„Komm, wenn Du das gelernt hast kannst Du noch viel schneller chatten!“ E-Mail zieht ja wohl nicht mehr, aber für Chat am Computer sollte dieser Trick noch funktionieren. „SMS tippen kann ja jeder!.

Denk ich mir jedenfalls so. Irgendwelche Erfahrung anwesender Eltern mit Teenagern? Ich erinnere mich, daß es für Kinder nicht einfach ist an normalen Mäusen (geschweige denn Tastaturen) zu arbeiten und ich weiß, daß es spezielle Mäuse für Kinder gibt, aber Tastaturen?

Anderfalls machen Übungen zum Lernen wenig Sinn, denn Tasten / schnelles Tippen leben davon, daß man eben blind tippen kann. Das sind Muskelbewegungen in ganz bestimmter Form und Anordnung, die nach einer Weile (so der Idealfall) automatisch ohne Nachdenken erfolgen.

Weswegen es auch wie zum vierten Mal tippen lernen ist, jetzt mehr auf Englisch zu schreiben – die Standard-Buchstabenfolgen sind einfach andere. Was auch neue Standardfehler nach sich zieht. Beruhigt hat mich gestern eine Nachricht von jemandem der auch ein ic im Namen hat – er tippte es auch ci obwohl er aus einem anderen Sprachraum kommt. :)

Zurück zu den Kindern und Teenagern die tippen lernen. Als junge Menschen sind sie noch drauf gedrillt schnell und viel zu lernen und den Lernprozess als ein alltägliches Übel hinzunehmen. Auch wenn sie nicht gut darin sind, die Ansage „Du lernst jetzt tippen“ sollte wenig _echten_ Widerstand nach sich ziehen. Oder?

Neben „ich kann jetzt chatten“ gibt es eventuell noch eine andere Konsequenz: Wenn wir davon ausgehen daß der heutigen Jugend Tippen einfach von der Hand geht, also eine der großen Hürden genommen ist, welche Auswirkung hat das auf Dinge wie Bloggen?

Auch wenn das Jungvolk lieber chattet habe ich weiterhin die Hoffnung das wenigstens eine Handvoll pro hundert als Blogger übrigbleiben. 😉

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Tja, ich dachte ja auch, so könnte ich meine Kids dazu bringen, das 10 Finger System zu lernen (ich kann es) aber weitgefehlt: sie schreiben wie die Irren mit zwei Fingern. Oder mit vieren , je nachdem.

  2. Das hat noch andere Konsequenzen. Mein Sohn will keine Schreibschrift lernen. Denn überall was er liest ist Druckschrift und Mama und Papa tippen auch nur auf der Tastatur rum.

  3. Uh, das wird schwierig die späte rumzugewöhnen, ich weiß wie schwer mir das gefallen ist :(
    Allerdings hat es sich wirklich gelohnt, denn es ist so schon nicht besonders gesund die ganze Zeit so zu tippen aber ich kann mir nicht vorstellen, daß es nicht noch schlimmer mit 2-4 wird. ;(

  4. Ich würde sagen das ist bei Dir genetisch bedingt :),
    genau wie bei mir. :)

  5. tja.. das einfingersuchsystem ist eben stark verbreitet, aber ich finde 10 finger bei kürzen texten auch unangebracht… naja, ich schreib mit 5 oder 6 und bin zufrieden mit dem tempo :)