Seine Zahlen sollte man schon lesen können …

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So langsam wundere ich mich, warum ‚Wahlkampfblogs‘ überhaupt interessant sein sollen, wenn die Postings hauptsächlich kleinkinderhaftes Petzen beinhalten. Können die Herrschaften (und damit meine ich alle Fraktionen) nicht einfach mal mit interessanten Themen punkten? Inhalten? *seufz* wahrscheinlich zuviel verlangt.

Nico schreibt:

2 Millionen Abonnenten, Respekt Herr Kauder! Menschenskinder, wer hätte das gedacht. Der gemeine CDU-Anhänger an sich ist also sehr Podcast-affin.

Interessante Strategie, erst einmal kompletten Stuss zu schreiben und kurz danach die Texte zu überarbeiten.

Die in roteblogs zitierte Pew-Studie ist bekanntermaßen falsch; einfach gesprochen haben hochgerechnete 6 Mio gesagt, sie hätten sich schon einmal im Internet etwas runtergeladen. Jeder, der also auch nur einmal was geladen hat, wurde als Abonnent gezählt.

Wie war das noch mit dem Stuß? <kleinkindergarten>Das war ja dann quasi eine Vorlage, die nicht ausgenutzt wurde. Arbeitet „die Spd“ immer so schlampig? Oder nur roteblogs?</kleinkindergarten>

Allerdings ist die Pew-Zahl komplett obsolet, seitdem Itunes gestartet ist. Weltweit gecrashte Server und entsprechende Meldungen lassen vermuten, daß die von Itunes bekanntgegebene Zahl von 1 Mio Abos in 48 Stunden korrekt ist. Das war seit dem Start und m.W. nur für US. Soviel zu den immer wieder zitierten Pew-Zahlen.

Grundsätzlich war deren Frage nach „haben Sie schon einmal etwas im Internet heruntergeladen“ nicht verkehrt anstattt „haben Sie in Ihrem Ipodder den RSS-Feed subscribed“, den viele wissen gar nicht, wie das heißt, was sie dort tun.

Insofern ist diese ebenfalls gerade rumschwirrende Frage „Kennen Sie RSS und haben Sie RSS abonniert“ genauso bekloppt – ich habe mindestens 2 Menschen in meinem Bekanntenkreis, die höchstpersönlich von mir einen Bloglines-Account verpaßt bekommen haben, und da auch fleißig Feeds sammeln. Nur nennen sie es nicht so. Die eine weiß, daß sie auf interessanten Webseiten das automatische Subscribe versuchen soll (Bookmark, beschriftet mit ‚regelmäßig lesen‘) und wenn das nicht klappt, sie dem Menschen eine Mail schreiben soll. Textbaustein liegt ihr vor.

Der zweite bestellt nur die Feeds, die ich ihm mundfertig als URL zusende.

Beide würden die Frage, ob sie RSS kennen, entrüstet als Schweinkram verneinen.

Aber zurück zu den Downloads, bevor noch mehr Märchen in die Welt gesetzt werden.

Weit über die Hälfte der Deutschen sind online – was auch nichts anderes bedeutet, daß sie in einem bestimmten Zeitraum mehr als einmal angemeldet waren. Unter den Jugendlichen liegt die Quote der Internetnutzer (abgestuft nach Bildungsgrad) eher Richtung 90%, die vermuteten zurückhaltenden Gruppen wie Frauen und ältere Menschen holen massiv auf, seitdem es die Angebote von Tchibo und und QVC auch online gibt und ein Computer geduldig ist.

Was uns zurück zu den angeblichen 2 Millionen bringt. Ich vermute hinter dieser Zahl jemand, der schlicht seine Statistiken nicht lesen konnte und entweder direkte Requests der Feeddatei genommen hat (daher die Zahl Abo) oder aber die Zahl der Downloads falsch interpretiert hat.

Feedreader sind bekannt dafür, daß sie sehr bekloppt programmiert sind und alle 5 Minuten nach Neuigkeiten schauen, dabei jedesmal einen Request hinterlassen. Reine Podcastreader haben dieses in Teilen auch, bestimmten hat man durch sanftes Zureden beibringen können, die absolute Minimalgrenze für automatische Requests bei einer Stunde hinzulegen.

Der Markt für Log-Analyse ist immer noch auf den reinen WWW-Markt ausgerichtet (ein Aufruf auch ein Visit), kennt oft die neue Problematik von RSS-Readern nicht. Podcasting ist hier noch schlimmer, da anders als die meisten Feedreader der Podcast-Client oft nur alle paar Tage angeschmissen wird. Dienste wie Feedburner sind auch nur begrenzt in der Lage, dieses zu reporten.

In Summe jedoch sind 2 Millionen Downloads via Subscription (vor allem vermutlich via Itunes) nicht unwahrscheinlich. Nur ist das selbstverständlich eine andere Aussage als 2 Mio Abos.

Was als Aussage für den Erfolg eines Podcastes sowieso ungeeignet ist, denn die Erfahrungen zeigen: Je ‚allgemein populärer‘ ein Podcast ist, desto eher spielen Webdownloads eine Rolle. Hätte man jemanden gefragt, der sich auskennt, hätte man sicherlich auch daran gedacht. Und einen passenden Flashplayer eingebaut.

(Übrigens, genauso begierig wie gebasht wurde, werden die entsprechenden SPD-Seiten jetzt sicher auch offizielle Zahlen für ‚ihre‘ Downloads verlangen, nicht wahr? )

Grundsätzlich finde ich es gut, wie die Parteien in Podcasting einsteigen, nur bei den Norwegern kenne ich noch „mehr“ Internetinput mit Vlogs; allerdings finde ich es faszinierend, wie beide großen Parteien fast zur gleichen Zeit damit auftauchen. Ähnlich wie dieser Werbespot.

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. die PEW studie habe ich nicht als mass aller dinge herangezogen… aber allein die zahl 2 mio abos muss stutzig machen, wenn man sich ein klein wenig mit der bundesdeutschen blogosphäre auskennt.
    btw, lern ma trackbacken 🙂

  2. Die Blogosphäre hat eine andere Durchdringung und eine andere Kundschaft als die auf Audio ausgerichteten Interessierten. Sie ist in Summe größer in der Anzahl an Blogs versus Podcast, aber _kleiner_ als die Podosphäre in Bezug auf Akzeptanz. Sofern man die beiden Arten überhaupt vergleichen kann.
    Mein Trackback hat sich nicht verändert, jedoch funktioniert er seit einiger Zeit nicht mehr Richtung Blogg.de – jedoch bei allen anderen. Sofern sich am Code meiner Seite was verändert hat, wäre ich für Hinweise dankbar.

  3. Ich denke, dass Podcast schon eine nicht unwesentlich Verbreitung haben, was wohl auch an der praktischen Form des Konsumierens liegt. Allerdings sehe ich bei einigen deutschen Podcastern, dass ihnen nach mal gerade einem halben Jahr die Puste ausgeht. Mal sehen, wie sie die Szene in den nächsten Jahren entwickelt und mal abwarten, ob so mancher hochgelobter Podcast überhaupt die ersten zwei Jahre überlebt.