Statistiken und Zahlen? Könn’se haben.

Nico Lumma:
Blogs, Wettpissen und die Werbedollars
Bloggen in der Blase

Amen. Ich arbeite lange genug mit Zahlenwerken, die erste Frage bezüglich Auswertungen lautet immer: wer bekommt die Auswertung und was soll diese Darstellung vermitteln?

Die Qualität der Besucher ist wichtig, weniger die Anzahl. Ich weiß – hauptsächlich von meinen englischen Blogs – daß bestimmte ‚wichtige‘ Personen mein Blog lesen und auf meine Meinung wert legen. Und während die Subscriber-Zahlen noch weitaus kleiner als zum Beispiel von beissholz sind, sind die dahinterliegenden Beziehungen relevanter. Es genügt, daß ich diese Namen für mich in meinem kleinen Arbeitszimmer kenne.

Sicher, das schlichte Zählvolk muß es auch geben, und für manche Blogs ist Masse das Ziel; um mal wieder auf das Beispiel Zeitungen zurückzukommen – wieviel Auflage hat die Bild, wieviel die FAZ bzw. ‚insert your favorite seriöses Blatt here‘?

Wer dem Mainstream gefallen will, muß auch mit dem Strom schwimmen. Der Rest hingegen kann sich gemütlich konservativ gezählte Zahlen ansehen – zum Beispiel Blogcounter-Statistiken, die nur die zählen, die auf der Webseite mit Javascript an auftauchen – und sie nach Belieben auslegen.

Beissholz schwankt zwischen 500 und 1.200 unique visitors pro Tag, blogcounter zählt mich für gestern mit 581 Besuchern und der nur auf Feedburner liegende Feed wirft eine 24-Stundencirculation von 328 aus. Macht im Schnitt vermutlich knapp 1.000 Menschen (Bots rausgerechnet). Sieht wahnsinnig viel aus. Schätzungsweise 70% davon (und das spiegelt die FB-Zahl auch wieder) sind Long-Tail-Suchmaschinenbesucher – der Markt für Grabsteine und unsittliches Bewegen scheint wahrlich attraktiv zu sein.

Für *mich* bedeuten solche Zahlen vor allem eines: Ich liebe Logsfiles und amüsiere mich darüber, was Menschen suchen (und auch noch bei mir finden). Desweiteren finde ich es absolut faszinierend, daß es ca 300 Menschen gibt, die mich in ihren Newsreader packen und auf einer gewissen, regelmäßigen Basis lesen wollen.

Dann schaue ich mir meine ‚Blogroll‚ an und stelle fest: Ja, ich lese diese Menschen. Vielleicht nicht täglich, aber mindestens scanne ich ihre Artikel durch und schaue die Headlines an.

Ich lese, ich werde gelesen. Ich kann Gedanken in die Welt rausschmeissen, mich fetzen, mich korrigieren (lassen), Gedanken spinnen, usw. Ich habe eine Kommunikation mit ‚der Welt das draußen‘, quasi ohne das ich was tun muß – was will ich mehr? 🙂

(ps: Ihr wollt Statistiken? Herr Lumma nähert sich Eintrag 2.000. Wie schwätzig wird der erst, wenn er nach da unten umzieht? ;))

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Grabsteine und unsittliches Bewegen.. 😉
    Ich hab meine Referrer schon lange nicht mehr intensiv ausgewertet. Allerdings betreibe ich seit gut 5 Jahren eine Webseite, auf der im Rollenspiel entstandene Texte nachzulesen sind ( http://www.mela.de/RPG/ )
    Was dort über Google und andere Suchmaschinen aufschlägt ist mehr als spaßig. Die ’normalsten‘ sind noch die Suchhits nach keltischen Hochzeitsriten, dann steigt es über die Suche nach Terroristenhandbüchern langsam an bis hin zu den wirklich skurrilen Hits.
    Wenn Sonntags das TV-Programm mal wirklich schlecht ist, hat man genug Unterhaltung beim Logfiles auswerten. 🙂

  2. Wer dem Mainstream gefallen will, muß auch mit dem Strom schwimmen.
    Bestimmt, es gibt Blogs, die dieser Intention folgen.
    Aber ist ein Satz wie: Ich weiß – hauptsächlich von meinen englischen Blogs – daß bestimmte ‚wichtige‘ Personen mein Blog lesen und auf meine Meinung wert legen. nicht im höchsten Maße arrogant? Vielleicht ehrlich aber sicher arrogant!

  3. Warum? 🙂 Definiere ‚wichtige‘ Personen, speziell in den Anführungszeichen.
    Wichtig kann der Vorsitzende des lokalen Gartenvereins sein, es kann aber auch Dein Partner sein, es kann jemand sei, auf dessen Meinung Du sehr viel Wert legst – oder eben jemand, der in Deiner Umgebung als allgemein anerkannt wird.
    In Deiner Wahrnehmung ist offensichtlich das Anerkennen von wichtigen Menschen bzw. das Freuen über eine Verbindung mit denselben arrogant – was ich wiederrum sehr schlicht finde. Ich kann auch sagen, daß Du auf meinen entsprechenden Köder hereingefallen bist, und Dich nun erwartungsgemäß (=einer wird schon drauf reinfallen) empörst.
    Das würde jedoch voraussetzen, daß ich dieses mit voller Absicht getan hätte, was ich seltener tue. Ich verbleibe aber mit der Frage: Wäre es weniger arrogant, es nicht zu schreiben, sondern nur schamvoll zu denken oder es mündlich zu erzählen?
    Arrogant aus meiner Sicht wäre es gewesen, ’name-dropping‘ zu betreiben und mit den Menschen anzugeben. Das habe ich für eine halbe Sekunde überlegt und es dann als nicht arrogant aber wichtigtuerisch sein gelassen.
    Die Formulierung, die Du jetzt siehst, läßt ausreichend Spielraum zu und stellt die Frage: Wer ist für Dich wichtig, und wie sehr erlaubst Du Deiner Umgebung, erfolgreich in ihren Maßstäben zu sein?
    Offensichtlich wenig, denn inklusive Ausrufezeichen ist selbst eine Andeutung wie die meinige oben schon hochgradig arrogant = verwerflich. War diese Art der Zurechtweisung, das anprangernde „also wirklich! schäm‘ Dich!“ beabsichtigt? :o)