Vom Erben oder warum gibt es da kein Buch für?

Ein wenig Hintergrund über die beiden anderen Postings und warum ich in den letzten Monate etwas mehr abwesend war und auch leider nicht zur Republica kommen kann.

Tips gesucht zur (Erbschaftssteuer-) Bewertung Porzellan / Schmuck
Tips gesucht: Entrümpelung / Haushaltsauflösung in Bonn / Köln / NRW?

„Life is what happens while you are busy making other plans“ heißt es so schön bei John Lennon und ich bin momentan bereit, das als tägliches Mantra in eine Art Meditation aufzunehmen. :) Als meine Tante vor etwas über zwei Jahren mit bösartigem Lungenkrebs diagnostiziert wurde, war es für uns alle ein Schock. Gleichzeitig erlaubten die zwei folgenden Jahre uns, in verschiedenen Stufen Abschied zu nehmen.

Viel wichtiger war, daß sie alle Angelegenheiten regeln konnte, vor allem die finanziellen, und uns alle (sie eingeschlossen) glauben ließ, jetzt wäre nur noch ein paar Kleinigkeiten zu regeln. In bewundernswerter Manier hatte sie nicht nur komplett ihre eigene Beerdigung ink. Traueranzeigetext geregelt, sondern auch in weiser Voraussicht einen Testamentsvollstrecker bestellt. Alles peachy, wie man in Neudeutsch sagt.

Von wegen. Seit nun knapp zwei Monaten versuche ich, die notwendigen Informationen zusammenzusammeln und sehe mich dabei nicht nur der Herausforderung gestellt, daß ein Finanzamt irgendwann eine entsprechende Erbschaftssteuer-Erklärung von 5 Erben sehen will, sondern auch das ein Testamentsvollstrecker gewissen Dingen Wert bemißt, die sie in Zeiten von Ebay und Co. einfach nicht mehr haben. Das Internet stellt nicht nur Verkäufer von Neuwaren vor Herausforderungen, sondern auch Erben – die müssen nämlich jetzt teuer beweisen, daß die Gegenstände im Haushalt wirklich nichts mehr wert sind …

Sondern auch vor der Herausforderung das jede, aber auch wirklich jede Institution mit der ich zu tun habe, offensichtlich das Herschaftswissen behalten will. Man redet sich heraus mit „jeder Fall sei ja so anders“. Anleitungen, wie man konstruierte Beispiele von Erbschaftsfällen ausreichen kann, gibt es zu Hauf, doch wirkliche Hilfen, Checklisten oder Vorgehensweisen? Fehlanzeige. Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte schaue sich diese Liste an. Die ist ein guter Anfang, aber immer noch viel zu sehr an der Oberfläche. Und jede der Institutionen geht davon aus, daß man schon alles weiß bzw. vor Ort lebt.

Nur ein paar kleine Beispiele:

  • Wer Kleider und Schuhe einsammelt, sollte sich überlegen, diese Termine auf eine einfache Webseite zu bringen und Fragen zu beantworten. Wie zum Beispiel: „Nehmen Sie auch Kleidung, die nicht im Originalsack gebracht wird“
  • warum kann mir eine Versicherung keinen Merkzettel zusenden „Im Falle eines Todes“, mit Fristen und zu beachtenden Details zum Beispiel für die Hausratversicherung oder anderes? Die Versicherung weiß, welchen Ablauf sie.
  • Auto: wo ist der Merkzette inkl. Informationen über „so melden Sie ab“, „das sind unsere Fristen“, „So können Sie Prozente übernehmen (oder auch nicht)“, „So können Sie den Wagen überführen“?
  • warum kann mir die Bank kein ähnliches Dokumentenpacket geben? Ja, es gibt verschiedene Fälle, mit oder ohne Vollmachten, mit oder ohne Erbschein usw, aber das kann man in ein „Wenn-Dann“ Ablaufdiagramm bringen, genauso die Information, welche Informationen wann benötigt werden. „Das kann ich Ihnen nicht beantworten, daß muß die Filiale regeln“. Okay, welche Filiale ist zuständig? „Das darf ich Ihnen nicht sagen“.
  • Ich verstehe, wenn das Finanzamt mir sagt, daß sie keine einzelnen Experten empfehlen können zur Bewertung wegen Bevorzugung und so. Man sollte aber meinen, daß der Hinweis auf die IHK kommen könnte, die Sachverständige vermitteln kann. Wo, wenn nicht beim Finanzamt rufe ich an, wenn ich wissen will, wen sie akzeptieren?
  • Für die Umschreibung eines Grundstückes sind gewisse Unterlagen beizubringen. Auch hier könnten die Grundbuchämter ein einfaches Informationsblatt bauen. „Wieso? Sie können doch kurz anrufen, jeder Fall ist doch speziell“ …
  • Sachverständige, so scheint es, arbeiten alle nach dem Prinzip „Festpreis plus Anteil von dem was ich schätze“. Ich will einen reellen Verkehrswert zur Ansetzung beim Finanzamt bringen, und keinen Fantasiewert haben! Welchen Anreiz hat ein solcher Sachverständiger einen niedrigeren Wert zu schätzen?

*Seufz* Es ist der Kleinkram, der einen wahnsinnig macht bzw. mir mehr und mehr graue Haare beschert. Und die Erkenntnis, daß das Prinzip Kleinstadt Vorteile hat – da weiß man wenigstens, wen man fragen kann und kriegt manche Dinge so geregelt. :) Und nicht eine Auflösung eines Nachlasses in Bonn aus Lübeck / Bewertung aller Gegenstände über drei Orte und eine nicht so internetaffine Familie + Testamentsvollstrecker koordinieren muß. 😉

Ein paar Dinge, die funktioniert haben:

  • Einige Firmen waren klasse: Informationen wurden zur Verfügung gestellt, zusätzliche Tips offeriert usw. Es ist mir egal, ob das ein Skript im Callcenter ist oder ähnliches, es hat einfach nur geholfen
  • Die Webseite umzugsauktion.de erlaubt es einem auch ohne Kenntnisse der lokalen Transportszene einen Umzug zu organiseren, und das zu einem gutem Preis. Nicht nur im Todesfall wertvoll.
  • Die Stadt Bonn liefert einen Planer für Second-Hand-Verwertung. Etwas hart zu finden, aber ein Anfang.

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr hilfreich in diesem Zusammenhang sind in solchen Fällen meiner Erfahrung nach die Mitarbeiter(innen) von Notaren (am Ort des Erbfalls), da sie in entsprechenden Büros oft regelmäßig mit solchen Sachverhalten zu tun haben. Manchmal auch nach Feierabend und ggf. gegen extra Honorar, aber besser als nix. Ich habe damals einfach in solchen Büros angerufen und nach dieser Dienstleistung direkt gefragt. Nach dem 3 oder 4 Anruf hatte ich dann die passende Dame gefunden.
    Für (oder besser gegen) das Finanzamt nimmt man sich am Besten einen Fachanwalt für Steuerrecht als Ratgeber. Vielleicht gibt es da ja einen aus der Blogosphäre… Falls es am Ort des Erbfalls Anwaltsnotariate (http://www.justiz.nrw.de/BS/rechta_z/A/Anwaltsnotariat/index.php) gibt, dann am besten einen aus einer Kanzlei in der auch ein erfahrener Notar sitzt. Da leben dann Steuer- und Nachlasswissen Tür an Tür.