Von Amazon und Reizwäsche

Da sitzt man Samstags morgens mit einem Milchkaffee vor dem Rechner, fängt an seine Feeds zu lesen und stolpert über die Meldung bei Klaus

Die Firma Amazon, bekannt für den Verkauf von Reizwäsche und Küchengeräten, bietet eine erweiterte Suchfunktion, wie intern.de heute belegt.

Klasse. Sowas höre ich doch gerne und surfe gleich zu intern.de – aber was man dort über die „Innovation“ liest, läßt einem wirklich den Kaffee im Hals stecken bleiben.
Eine Frau (geboren in Parkistan, in Deutschland lebend) wurde bei der Einreise nicht nur verhört, ‚interessant‘ behandelt sondern auch gleich wieder zurück nach Hause geschickt. Schaut man sich an, wen sie besuchen will, deutet wirklich nichts darauf hin, daß sie Probleme bekommen würde – doch weit gefehlt.

Der zuständige „Border Agent“ [..] hatte schon andere „Quellen“ konsultiert und eine davon ist auch in Deutschland keine unbekannte Größe: „Ich habe sie bei Amazon.com nachgeschlagen und sie mögen wohl Bücher über Zweitsprachen“ meinte der Border Agent („He said, ‚I looked you up on Amazon.com and you like books about second languages,'“)

Unsereins, gewöhnt an einen zwar löchrigen, aber im Verhältnis dennoch guten Datenschutz mit bestimmten Rechten, muß erst mal wahrnehmen, daß Amazon alle Kundendaten in Usa hält. Die Datenschutzerklärung gibt wohl her, daß Amazon.com am Programm Safe Harbor teilnimmt und dort war man zwischen den Kontinenten auch soweit, daß europäischer Datenschutz in Usa eingehalten wird. Doch, der 11te September änderte einiges. Die ausführliche Meldung bei intern.de inklusive Links sollte man sich daher dringend zu Gemüte führen.

Was mir Sorge bereitet, ist die unsägliche Verquickung vieler Amis von Sendungsbewußtsein über „das tollste Land wo gibt“ und der vorauseilende Gehorsam vieler Leute speziell auch aus Europa auf der anderen Seite. Man muß das nicht mitmachen. Zu dem Spiel gehören immer zwei. Und ich denke, es ist Zeit, daß auch Amerikanern klar wird, daß nicht jede Gegenrede oder Widerspruch terroristisch verursacht ist. Sondern schlicht und einfach eine andere Meinung ist – das war den Amis doch angeblich so viel wert – oder nur solange es die richtige Meinung ist?

Ich bin wahrlich kein politisch orientierter Mensch. Aber die Jahre im Netz haben mir gezeigt, daß es Bereiche gibt, die mich sehr wohl interessieren und wo auch „Politik“ mit im Spiel ist: Privatsphäre, Meinungsfreiheit, Datenschutz und Urheberrecht bzw. die Auswüchse die wir heutzutage sehen. Obwohl sichtbare Auswüchse? Es geht schleichend. Ein wenig hier, ein wenig da. Und alles sieht immer gut, richtig aus. Es stört nicht. Man muß schon sehr sehr weit in die Zukunft sehen, wenn man die Puzzlesteine zusammenbaut.

Manchmal gibt es Beispiele, die deutlich machen, wo es hingehen kann. Meine Mutter hatte eine Paybackkarte. Ich gestehe, ich bin versucht gewesen, auch bei meinem Sky sowas zu holen, habe es aber lassen können. Irgendwann überraschte sie mich mit ‚ist böse‘. huh? Was war passiert?

Sie hatte einen Bericht auf N3 gesehen, wo jemand vom Datenschutz SH kurz ausführte, was Datamining bedeuten kann.

In 20 Jahren verweigert die Krankenkasse die Behandlung, weil Sie eine Krankheit haben, die mit Kreutzfeld-Jakob verwandt ist, und Ihre Payback-Daten zeigen, daß Sie damals trotz Berichten in der Zeitung Rind gekauft haben.

Das Beispiel war wohl drastisch genug. Wir brauchen mehr davon.

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Gut geschriebener Bericht !
    Ich habe mich schon lange dazu entschlossen NICHT an Payback Systemen teilzunehmen und „verschenke“ meine Punkte an der Kasse an den nachfolgenden Kuden. Möge er spass an den Punkten haben und die Statistik verwirren. 😉

  2. payback und swoap und wie die ganzen punkte systeme auch heißen…für mich ist das nur mehr staatliche kontrolle und das geht mal gar nicht!deswegen so etwas mache ich null.finde es aber gut das auch andere sich gute gedanken machen über dieses thema.lg chris