Von ignoranten Menschen

Ich schrieb neulich schon „Blogs machen das Leben einfacher“. Solche Reaktionen ebenfalls. Jeder kennt Mailinglisten. Jeder kennt die Fullqouttel, die „me toos“ und die Nachahmer. Und man fragt sich immer wieder, wie diese Menschen eigentlich im alltäglichen Leben zurechtkommen.

Ich habe lange genug Anfänger geschult um zu lernen, daß es drei Gruppen gibt.

Die, die ohne besondere Hinweise sofort verstehen, wie das Netz und Kommunikation funktioniert und die – ohne das man es ihnen extra sagen muß – begreifen, daß z.B. Fullquotes nichts anderes als Kopie von Briefen sind. Einfach weil sie Briefe auf Mails übertragen, wissen sie, daß Fullqoutes dumm sind. Und somit auch unterscheiden können, warum manchmal (bzw. in welchem Umfeld auch ständig) Fullquotes sinnvoll sind. Diese Menschen sind in der Lage, bestehende Kommunikationserfahrungen zu transferieren. Diese Menschen sind der Grund, warum wir alle immer noch an das Gute im Menschen glauben und jedem Newbie die Chance geben, sich als Teilnehmer dieser Gruppe zu identifizieren.

Dann stellen wir fest, daß dem leider nicht so ist und kommen zur zweiten Gruppe:
Dies sind Menschen, die es nicht von alleine begreifen. Gruppe 2a lernt es, wenn sie es früh genug beigebracht bekommen, etwas schwieriger, wenn es später ist. Man muß etwas deutlicher werden, aber dann geht es. Besonders Männer reagieren gut auf den Hinweis, warum Volltrottel und Fullquote Vollquottel ergibt.

Gruppe 2b ist wirklich nicht in der Lage, es zu verstehen und auch nicht in der Lage, sich regelmäßig daran zu erinnern. Diese Menschen halten sich jedoch selten im Netz auf, weil ihnen das ganze Medium suspekt ist. Bleiben sie im Netz, helfen Maßnahmen der Art, daß der Mailclient keinen Quotes mehr erzeugt. Obwohl ich schon eine Teilnehmerin gehabt habe, die dann gelernt hat, die Originalmail zu kopieren, weil es doch so ‚hübscher‘ sei. Hier hat das Argument „Weißt Du, Männer mögen viel zu essen, viel anzufassen, aber nicht viel zu lesen“ geholfen. *augenroll*

Die dritte Gruppe begreift es nicht von alleine, kann es offensichtlich nicht aus bestehenden Erfahrungen transferieren, bekommt es mit Erklärungen präsentiert, aber weigert sich renitent, es zu lernen; findet tausend Ausreden, warum genau sie das nicht zu beachten bräuchten und man gefälligst Rücksicht auf sie nehmen sollte. Und wenn alles nicht hilft, muß das Totschlag-Argument genügen: „Ich bin so!“. Auch sehr beliebt: „Das ist mein persönlicher Stil!“

Interessant dabei ist, daß diese Leute nicht einen IQ von Toastbrot haben. Intellektuell sollten sie in der Lage sein, Erklärung und Hintergrund zu erfassen, es muß ein anderer Grund sein, warum diese Information trotzdem keine Synapsen erzeugt bzw. sich einer Transferleistung widersetzt.

Sie erzeugt aber offensichtlich anderes. Denn dank Fullqoutes und anderem schädigendem Verhalten gibt es a) Nachahmer und b) immer mal wieder Ermahnungen von Seiten der Moderatoren. Sehr freundlich, vorsichtig formuliert und somit in der Regel absolut unwirksam. Gruppe 2a liest daraus „ist nicht so schlimm was Du machst“ und Gruppe 3 ignoriert es sowieso.

Einfachere, klarere und weniger verschnörkelte Worte wirken härter, wirken böser aber erreichen vor allem eines: Klarheit. Und: Reaktionen. Während die Gruppe 2b ernsthaft ohne eigene Schuld merkbefreit ist, hat 2a einen längeren Lernprozeß – deutliche Mails regen aber zum Nachdenken an. Gruppe 3 reagiert dankenswerterweise sehr heftig …

Obwohl sie nicht in der Lage sind, ihr eigenes Verhalten im Griff zu haben, sind sie sehr wohl in der Lage, darauf zu reagieren. Interessant daran ist: Solche Mails gehen an die Allgemeinheit adressiert in die Liste. Es reagieren einzelne Personen und verwehren sich, so bezeichnet / charakterisiert zu werden.

Selbstverständlich lautet der Tenor, daß es eine Frechheit wäre, sie so zu nennen und mit solchen Merkmalen zu beschreiben. Gerade ein besonderes Highlight: Selber zu urteilen, daß mir solches „urteilen“ nicht zustehen würde. Getroffene Hunde bellen sehr laut. Das erkennen sie. Warum nicht auch den Rest?

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Bei Mailinglisten auch immer wieder gerne genommen:
    Leute, die Empfangsbestätigungen anfordern und solche, die diese auch noch (automatisch) zurückschicken…
    (Ich kann da gar nichts für, das ist bei meinem Outlook^W Mailprogramm so eingestellt…)