Von Schülern, Doktormüttern und Waschbrettbäuchen – Kommentare zu Kritikpunkten an der Rücknahme der RSR

Die Rechtschreibreform bzw. ihre Rücknahme erhitzt die Gemüter. Ich begrüße die Entscheidung der Verlage, die Regelungen der RSR zurückzudrehen und den Weg für neue Ideen zu öffnen. Denn die Mehrheit der Bevölkerung lehnt m.E. nicht Reformen an sich ab, sondern die Vielzahl der unlogischen, weil oft nicht konsequent durchgehaltenen Änderungen.

Gerne müssen „die Schüler“ herhalten – eine ganze Generation würde völlig abgetrennt werden von dem Rest der Deutsch-Schreiber mit dieser Rücknahme. Es gibt also in den Schulen keine Bücher mit alter Rechtschreibung mehr? Schüler lesen nur noch Schriftwerke ausschließlich in neuer Schreibweise?

Ein paar Schüler, die ich gefragt habe, ob es nun einfacher wäre, antworteten durchgehend mit „nein, unlogischer als vorher, aber man lernt es halt auswendig“. Eine Lehrerin auf NDR Info kommentierte die Fähigkeiten ihrer Schüler mit „die raffen’s einfach nicht“.

Neben vielen anderen „Ideen“ finde ich die Begründung interessant, daß Ausländer die Sprache auf einmal viel einfacher lernen würden – nur dank der neuen Rechtschreibung? Das wage ich doch ganz schlicht zu bezweifeln. Für den Teil, den diese Regeln betreffen, eventuell. Damit lerne ich aber nicht automatisch die Sprache einfacher – vor allem nicht, wenn es jetzt und in Zukunft genügend Schriftwerke gibt, die in alter Schreibung erscheinen: Ich mag es einfacher gelernt haben – aber im Alltag lese ich dann beide Varianten. Das bedeutet also einfacher? Und: Wieviele Menschen lernen jedes Jahr Deutsch als Fremdsprache im Gegensatz zu denen, die die Sprache bereits beherrschen?

Aber wie Wolf Schneider (oder?) bei Sabine Christiansen sinngemäß sagte: Wir lernen komplizierte französische Rechtschreibung ebenfalls; wieso sollten wir nicht eine einfachere deutsche lernen, egal ob alt oder neu?

Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz Ahnen brachte dort hochmütig das tolle Argument „wenn ich mit Schülern rede, haben die ganz andere Sorgen als die RSR!“. Ach. Wirklich. Auch für mich gibt es wichtigere Dinge als die RSR, aber wenn ich mich über das Thema Rechtschreibung unterhalte, ist es sehr wohl ein Thema. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, daß die Frau als diskussionsresistent bekannt ist und man einfach aus Energiespargründen gar nicht mit ihr über dieses Thema redet?

Es gibt so viel darüber anzumerken. Wie häufig, wenn ich etwas formulieren möchte, hat Ralph Babel wohlfeilere Antworten parat. Glücklicherweise haben wir in vielen Dingen eine sehr ähnliche Sichtweise; das erleichtert meine Argumentationen. ;o) Er stellt in gewohnter gut lesbarer Weise seine Kommentare zu „Rechtschreibreform und Kritik“ zusammen.

Die inhaltlichen Schwächen der Reform sind bereits vor Jahren zur Genüge aufgezeigt worden; sie sollen nicht Thema dieser Seite sein. Jedoch sind in der jüngsten Debatte um die Rücknahme seit August 2004 wiederholt Behauptungen aufgestellt worden, die nicht unkommentiert bleiben sollten.

  • Die Schüler würden verwirrt.
  • Die Kosten einer Rücknahme seien zu hoch.
  • Wir hätten wichtigere Sorgen, als die Reform zurückzunehmen.
  • Springer, Spiegel, FAZ und Süddeutsche sabotierten eine demokratische Entscheidung.
  • Die Kritik an der Reform komme zu spät; man hätte sich früher äußern müssen. Jetzt könne man nichts mehr rückgängig machen.
  • Die Zahl der Regeln sei halbiert worden.
  • Die Regeln von 1901 seien überholt.
  • Man könne nicht zum Vor-Reform-Duden von 1991 zurück; es habe alleine zur 22. Auflage 5000 Änderungen gegeben.
  • Die Einheitlichkeit der Rechtschreibung speziell auch mit den anderen deutschsprachigen Staaten sei gefährdet.
  • Also alles umsonst? Außer Spesen nichts gewesen?


Reform und Kritik komplett lesen

Dem sprachinteressierten Leser sei ebenfalls der Rest der Seite zum Erkunden empfohlen, speziell natürlich die FAQ-Liste deutsche Sprache.

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

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