Warum Chaträume besser als IM sind

Ich vermisse IRC.

Ich stelle das mal so einfach in den Raum. Skype, ICQ und Konsorten hin und her, ich vermisse IRC. Vermissen im Sinne von: Ich bedauere, daß die meisten meiner jetzigen Kontakte nicht im Irc verfügbar sind und ich mag es nicht, mich auf diversen IRC-Servern einzuloggen.

Damals, 95, als die Welt noch aus einem großen IRC-Netzwerk bestand (oder einem sehr kleinen, wenn die Systeme mal wieder gesplittet waren), hatte man die Wahl: channel oder query. Und in den meisten Fällen gab es beides. Der Channel als die normale Anlaufstelle, ein relativ rudimentäres aber brauchbares Notify, und Query falls man Bedarf auf mehr hat.

Wenn ich auf die heutigen Systeme schaue, dann fällt mir vor allem die fehlende Implementierung der Channel auf – und wenn sie denn mal vorhanden sind, dann sind sie miserabel gemacht. Basisfeature von IRC fehlen den meisten IM-Systemen bin heute.

Warum will ich Channel, und warum reicht mir IM nicht?
Weil es eindringend ist. Ich rede mit einer Person und fordere deren Aufmerksamkeit. Anders ein Channel. Ich betrete ihn, nehme mehr oder minder an den Diskussionen teil und manchmal / meistens / je nachdem folgt ein Query oder nicht.

Aber der Channel als Anlaufpunkt ist da, und er erlaubt mir den Kontaktaufbau bzw. die Vertiefung, ohne in die Privatsphäre einzudringen.

Wie komme ich darauf? Am Wochenende habe ich nicht nur Podcastcon UK besucht, sondern auch – dank Mail von Dave Green – einen herausfordernden Tag mit Menschen verbracht. Ich habe nach einer weniger wertenden Beschreibung gesucht als es mir gerade auf den Finger liegt, geht nicht, also laße ich es. Menschen.

Menschen, die Gedanken haben, Ideen haben, herausfordernde Fragen stellen, ein wenig verrückt sind – und Menschen sind, mit denen ich mehr Kontakt haben möchte und auch werde. Bei einigen ist das schon klar, bei anderne ist das noch ein zartes Pflänzchen. Welches wachsend könnte, denn wenn ich es richtig überblicke, dürften die meisten Ircer sein.

Und Ircer haben Stammchannel auf denen sie sich rumtreiben. Auf die man joinen kann und ausloten kann, ob oder ob nicht man sich versteht, und weiter zusammenarbeiten möchte. Ohne gleich nervende Mails schreiben zu müssen, ohne direkten IM Kontakt einforderun zu müssen.

Es kann sich entwickeln. Und nach mehreren Jahren des nicht so sehr ircens werde ich wieder einsteigen, denn all die Jahre haben gezeigt: Andere Systeme sind nett, aber sie fördern keine Gemeinschaften. Sondern nur 1:1 Kommunikationen.

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

9 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Genau so sehe ich das auch. IM ist nett, wenn man die Menschen schon näher kennt. Dann kann man „kurz eine Nachricht“ schicken. Aber wenn man einfach nur ein paar Leute treffen will, die sich mit ähnlichen Dingen beschäftigen, ist ein IRC-Channel immer noch das höchste. Und auch das gute alte IRCnet hat noch nicht ausgedient. Und wer nur wegen langen Nicknames auf andere Server wechselt, der hat das letzte Server-Update noch nicht mitbekommen… Ich jedenfalls bin seit Jahren auch im IRC unterwegs und ich werde es nicht wegen Google Talk aufgeben. 🙂

  2. Wie, Ircnet hat jetzt auch lange Namen? Naja, ich weiß ja nicht, ob ich deswegen meinen gewohnten Nick aufgeben sollte. Die einzige Änderung ist eine ‚englifizierung‘ gewesen, aber ansonten bleibe ich bei meinem Nick.
    Wozu gibt es whois? 😉

  3. stimmt aber echt, ircen ist besser, um schnell leute kennen zu lernen, weil weniger invasiv. man braucht allerdings 3000 mal so viel zeit.
    übrigens, irc (allerdings ganz schlimm rudimentär implementiert) geht auch über jabber. falls man mal spontan lust auf irc hat und zufällig der gateway geht. das sieht dann so aus: #muenchen%irc.freenet.de@irc.jabber.freenet.de . gibts auch besser funktionierende gateways?

  4. taiga, ich habe einen irc-client, warum sollte ich mich mit einem jabber ersatz zufrieden geben? mit scripten, aliasen, funktionierend und allem 😉

  5. ich finde es z.b. praktisch, nur ein gerät am laufen zu haben. bin ja nicht der hardwarekönig hier.

  6. Ich finde IRC ist schon nett, weil so schnell, praktisch und unkompliziert. Viele Anfänger schrecken aber vor unattraktiven Clients, kryptischen Befehlen u.ä. zurück (natürlich unbegründet). Der (jetzt werbefreie) Opera hat einen wirklich netten, stabilen und schnellen IRC-Client eingebaut.

  7. hmm vielleicht bekommt man es menschen eher verkauft, daß sie einen browser installieren sollen als einen irc client. vor allem, wo der browser doch jetzt werbefrei ist. 🙂

  8. Um sich einfach nur mit „Gleichgesinnten“ Leuten zu treffen, die beispielsweise das gleiche Hobby oder Problem haben, ist der IRC sicher nicht verkehrt. Halt ein – um nicht zu sagen DER – Chat. Aber es tummeln sich in den Channeln auch immer wieder Leute rum, mit denen man nichts anfangen kann. Entweder sie probieren ihre Scripte der verspielten Clients aus, kommen mit ihrem Hakk0r sl4ng oder spielen sich auf als wenn sie die Weisheit mit dem Löffel gegessen hätten. Beim IM kenne ich die Leute in der Regel persönlich oder zumindest kenne ich ihre richtigen Namen. Komm ich bei einem Problem nicht weiter, kennt sicher jemand aus meinen Kontakten jemand, der jemanden kennt, …. 😉
    Dafür erspare ich mir dann den Stress im IRC und ich muss auch nicht ständig zig Zeilen nachlesen, wenn ich mal 10 Minuten nicht aufs Fenster geachtet habe.
    Deshalb mein Résumé: Ab und zu in den Chat zu gehen ist sicher nicht verkehrt, aber es direkt mit IM zu vergleichen ist imho nicht sinnvoll, da beides zum Teil unterschiedliche Ansätze verfolgt.