Warum gerät das Buch eigentlich nicht in Verruf für den Schund der auf den Markt ist?

Aus „Die Arroganz der Papierverfechter“ (man beachte die URL) von Stefan Niggemeier:

Die Illusion ist dahin. Jeder Leser, Zuschauer und Nutzer kann seine Meinung heute mühelos und fast ungefiltert ins Netz schreiben, und das Ergebnis ist keine gepflegte Podiumsdiskussion, bei der man am Ende noch kurz das Mikrofon ins Publikum gibt, sondern eher einer Auseinandersetzung in einer Kneipe, in der viele Stunden und Promille nach einem Fußballspiel Anhänger verschiedener Mannschaften aufeinandertreffen und die Hälfte, die nicht damit beschäftigt ist, sich zu übergeben, mit möglichst überzeugender Lautstärke versucht, den anderen gleichzeitig die Blindheit des Schiedsrichters in der 57. Minute und die fiskalischen Probleme bei der Umsetzung der bedarfsorientierten Grundsicherung zu erläutern. […]

Warum gerät das Buch eigentlich nicht in Verruf durch die ungezählten Schundromane, die jedes Jahr in dieser Form publiziert werden, die vielen unlesbaren Traktate und all die Werke, die nur geschrieben werden, um den Autor selbst glücklich zu machen, und nie mehr als eine Handvoll Leser erreichen werden? Beim Internet argumentieren Kritiker genau so.
[…]

Es ist ein Missverständnis, anzunehmen, dass all die Leute, die nun als Mini-Publizisten haltlose Interpretationen des Weltgeschehens in ihre Webcams sprechen, damit gleich die Meinungsführerschaft beanspruchen. Was sie beanspruchen, ist Teilhabe: eine Stimme von vielen sein zu dürfen. Und das ist nichts weniger als das, was als Freiheit jedes einzelnen, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten ein zentraler Wert unseres Gemeinwesens ist, bislang aber mangels technischer Möglichkeiten oft nur Theorie blieb.

(via Nico Zorn)

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

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