Warum Twitter eine Lücke füllen kann oder Die üblichen Verdächtigen aus D. entdecken Twitter.

Sonntag ist Twitter-Tag, jedenfalls wenn ich mir die einfallenden Einladungen für Twitter anschaue. Ich hatte mich ja auch lange geweigert, aber nach der Lift dem Gruppendruck nachgegeben.

Liest man bei Robert die Gedanken und vor allem auch die Kommentare durch geht vieles in die Richtung „Abschaffung der Privatsphäre!“ „alles wird entblättert!“ und „Kommunikationsoverkill!“.

Warum eigentlich? Niemand zwingt einen Twitteruser dazu, alles mitzuteilen. Natürlich gibt es die Massentwitterer – z.B. Ian Forrester der vor dem Barcamp in London eine Menge neuer Freunde bekommen hat die alle nur auf die Nachricht gewartet haben daß eine neue Welle von Einladungen verfügbar ist. Unisono Kommentar von einigen „und ich saß die ganze Zeit dort und wollte nichts über all seine Aktivitäten hören sondern nur lesen daß endlich wieder Karten da sind!“

Ich sehe das vergleichbar mit dem Handy. Nur weil ich eines habe, bedeutet das nicht, daß ich always on bin, im Gegenteil. Mein aktuelles Handy habe ich seit Montag nach dem Webmontag nicht wieder in die Hand genommen und ich habe auch wieder vergessen es aufzuladen. E-Mails erreichen mich immer noch schneller als SMS es jemals tun können.

Und meine Updates in Twitter? Sende ich nur über die Weboberfläche und auch nur sehr spärlich. Vielleicht von der Cebit etwas häufiger in einem speziellen Cebit-Twitter. Lesen tue ich Twitter über Google Reader, weil der mir erlaubt den Feed ‚umgekehrt‘ zu lesen, also ältestes zuerst.

Für Veranstaltungen wie Superbowl, Oscars und auch Konferenzen sehe ich Twitter als eine gute Option an – man will Realtime-Informationen haben und die Netzanbindung funktioniert bei solchen Veranstaltungen selten. Das Handy funktioniert. Warum also nicht schnelle Push-Informationen erhalten? Warum nicht schnell mal per SMS eine Info online stellen und an die gewünschte Gruppe senden?

Für mich ist Twitter ein globaler IRC-Channel auf Speed – ohne bestimmte sinnvolle Funktionen. Viele Teilnehmer erkennen (wieder) wie nett es ist auf einem quasi universellen Channel die Möglichkeit zu haben sich zu unterhalten und neue Impulse zu erhalten. Und nicht einen 1:1 Chat nutzen zu müssen.

Die kleinen SMS-artigen Nachrichten zwingen zu kurzem ‚bloggen‘, sind also einfacher bewältigbar als die gleiche Menge an Blogpostings. Viel Potential und doch eine Menge Probleme.

Standardproblem einer amerikanischen Anwendung: Die internationale Ausrichtung ist nicht gegeben. SMS-Empfang funktioniert wohl, aber ob Senden von hier geht, keine Ahnung. Wenn dann wäre es vermutlich auch eine internationale Nummer?

Zweitens: Sprache.
Ich kann mir keine Gruppen anlegen, wo ich mich entscheiden kann, welche Sprache ich sende. Ich habe kein Problem damit zwei Sprachen zu lesen oder schreiben, die meisten meiner englischsprachigen Freunde können das nicht. Meine portugiesischen Freunde Twittern auch in Französisch, Spanisch und Portugiesisch – das will ich gar nicht erst sehen.

Und, auch schon mehrfach aufgekommen: Eine bessere Steuerung wann welche Nachrichten aufs Handy gesendet werden, weil sonst zu bestimmten Events ein Überfluß an Nachrichten einströmt. Was besonders teuer für unsere amerikanischen Freunde ist, die für den Empfang von SMS zahlen dürfen …

Zukunftsaussichten? Rosig. Ist das sinnvoll? Wer weiß. Muß das jeder haben? Absolut nicht.

Update: Johannes hat noch mal schön seine Gedanken zu Twitter zusammengefaßt: Twitter – Thesen zum Hype

Zusätzlicher Lesestoff von Kathy Sierra zum Thema Informationsüberfluß:
The Asymptotic Twitter Curve

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Warum willst du denn die deutsch-english Diskussion wieder starten? Du wirst doch eh überall als internationale Bloggerin vorgestellt, ich finde, wir bleiben bei English, für kurze Mitteilungen vollkommen ok.