‚Web 2.0‘-Beraterin

Steht so jetzt wohl in der Datenbank des Arbeitsamtes. Pflichtbewußt arbeitslos gemeldet, nächste Woche ist mein Termin mit meiner Vermittlerin.

Beim AA wurde ich gleich wieder nach Hause geschickt, meine Daten wurden telefonisch erfaßt von einem Call-Center in Schwerin und die Frau am Telefon und ich mußte ein wenig darüber diskutieren, welche Berufskennzahl ich denn tragen soll. „Ja Ihr jetziger Job, weil dort vermitteln wir Sie ja auch wieder“. Meinetwegen, aber da will ich nicht wieder hin.

Ich ließ das mit mir geschehen, bis irgendwann kurz mal der Hinweis kam, daß die Wahl der jetzigen BKZ darüber entscheidet, welche Art von Vermittler ich bekomme – okay, dann also iih-tee-konkonsulting. Sie kann kein Englisch, aber Data Wa-re-ho-use klang auch ganz niedlich.

Bei der Wahl des neuen Berufswunsches durfte ich mir dann Freitext aussuchen – und nahm obiges. Das zugesandte „Arbeitspaket“ was ich ausfüllen soll, ist schlicht gehalten in seinen Fragen, aber ich soll die kompletten Bewerbungsunterlagen mitnehmen und mein angelegtes Profil mit Referenznummer nennen. Ich möchte mich am Montag mit ihr erst mal über Datenschutz unterhalten: Hingen doch im Amt Zettel mit kompletten Adressen, Telefonnummern und wann jemand zuhause ist. Die soll mir erst mal erklären was es damit auf sich hat.

Die, wie in Frau, wird auch interessant werden. Ich glaube ja noch daran, daß eine zuständige Vermitterin für den Bereich „IT Consulting“ auch etwas Ahnung von der Materie hat. Mal sehen, wie sie meine Antworten auf Fragen wie „Erfahrungen in EDV, zum Beispiel Textverarbeitung / Tabellenkalkulation, Präsentationsprogramme“ aufnimmt.

Ich habe ehrlich geschrieben „Ich schule diese Art von Applikation“ Und „gute SAP-Kenntnisse, keine tieferen Modul-Kenntnisse“ und „Internet: HTML, PHP, Suchmaschinen-Optimierung und Social Media“. Zur Verfügung ab Juni, ja Vollzeit, ja ich bin auch der Meinung ich würde umziehen. Aber mehr als 2 Stunden pendeln will ich eindeutig nicht.

Jetzt muß ich nur noch meine Zeugnisse heraussuchen (Abschhlußzeugnis? Keine Ahnung wo das ist.), meine kompletten Bewerbungsunterlagen mitnehmen und dann frohgemut ins Gespräch gehen. Ob ich noch über das Wochenende mal Clippingservice spielen soll, und meine „Medienauftritte“ listen soll oder ob das zuviel für sie ist? 😉

„Fragen die ich klären möchte“ fragt der Zettel. Antwort „weitere Vorgehensweise. Ich war noch nie arbeitslos.“ Ich weiß ja wenigstens ungefährt was ich will, und die Meldung beim AA ist primär gedacht für Sicherung von Ansprüchen usw, aber für jemanden der ganz frisch in diese Situation reingestossen werden würde, finde ich die Situation / bisherige Vorgehensweise recht befremdlich.

Auch wenn ich jetzt eine „Kundenkarte habe“: all das wirkt wenig verständlich, undurchsichtig. Für einen Verein, der in der Bearbeitung solcher Fälle reichlich Übung hat, nicht gerade ein glänzendes Zeugnis.

Apropos Zeugnis: Ich geh dann mal 10 + 15 Jahre alte Werke suchen.

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(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

10 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Naja, Du darfst den Leuten nicht verdenken, dass sie nicht gerade auf Luxus-Arbeitslose eingestellt sind. Nicht jeder hat eine so spezielle und neuartige Berufung wie unsereiner. Sei nicht zu streng mit der Bundesagentur 🙂

  2. Pah. Der Platz für „ich kann diverse Dinge und kann mir auch vorstellen in diesen etwas zu machen“ war zu lang für sie, und das Konzept von Patchwork-Arbeiterin paßt glaube ich auch nicht in ihre Systeme und hätte mich in die Handarbeitsecke gebracht. ;)))

  3. Nicole, ich setz mich grad in die Ecke vor Lachen. Erwarte nicht mal ansatzweise, dass die Vermittlerin Ahnung von der Materie hat, oder irgendeine Vorstellung, wie es weitergehen soll, oder dass man Dir wirklich zutreffende Jobangebote macht, kurz, erwarte weniger als nichts.
    Szenario wird sein: VermittlerIn im Einzelzimmer mit Familienbild auf dem Schreibtisch, dazu Tubberdose und Joghurtbecher; man wird Dir erzählen, dass es keine Jobs gibt, dass Du Initiativbewerbungen schreiben sollst, Dich selbständig machen kannst und dazu Unterstützung bekommst, aber wieviel und wie lange, wird man schon nichtmehr wissen, weil das ändert sich ja ständig; oder man klatscht Dir alles aber auch alles hin was an Jobs irgendwie mit Computern zu tun hat, ohne zu wissen, dass IT nicht gleich IT ist; „Web 2.0“, davon hat man noch nie was gehört; eventuell wird man Dir Druck machen, nach dem Motto Du musst umziehen und auch mehr als zwei Stunden Pendeln ist zumutbar, und man wird offensichtlich froh sein, wenn Du wieder draussen bist.
    Ich freue mich auf Deinen Bericht.

  4. Ich schließe mich Jo an – der Vermittler wird Ahnung haben, wie er dich verwaltet – von der Arbeit selbst allerdings nicht. Vielleicht bekommst du noch ein Angebot eines Stoff-Herstellers.
    Wenn der Vermittler halbwegs weiß, was er tut, und ehrlich ist, wird er dich durch die Blume wissen lassen, daß du eigentlich nur auf Eigeniniatitive setzen kannst.
    Erinnert mich an den Notarzt und Ausbilder von Rettungssanitätern, der bei der Führerscheinprüfung Ärger bekam, weil er den „Nachweis über die Teilnahme an einem Ersthelfer-Kurs“ selbst ausgefüllt und unterschrieben hat, bzw. an den vollausgestatteten Notarztwagen, der beim TÜV einen Mängeleintrag bekam, da kein Erste-Hilfe-Kasten an Bord war.
    Trotzdem alles Gute.

  5. Hihi, das mit dem alten Zeugnis kenne ich. Von meinem, inzwischen fast 40 Jahre alten Abschlusszeugnis kann ich kaum noch Kopien machen 😉
    Kleiner Joke am Rande:
    Die AA hat mir vor einigen Jahren ein Fachstudium zum „IT-Manager Neue Medien“ spendiert. Dafür gibt es sogar eine BKZ. Letztens stellte ich per Zufall fest, ich werde als Grafiker geführt. Auf meinen Hinweis reagierte die Dame mit „IT-Manager- kenne ich nicht. Da führe ich sie lieber als Verwaltungsangestellter. Das waren sie ja auch mal…“

  6. Hallo Nicole! Du kannst glücklich sein, bei der Arbeitsagentur überhaupt telefonisch in irgendeiner Weise durchgekommen zu sein. Meistens ist die Telefonzentrale nämlich defekt und ich ziehe es daher inzwischen stets vor, persönlich zu erscheinen. Aber auch in den Großraumbüros des weitgehend leerstehenden Gebäudes bekommt man nicht immer die Person, die mit dem eigenen Anliegen vertraut ist. Ich erscheine durschnittlich pro Angelegenheit 8 bis 12 Mal. Dafür geht es jetzt immer schnell. Das hat doch auch was 🙂

  7. Hi,
    mein Mann war vor einiger Zeit kurzweilig arbeitslos – und für das AA Eckernförde nicht vermittelbar. Die kamen nicht damit zurecht, dass er als studierter Mathematiker offensichtlich nur im IT-Bereich (also als Informatiker) gearbeitet hat.
    Es hat dann ihn die Uni-Vermittlungsgruppe (in Kiel) übernommen, die auch nicht wirklich mit Kompetenz aufwartete Die fanden auch keine Kennziffer für ihn. Und ohne Kennziffer geht da gar nichts.
    Er musste dann einen Fragebogen ausfüllen, der bei der Annäherung der Kennziffer hilft. Was kam raus? Informatiker! Ach, nicht gedacht.
    Er hat sich dann einfach selbst einen neuen Job gesucht.
    Wie gut, dass sich im Markt gerade ’ne Menge bewegt. Du wirst also schnell was finden;-
    Gruß,
    Judith

  8. So lobe ich mir das: Sie kündigen ihren festen Job freiwillig von sich aus, um sich selbständig zu machen, wollen aber im Zweifel natürlich, dass die Gemeinschaft der Versicherten ihren Ausflug finanziert, gell? Oder wie darf man „[…] und die Meldung beim AA ist primär gedacht für Sicherung von Ansprüchen usw“ verstehen?
    So lobe ich mir da….

  9. Selbstverständlich ist eine Meldung beim AA erforderlich, selbst bei einer Gründung direkt aus dem Arbeitsverhältnis heraus.
    Würden Sie sich auch nur ansatzweise mit den Regularien auskennen wäre Ihnen damit klar, daß der „Ausflug auf Kosten der Gemeinschaft“ somit nicht stattfindet.
    Aber um inhaltiche Auseinandersetzung geht es bei den versuchten Beleidigungen bei mir und anderen Teilnehmern des Podcastdays ja eh nicht, deswegen ja auch die anonymen Kommentare.