Willst Du mir folgen?

Die Notizen aus der Provinz beschäftigen sich mit dem Leitartikel aus der aktuellen Brand Eins zum Thema Leadership.

Leider kapriziert sich der Artikel dann auf das übliche Lamentieren, dass es heute keinem unserer Führer mehr gegeben scheint, solche Ziele zu finden und charismatisch genug zu verkünden – oder, dass es ihnen nicht bewußt ist, dass solche Ziele oder „Leitbilder“ wichtig sind.

Das ist IMHO billigster Macher-Populismus.

Eine der wenigen Brandeins, die ich mal ansatzweise rechtzeitig gelesen habe, aber mein Backlog, mein Backlog … ;o)

Aber zum Thema. Die genaueren Vorgaben in dem Artikel „Stellen wir uns vor, Schröder würde Minister X folgende Fragen stellen“ haben mich insofern nachdenklich gestimmt, als daß ich für mich festgestellt habe: Ich traue diesem Kanzler einen solchen Weitblick, alleine eine solche Frage zu stellen, nicht zu.

Ganz aus meinem eigenen Bauchgefühl heraus habe ich nicht den Eindruck, daß sich dieser Kanzler – der durchaus mal charismatisch sein kann – hinstellt und so einen Satz faszinierend herüberbringt.
Das Argument mit „er hat die Macht nicht“ lasse ich nicht gelten – und wenn ich zwanzigmal die Macht nicht habe: wenn ich noch nicht einmal _versuche_, Dinge zu verändern, wieso soll ich daran glauben, daß so jemand es versucht, wenn er die Macht dazu hat?

Es ist ein anderer Antrieb dahinter. Der Antrieb, den ein typischer US-Präsident hat, ist imho etwas Bleibendes zu hinterlassen, etwas, worauf er stolz sein kann (genauer weswegen man Flughäfen und Bibliotheken nach ihm benennt).

Ein typischer deutscher Kanzler hat das Interesse daran – wiedergewählt zu werden.

Leitbild bedeutet nicht auch Durchsetzer. Warum sollte es mich einzelne Person nicht motivieren, wenn jemand weiter oben sagt „es interessiert mich nicht, welche Macht ich dafür habe. Das sind meine Prinzipien, dafür stehe ich, das ist mein Leitbild. Komm, willst Du mir folgen?“

Genügend Leuchten in den Augen vorausgesetzt und nicht völlige Inkompetenz bei der Beziehungsgestaltung – und es werden Menschen folgen.

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Dieser Artikel in brandeins hat mich auch schwer beschäftigt. Und ich finde, dass unsere Politik genau daran krankt: dass sie keine Visionen hat. Klar haben die Politiker die Macht. Wer sonst? Und „das Volk“ – wir – ließe sich auch begeistern. Wenn da oben jemand begeistert wäre.