„You’re fired!“ bei RTL

Grundy und RTL bringen deutsches „The Apprentice“

Intern im Gespräch sind Wirtschaftskoryphäen wie Brötchenkönig Heiner Kamps, Molkerei-Magnat Theo Müller, Damenoberbekleidungshersteller Gerry Weber, Trigema-Chef Wolfgang Grupp oder Constantin-Mann Bernd Eichinger. (Spiegel)

Ich sehe mehrere Probleme bei der Umsetzung auf deutsche Verhältnisse, vor allem erscheint mir keiner der genannten Herren charismatisch genug – besoffen in Klatschblättern auftauchen ist keine Qualifikation … Zusätzlich sind die Geschäfte sehr fokussiert, im Gegensatz zum Original. Trump hatte den Vorteil, eine ganze Brandbreite von Aufgaben zur Verfügung stellen zu können, die – von Wohnungen, über Golfplatz, über Wasser-Verkauf bis hin zu Restaurantbetrieb – alle aus seinem eigenen Laden stammen.

Das Wichtigste zum Schluß:
Bei Trump gescheitert zu sein, wird in Usa eher als positiv gewertet werden – er oder sie war dabei und man kann auch nach einem Mißerfolg wieder neu anfangen. Die Mentalität in Deutschland ist eine ganz andere – Fehler werden kaum verziehen; Wiederaufstehen + Neuversuchen sind nicht im Bewußtsein der Bevölkerung verankert. Ein Scheitern wie Nick es hingelegt hat oder die Kommentare der Trumpmitarbeiter über Amy wären hier ein Todesurteil.

Zusätzlich konnte man einen Job ‚gewinnen‘, der wirklich etwas darstellt – der Gewinner konnte wählen (!) zwischen der Leitung eines exklusiven Golfressorts (inklusive Management und Verkauf von neuen Wohnungen auf dem Gelände) oder aber Chef eines neu zu bauenden Wolkenkratzers in Chicago werden (ein 750 Mio Dollar Bauvorhaben). Was bietet mir ein Unternehmer aus der obigen Liste? Das werden kleinere Brötchen werden.

Wer sich dort bewerben will, sollte mental sehr stabil sein, wissen was er dort tut und gegebenenfalls einen eleganten Abgang hinlegen – eher Typ Jürgen als Slatko. Der präsentierende Unternehmer wäre gut beraten, direkten Einfluß auf die Auswahl der Kandidaten zu nehmen – kamerawirksam und guter Mitarbeiter gehen nicht immer zusammen. Und seien wir ehrlich: Der Ruf an 290 Millionen Amerikaner „Arbeite für Donald Trump“ bringt mehr Auswahl an sehr gutem Material als der Ruf von XYZ an 82 Mio Deutsche.

Was mich an dem Spiegeltext ärgert: durchschnittlich 20 Millionen Zuschauer sind in Amerika ein ganz anderer Anteil als in Deutschland, und so tief sind unser aller Kenntnisse des Marktes drüben nicht, daß man daraus einen Marktanteil ableiten kann. Ausserdem: Die Gage, die Donald für die Folgen bekommen hat, mag 50.000 Dollar sein – den Benefit, den er für seine Firma erhalten hat, ist um ein Vielfaches höher.

  • Er konnte seine Firma kostenlos als hochprofessionellen Laden präsentieren, der nur die besten Mitarbeiter will. Eine Firma, die so agiert, produziert auch sehr gute Arbeit – und verankert so im Bewußtsein, wie sinnvoll es ist, die Firma Trump zu beschäftigen
  • kostenlose Werbung für seine Wohnungen
  • Er konnte sein Wasser für eine ganze Folge in das Bewußtsein drängen; inklusive Darstellung für Abnehmer, daß man dieses auch gut in der Gastronomie verkaufen kann
  • In Planet Hollywood kann man nettes Merchandising kaufen
  • Er konnte seine Golfressorts von innen und aussen zeigen – „Da geht man hin, wenn man die wichtigen Menschen treffen will“
  • Sich selbst darstellen als intelligenter Unternehmer, der auch eine soziale Ader hat – brilliante Performance

Als TV-Format ist „The Apprentice“ eindeutig ein Superdeal – denn neben Sensationslust und Neugierde kann die Show interessanten Inhalt bieten.

Die guten Aufgaben des Originals existieren – und auch der Fokus der Kamera: Nämlich nicht auf das Big-Brother-Containerleben und Lagerkoller, sondern auf die Aufgaben und das Verhalten „draussen“ bei der Bewältigung der Aufgaben.

Auch Wiederholungen – Big Brother 2 und folgende waren bereits zuviel – bieten sich an, denn die Aufgaben müssen gar nicht größer / ekliger werden – sondern nur anders, als die vorherigen.

Produktionsfirma Grundy hat gute Chancen auf einen Quotenerfolg – wenn sie sich nicht allzu dumm anstellen. Dumm wäre, Aufgaben eins zu eins zu übernehmen; Limoverkauf auf der Straße hat bei uns keine Tradition und die Flohmarktaufgabe gehört auch in einen anderen Kontext (Fischmarkt vielleicht?).

Das Original hat Einblicke in Strukturen, Menschen und Arbeitsweisen gezeigt; neben Gossip und Fun auch Weiterbildung und Ideen für die Vermarktung von ganz unterschiedlichen Bereichen.

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt.

(Dieser Text wurde aus einem alten Blogsystem importiert und kann Fehler ausweisen, sorry).

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Treffender hätte man diesen Unsinn nicht zusammenfassen können. Danke.